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Trump und der Schatten Amerikas

Eine Kolumne von Fabian Reinbold, Washington

Aktualisiert am 12.06.2020Lesedauer: 4 Min.
Donald Trump in Dallas: Zwei Amerikas ringen um die Macht.
Donald Trump in Dallas: Zwei Amerikas ringen um die Macht. (Quelle: Jonathan Ernst/Reuters-bilder)
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W├Ąhrend Donald Trump twittert, schafft das andere Amerika Fakten. Stellt sich das Land seiner Vergangenheit? In dem Streit geht es nicht nur um Symbole, sondern um die Macht.

Das Tempo, mit dem die USA durch ihre momentane Krise ziehen, ist zumindest atemberaubend. Die Zustimmung zur Bewegung "Black Lives Matter", die Verurteilung von Polizeigewalt und das Bewusstsein f├╝r Rassismus und Diskriminierung sind binnen zwei Wochen in die H├Âhe geschossen. Hinter allem steht nun laut Umfragen eine gro├če Mehrheit der Amerikaner.

Die Ereignisse rattern nur so vorbei: In Richmond, Virginia, und Montgomery, Alabama, st├╝rzen Denkm├Ąler f├╝r Sklaverei-Verteidiger vom Sockel. Die Demokraten wollen sie aus den Hallen des Kongresses verbannen. Politiker beider Parteien wollen Milit├Ąrbasen umbenennen, die den Namen von Gener├Ąlen der S├╝dstaatenarmee tragen. Die Rennsportserie Nascar, Inbegriff rustikalen S├╝dstaatenspa├čes, verbietet die Konf├Âderiertenfahne. Die S├╝dstaaten als Symbol f├╝r Sklaverei und Rassismus, diese Sicht setzt sich 150 Jahre nach ihrer Niederlage im B├╝rgerkrieg gerade durch.

Und noch mehr: Ein wei├čer Gr├╝nder der Internetplattform Reddit r├Ąumt seinen Platz im Verwaltungsrat, damit ein Schwarzer ihn einnehmen kann. Die wei├če Polizeichefin von Portland, Oregon, geht zugunsten ihres schwarzen Vizes. Teile der Protestbewegung wollen der Polizei Geld entziehen. Minneapolis, die Stadt in der George Floyd seinen Tod fand, bricht die Polizeibeh├Ârde auf, B├╝rgermeister von New York bis Los Angeles leiten Polizeigelder zugunsten sozialer Programme und als Erziehungsmethode um.

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Es herrscht eine Dynamik, die man im Stakkato der immer gleichen Ablenkungtweets von Donald Trump leicht ├╝bersehen kann. Ein fast schon schwindelerregendes Tempo. Es geht dabei um Symbole, um Deutungshoheit, um Einfluss und Geld, mit anderen Worten: um Macht.

Erfindet sich Amerika also neu?

Ja.

Und Nein.

Denn es gibt nat├╝rlich auch die Gegenstr├Âmung. Die sagt, der Tod George Floyds sei ja schrecklich, aber rechtfertige keine Pauschalverurteilung der Polizei und um Gottes Willen keine K├╝rzungen der Gelder. Die mal fragt, wie ein Republikaner aus Ohio, ob Schwarze vielleicht nur deshalb so viel schwerer vom Coronavirus betroffen seien, weil sie sich weniger die H├Ąnde waschen. Die sagt, wie Trump, eine Umbenennung von Milit├Ąrst├╝tzpunkten werde man "nicht einmal erw├Ągen". F├╝r die eine Konf├Âderiertenflagge Symbol f├╝r Lokalpatriotismus und Stolz auf alte Zeiten ist. Heritage, not hate, sagen sie: Es gehe ihnen ums Erbe, nicht um Rassenhass.

Das eine Amerika dr├╝ckt aufs Gas, will Doppelmoral und Diskriminierung nach vierhundert Jahren endlich einmal bek├Ąmpfen. Es hat den Zeitgeist auf seiner Seite. Das andere Amerika bremst, wehrt sich gegen alles, was eigene Macht und alte Identit├Ąt in Frage stellt. Links gegen Rechts, Stadt gegen Land, Jung gegen Alt, aber vor allem auch: Divers gegen wei├č.

