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"Schlächter von Srebrenica": Ratko Mladic zu lebenslanger Haft verurteilt

Urteil gegen Ex-General Mladic  

"Schlächter vom Balkan" zu lebenslanger Haft verurteilt

22.11.2017, 19:56 Uhr | dru, dpa

"Schlächter von Srebrenica": Ratko Mladic zu lebenslanger Haft verurteilt . Ratko Mladic vor dem UN-Tribunal: Dem serbischen Ex-General wurden Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen vorgeworfen. (Quelle: dpa/ANP/ICTY/epa)

Ratko Mladic vor dem UN-Tribunal: Dem serbischen Ex-General wurden Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen vorgeworfen. (Quelle: ANP/ICTY/epa/dpa)

Unter seinem Kommando ermordeten bosnisch-serbische Soldaten Tausende Jungen und Männer, vergewaltigten Frauen und Kinder. Nun muss der Ex-General Ratko Mladic lebenslang ins Gefängnis.

Urteil gegen den "Schlächter vom Balkan": Das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag hat den früheren Kommandeur der bosnischen Serben, Ratko Mladic, wegen des Massakers von Srebrenica und anderer Verbrechen im Jugoslawien-Krieg (1992 bis 1995) zu lebenslänglicher Haft verurteilt.

Die Kammer befand den 74-Jährigen am Mittwoch wegen Völkermordes, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in zehn von elf Anklagepunkten schuldig. Der Vorsitzende Richter Alphons Orie sprach von "abscheulichen Verbrechen". Nach Ansicht des Tribunals war Mladic als Oberkommandant der bosnischen Serben hauptverantwortlich für Vertreibungen, Folter, Mord und Vergewaltigungen.

Die schwerwiegendsten Vorwürfe waren: die über drei Jahre dauernde Belagerung von Sarajevo mit tausenden Todesopfern. Misshandlung von Gefangenen in Internierungslagern. Terrorkampagnen gegen Kroaten und Muslime in bosnischen Kommunen, die Geiselnahme von UN-Soldaten sowie der Völkermord von Srebrenica.

"Das Ziel von Mladic war ein `ethnisch reines Großserbien´, erklärten die Ankläger. Serbische Einheiten hatten 1995 die damalige UN-Schutzzone Srebrenica überrannt und rund 8000 muslimische Männer und Jungen ermordet.

Turbulenzen im Gerichtssaal

Während der Urteilsverkündung kam es zu Turbulenzen. Mladic wurde aus dem Saal gebracht, nachdem er mit Zwischenrufen gestört hatte. "Sie lügen", schrie der Ex-General Richter Orie an. Das Gericht hatte zuvor einen Antrag der Verteidigung abgelehnt, die Anhörung wegen des hohen Blutdrucks des 74-Jährigen zu unterbrechen oder sofort das Urteil zu verlesen.

Mladic kündigte nach dem Urteil an, in Berufung zu gehen. Das teilten sein Verteidiger sowie der Sohn mit. Das Gericht habe die Tatsachen falsch bewertet, erklärte Darko Mladic: "Gerechtigkeit wurde durch Propaganda ersetzt."

Mladic war erst 2011 nach 16 Jahren auf der Flucht festgenommen worden. Der 74-Jährige hatte zuletzt erneut erklärt, unschuldig zu sein. "Die Seele können sie mir nicht nehmen", sagte Mladic der serbischen Regierungszeitung "Novosti". Seine Anwälte forderten Freispruch. Im Balkankrieg von 1992 bis 1995 waren etwa 100.000 Menschen getötet und zwei Millionen vertrieben worden.

UN-Tribunal beendet nach 24 Jahren seine Arbeit

Mit dem Schuldspruch gegen Ratko Mladic geht der letzte UN-Völkermord-Prozess zum Jugoslawien-Krieg zu Ende. Zur Urteilsverkündung waren einige Dutzend Angehörige von Opfern des Srebrenica-Massakers nach Den Haag gereist. "Die Höchststrafe ist eine Form von Gerechtigkeit", sagte die Vizepräsidentin der "Mütter von Srebrenica", Kada Hotic (72).

2016 war Mladics enger Vertrauter, der bosnische Serbenführer Radovan Karadzic, für eine fast identische Anklage zu 40 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Karadzic und die Anklage legten Berufung ein. Zum Jahresende schließt das UN-Tribunal nach 24 Jahren seine Arbeit ab. Noch laufende Berufungsverfahren werden von einer neuen Instanz in Den Haag übernommen.

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