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"Roseanne" abgesetzt: Roseanne Barr, Donald Trump und Verschwörungstheorien

Skandal um US-Fernsehstar  

Roseanne, Trump und eine Hassbotschaft zu viel

Von Fabian Reinbold, Washington

30.05.2018, 21:42 Uhr
"Roseanne" abgesetzt: Roseanne Barr, Donald Trump und Verschwörungstheorien. Roseanne Barr: Wegen ihrer Tweets wird die Erfolgsserie, die ihren Namen trägt, eingestellt. (Quelle: AP/dpa/Jordan Strauss/Invision)

Roseanne Barr: Wegen ihrer Tweets wird die Erfolgsserie, die ihren Namen trägt, eingestellt. (Quelle: Jordan Strauss/Invision/AP/dpa)

Jeder kennt sie, Millionen lieben sie: Doch für die US-Erfolgsserie "Roseanne" ist abrupt Schluss, weil die echte Roseanne sich immer tiefer im Netz der Pro-Trump-Verschwörungstheorien verstrickte.

Diese Nachricht verdrängte alle anderen Neuigkeiten: "Roseanne" wird abgesetzt, berichteten die Abendnachrichten aller großen US-Sender am Dienstag als erste Meldung. Schluss, aus, vorbei, trotz eines furiosen Comebacks mit sensationellen Einschaltquoten.

Erst im März war die amerikanische Sitcom aus den späten Achtzigern zurückgekehrt. Sie lief Dienstagabends zur Prime Time auf dem Sender ABC, die erste Folge nach zwanzig Jahren Pause schauten 27 Millionen Menschen. Mit anderen Worten: ein Riesenerfolg.

Jetzt wurde der Serie "Roseanne" zum Verhängnis, dass das Format von der Hauptdarstellerin Roseanne Barr, um die sich alles dreht, nicht zu trennen ist. Barr hat einen rassistischen Tweet verfasst. Sie verunglimpfte die frühere Beraterin von Präsident Barack Obama, die schwarze Valerie Jarrett, als Nachkomme eines Affen.

Es war der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, denn Barr ist berüchtigt für hasserfüllte Tweets und Verbreitung von Verschwörungstheorien.

Roseanne und Donald Trump

Die Nachricht vom Roseanne-Aus schlug aus zwei Gründen dermaßen ein: Zum einen hat ein großer US-Sender noch nie eine derart erfolgreiche Serie abgesetzt. Die erste Comeback-Staffel war die erfolgreichste Serie des Frühlings, die zweite sollte ABC mehr als 60 Millionen Dollar Werbeeinnahmen in die Kassen spülen – welches Unternehmen verzichtet schon gern darauf?

Zum anderen sind sowohl die Sendung als auch ihre Hauptdarstellerin eng mit Donald Trump verknüpft und mit den Spaltungen der amerikanischen Gesellschaft, die sich in seiner Präsidentschaft kristallisieren.

Diese Geschichte beginnt am Tag nach dem Wahlsieg Trumps im November 2016, als die Senderbosse in der Zentrale überlegen, wie sie Trumps Amerika besser erreichen können. Sie kommen auf Roseanne. Die Familie Conner, an der Spitze Matriarchin Roseanne, ist weiße Arbeiterklasse und dies sind genau die Wähler, die Trump ins Weiße Haus gewählt haben.

Trump ruft an

Die Figur Roseanne war in der Neuauflage Trump-Wählerin, ihre Schwester Jackie Hillary-Anhängerin. In den zehn Folgen sollte der Alltag von Trump-Wählern sowie die gewaltigen Probleme gezeigt werden, unter denen das Land leidet: Roseanne hat etwa kein Geld für eine Knie-OP und wird schließlich süchtig nach Schmerzmitteln (wie Millionen Amerikaner).

Der Erfolg übertraf alle Erwartungen. Trump – stets an Einschaltquoten interessiert – rief Barr nach der ersten Folge an und gratulierte ihr.

Doch während die Figur Roseanne Conner als Trump-Wählerin mit gutem Herzen angelegt war (zuletzt verteidigte sie nach anfangs großen Vorurteilen ihre muslimischen Nachbarn an der Supermarktkasse), zeigte Schauspielerin Roseanne Barr immer wieder eine andere Facette ihrer Trump-Anhängerschaft.

Die Verschwörungstheorien

Die wahre Roseanne war tief verstrickt in ein Milieu, das im Internet nicht nur Trump unterstützt, sondern auch Verschwörungstheorien verbreitet, politische Gegner mit Hass und Verachtung überzieht. Roseanne Barr fiel dabei seit Jahren auf. Sie zeigte sich als Anhängerin einer Verschwörungstheorie, nach der Demokraten Padöphilen-Ringe betrieben und Trump Abertausende dieser minderjährigen Sexsklaven retten würde.

Sie beschimpfte schon 2013 eine andere Obama-Beraterin, Susan Rice, als Affen. Rice ist wie Jarrett schwarz.

Am Dienstag twitterte sie die Wortschöpfung "Chelsea Soros Clinton" und verbreitete wieder einmal die Verschwörungstheorie, nach der der liberale Großspender George Soros Nazi-Kollaborateur gewesen sei. Präsidentensohn Donald Trump jr. verbreitete diesen Tweet von seinem Konto auch weiter.

Nach rassistischem Tweet: Roseanne entschuldigt sich – Charlie Sheen lästert

Trump jr. und Barr sind wichtige Figuren in einem ultrarechten Kosmos im Internet, in dem sich Unterstützung für Trump mit Verschwörungstheorien und Hassbotschaften vermengen.

Die Grenzen des Sagbaren sind unter Donald Trump, der bestimmte Länder "Dreckslöcher" und Mitglieder einer Latino-Gang "Tiere" nannte, zwar ausgeweitet worden. Doch Wiederholungstäterin Barr konnte sich bei ihrer rassistischen Auslassung auf keinen Ausrutscher berufen. "Sogar im Zeitalter Trumps gibt es rote Linien, die niemals überschritten werden dürfen. Dies ist eine", twitterte der Moderator Joe Scarborough.

Und so ging es ganz schnell nach ihren Tweets vom Dienstagvormittag. Erst gab eine Produzentin den Rückzug von der Show bekannt. Dann kündigte ihr Agent die Zusammenarbeit auf. Barr bat daraufhin öffentlich um Entschuldigung und sprach davon, dass sie einen "schlechten Witz" gemacht habe. Doch es nützte nichts mehr: ABC gab das Ende seiner erfolgreichsten Serie bekannt. Eine für den Abend geplante Wiederholung einer Folge wurde vom Sendeplan gestrichen.

Als die Serie, die ihren Namen trägt, im März wieder anlief, gelobte Roseanne Barr, sich auf Twitter zurückzuhalten. Es ist ihr nicht gelungen.

Verwendete Quellen:

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