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Günter Grass will Flüchtlinge zwangseinquartieren

"Eklatantes Versagen der Politik"  

Grass für Zwangseinquartierung von Flüchtlingen

28.11.2014, 07:17 Uhr | dpa

Günter Grass will Flüchtlinge zwangseinquartieren. Der Schriftsteller Günter Grass mischt sich ein - und wirft der Politik "ein eklatantes Versagen" vor  (Quelle: dpa)

Der Schriftsteller Günter Grass mischt sich ein - und wirft der Politik "ein eklatantes Versagen" vor (Quelle: dpa)

Sollte es Notfälle bei der Unterbringung von Flüchtlingen geben, wären auch Zwangseinquartierungen in Privatwohnungen eine Option. Mit dieser Anregung hat Nobelpreisträger Günter Grass auf einer Veranstaltung der Schriftstellervereinigung PEN für Aufsehen gesorgt. Der Schriftsteller erinnerte daran, dass dies nach dem Zweiten Weltkrieg auch gemacht wurde - unter Murren teilweise, aber die 14 Millionen Deutschen und Deutschstämmigen aus dem Osten seien so schnell wieder auf die Beine gekommen.

Ohne diese Menschen, wie später auch die Gastarbeiter, hätte es das deutsche Wohlstandswunder nicht gegeben. Grass betonte jedoch, dass es seiner Erfahrung nach bei den Deutschen eine große Bereitschaft gebe, Menschen in Not zu helfen.

Versagen des Westens angeprangert

Allerdings sieht Grass, wie auch die Schriftsteller Christoph Hein und Josef Haslinger, ein "eklatantes Versagen der Politik" - nicht nur bei der Flüchtlings- und Asylpolitik. In harschen Worten prangerten sie das Versagen des Westens an. 

Der habe nach der friedlichen Revolution 1989 in Osteuropa samt Mauerfall in der DDR Hoffnungen auf ein Ende des Blockdenkens und eine Überwindung des Nord-Süd-Konflikts, des Gegensatzes von Arm und Reich, enttäuscht.

"Eine Mauer aus Geld"

"Wir sind in eine neue Gefahrenzone geraten", beschrieb der Österreicher Haslinger die Weltlage. Von einer Mauer, die härter ist als Stein, nämlich "eine Mauer aus Geld", sprach der Ostdeutsche Hein. "Sie hat schon jetzt mehr Tote gefordert als die (Berliner) Mauer und es werden mehr folgen." Arme Kontinente wie Afrika würden auf die Segnungen des Kapitalismus immer noch warten.

Hein diagnostizierte wachsende unterschwellige Ausländerfeindlichkeit in Deutschland. Der Hintergrund sei "Angst um Wohlstand".

Schriftsteller wollen sich verstärkt einmischen

Die Zeiten, in den politisches Engagement von Autoren nicht so gefragt war und ihnen geraten wurde, sich auf das Schreiben von Literatur zu beschränken, sind nach den Worten Haslingers vorbei. Und er unterstrich dies mit historischer Kontinuität: "Der PEN wurde gegründet, um sich einzumischen."

Haslinger verlas einen Aufruf des deutschen PEN, der die Abschottung der EU gegen Flüchtlinge verurteilt und ein gemeinsames humanes Asylrecht aller EU-Staaten anmahnt. Der Aufruf soll an alle PEN-Zentren in Europa gehen und dort möglichst viel Unterstützung finden.

Grafiken für guten Zweck versteigert

Der PEN feierte in der Freien Akademie der Künste in Hamburg seinen 90. Geburtstag - als Benefiz-Gala mit Lesungen beklemmender Texte verfolgter und inhaftierter Autoren, die der PEN mit den Programmen "Writers in Exile" und "Writers in Prison" unterstützt.

Mehr als 6000 Euro für "Writers in Prison" brachte eine von Ex-"Tagesthemen"-Moderator Ulrich Wickert launig-humorvoll geleitete Versteigerung von sechs Grafiken, die Grass zur Verfügung gestellt hatte.

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