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Arbeitskräftemangel: Deutschland bracht 260.000 Zuwanderer – jedes Jahr

Studie zu Arbeitskräftemangel  

Deutschland braucht 260.000 Zuwanderer – jedes Jahr

12.02.2019, 15:30 Uhr | dpa

 (Quelle: Reuters)
Bertelsmann-Studie: Deutschland braucht mehr als 10 Millionen Zuwanderer bis 2060

Einer Studie der Bertelsmann-Stiftung müssen pro Jahr etwa 260.000 Menschen nach Deutschland einwandern, damit die Wirtschaft ihren Bedarf an Fachkräften decken kann.

Laut Bertelsmann-Studie: Die deutsche Wirtschaft ist massiv auf Zuwanderung angewiesen – trotz einer eventuell höheren Geburtenrate. (Quelle: Reuters)


Um die Nachfrage nach Arbeitskräften zu decken, braucht Deutschland Tausende Migranten aus Nicht-EU-Ländern. Spätestens wenn die Babyboomer in Rente gehen, drohen laut einer Studie große Probleme.

Der deutsche Arbeitsmarkt braucht einer Studie zufolge mittel- und langfristig jedes Jahr mindestens 260.000 Zuwanderer. Das Angebot an Arbeitskräften werde angesichts der alternden Gesellschaft ohne Migration bis zum Jahr 2060 um rund 16 Millionen Personen – also um fast ein Drittel – massiv schrumpfen. Das prognostiziert eine Untersuchung im Auftrag der Bertelsmann Stiftung, die am Dienstag in Gütersloh veröffentlicht wurde.

Die Einwanderung aus anderen EU-Ländern werde künftig im Vergleich zu den vergangenen Jahren abnehmen. In Europa näherten sich Wirtschaftskraft und Lebensqualität voraussichtlich allmählich an und der Reiz sinke, einen Job in Deutschland zu suchen. Folglich komme der Zuwanderung aus außereuropäischen Drittstaaten eine wachsende Bedeutung zu. Das betonten Experten des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung und der Hochschule Coburg, die die kommenden vier Jahrzehnte in den Blick genommen hatten.

Im Jahresdurchschnitt seien 114.000 Zugänge aus dem EU-Ausland und 146.000 aus Drittstaaten erforderlich, um den demografiebedingten Rückgang des Arbeitskräfteangebots auf ein "für die Wirtschaft verträgliches Maß" zu begrenzen. Das Einwanderungsgesetz sollte möglichst schnell verabschiedet werden, forderte Stiftungsvorstand Jörg Dräger. Das Bundeskabinett hatte den Entwurf für ein Fachkräfte-Einwanderungsgesetz Ende 2018 verabschiedet.

Ab 2025 gehen die Babyboomer in Rente

Die Zuwanderung aus anderen EU-Ländern war in den vergangenen Jahren noch kräftig ausgefallen – 2017 mit einem Wanderungssaldo von etwa 250.000 Personen laut Studie. In dem Maße, in dem der Zuzug aus der EU aber abnehmen werde, wachse der Bedarf an Immigranten aus Drittstaaten: Bis 2035 brauche der deutsche Arbeitsmarkt jährlich fast 98.000, zwischen 2036 und 2050 dann alljährlich nahezu 170.000 und zwischen 2051 und 2060 schließlich beinahe 200.000 Zuwanderer aus Nicht-EU-Ländern. Das macht im Schnitt also von 2018 bis 2060 pro Jahr 146.000 Migranten aus Drittstaaten.

Der deutschen Wirtschaft fehlen schon jetzt in vielen Regionen und Branchen qualifizierte Arbeitskräfte. Bereits seit Längerem gibt es Forderungen nach Erleichterungen beim Zuzug. Wenn etwa ab 2025 verstärkt die Babyboomer in Rente gehen, könnte sich der Mangel erheblich verschärfen. 

Zuwanderer aus dem Ausland arbeiten vergleichsweise häufig als Helfer, seltener als Fachkraft und kaum als Spezialist oder Experte, heißt es in der Studie. Ein Beispiel aus 2017: Von 60.000 Personen, die aus Nicht-EU-Ländern zur Arbeit einreisten, seien rund 23.000 ohne eine Berufsausbildung gewesen. "Hinsichtlich der Qualifikation der Migranten wäre also noch einiges zu leisten", schreiben die Autoren. Lasse man viele Personen einwandern, die aber nicht zu den offenen Stellen passten, könne das "zweierlei Verlierer produzieren": den Immigranten und das Unternehmen.
 

 
Dräger betonte, selbst wenn die Rente mit 70 eingeführt oder Frauen gleich viel arbeiteten wie Männer, lasse sich der Fachkräftebedarf mit inländischen Mitteln nicht decken. Die Digitalisierung werde den Arbeitskräftebedarf – entgegen der häufigen Annahme – nicht merklich senken. Sie könne stattdessen zu einer qualitativen Verschiebung führen, mit erhöhter Nachfrage nach Experten – Technikern, Meistern, Akademikern. 

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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