Man sieht die zwei Amerikas etwa hier: zwei Pr├Ąsidenten und ihre Praktikanten, Herbst 2016 vs. Fr├╝hjahr 2018.

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Ich sa├č in dieser Woche mit einer schwarzen Freundin zusammen, die fr├╝her im Senat arbeitete und sich noch sehr gut an die Zeit des Senators Barack Obama erinnert, damals der einzige Schwarze unter hundert Senatoren. "Ich wusste, immer wenn ich einen schwarzen Praktikanten ├╝ber die Flure huschen sah, dass der von Obama kam. Ihm war es immer wichtig, die Nachteile auszugleichen."

Der Kampf der zwei Amerikas tobt seit langem, in den Parlamenten, an den Universit├Ąten und Tag f├╝r Tag, seit fast drei├čig Jahren, in der ├ľffentlichkeit. Trump hat die Spaltung nicht erfunden, nur besser ausgeschlachtet als jeder andere.

Man spricht vom Kulturkrieg. Doch vor allem geht es dabei um Macht, wie sie in einer Nation, die Sklaverei und Wilden Westen verinnerlicht hat, verteilt ist, ausge├╝bt wird, missbraucht wird. Wer daran r├╝tteln will, braucht langen Atem und Verb├╝ndete, die nicht nach zwei sch├Ânen Wochen des Protests wieder weg sind.

Interessieren Sie sich f├╝r US-Politik? Washington-Korrespondent Fabian Reinbold schreibt ├╝ber seine Arbeit im Wei├čen Haus und seine Eindr├╝cke aus den USA unter Donald Trump einen Newsletter. Hier k├Ânnen Sie die "Post aus Washington" kostenlos abonnieren, die dann einmal pro Woche direkt in Ihrem Postfach landet.

Man sieht den Machtkampf auch dort, wo man nur eine Seite vermuten w├╝rde, etwa bei der "New York Times". Das Blatt hatte einen Gastbeitrag des Trump-nahen Senators Tom Cotton aus Arkansas gedruckt. Titel: "Schickt die Truppen rein" ÔÇô Tenor: Das Milit├Ąr m├╝sse den Protest b├Ąndigen, der von radikalen Gruppen getragen werde.

Es geh├Ârt zur Tradition der US-Zeitungen, solche Meinungsbeitr├Ąge von links wie rechts prominent zu ver├Âffentlichen, egal ob man die Positionen teilt. Doch f├╝r diesen Beitrag hagelte es heftigste Kritik ÔÇô aus den eigenen Reihen. Zahlreiche junge schwarze Redakteure der Times beklagten sich, argumentierten, der Beitrag gef├Ąhrde sie pers├Ânlich. Es ging hin und her. Am Ende musste der Meinungschef abtreten, der den Beitrag ins Blatt gehoben hatte.

Man nennt die "New York Times" eine linksliberale Zeitung, doch das links und das liberal fallen gerade auseinander. Liberal war die dominante Haltung, ein breites Spektrum der Meinungen abzubilden, auf dass sich der Leser selbst ein Bild machen kann. Neutral um jeden Preis.

Die neue Linke sagt, Neutralit├Ąt sei ja sch├Ân und gut, k├Ânne doch aber nicht bei den grundlegenden Fragen von Rassismus und Menschenrechten greifen. Oder bei einem Pr├Ąsidenten, der Tag f├╝r Tag l├╝gt. Auch dort: eine Machtfrage. Die junge Generation hat einen Sieg errungen.

Diese Fragen werden auch den Wahlkampf ├╝berlagern. Trump wird sie aus seinem Sch├╝tzengraben befeuern, das ist sein Gesch├Ąftsmodell. Joe Biden will eigentlich den Anstand von fr├╝her zur├╝ckbringen. Doch das eine Amerika, das er vertreten muss, fand es fr├╝her ├╝berhaupt nicht anst├Ąndig.

Das eine Amerika sorgte am Dienstag daf├╝r, dass der Streamingkanal HBO das S├╝dstaatenepos "Vom Winde verweht" aus dem Programm nimmt ÔÇô wegen "rassistischer Darstellungen". Das andere Amerika sorgte daf├╝r, dass am Mittwoch der Film bei Amazon prompt auf Platz 1 landete.

So wird es weiter hin und her gehen, bis zur Wahl im November und aller Voraussicht nach noch weit dar├╝ber hinaus.

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