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Nürnberg: Junge Afghane aus dem Unterricht gezogen

Fall afghanischer Berufsschüler  

Schulleiter klagt die Polizei an

02.06.2017, 08:30 Uhr | dpa

Nürnberg: Junge Afghane aus dem Unterricht gezogen. Ein Protest in Bayern gegen die Abschiebung von Afghanen. (Quelle: dpa/Alexander Heinl)

Ein Protest in Bayern gegen die Abschiebung von Afghanen. (Quelle: Alexander Heinl/dpa)

Im Fall des afghanischen Berufsschülers, der von der Polizei in Abschiebehaft genommen werden sollte, spricht jetzt der Schulleiter - und klagt die Beamten an. Die Situation sei durch ihr Verhalten erst eskaliert.

Im Unterricht sei das Thema Flucht und Integration immer wieder thematisiert worden. "Das Verhalten der Polizei war da extrem kontra-produktiv", sagte der Direktor der Berufsschule 11. Es sei viel Integrationsarbeit zerstört worden.

Kurz nach Schulbeginn waren am Mittwoch Polizeibeamte in die Schule gekommen, um den 20 Jahre alten Asef N. abzuholen. Er sollte noch am selben Abend mit dem Flugzeug in seine Heimat abgeschoben werden. Mitschüler setzten sich vor den Streifenwagen, hinderten die Beamten an der Abfahrt. Danach kam es zu tumultartigen Szenen mit bis zu 300 Demonstranten, die deutschlandweit für Schlagzeilen sorgten.

Die Sitzblockade endete durch Polizeisturm

Die Sitzblockade sei von der Schülervertretung ausgegangen, berichtete Adamczewski. "Dazu gehört hohe Courage." Der Schulsprecher habe die Aktion beenden wollen und den Mitschülern zugerufen, den Streifenwagen freizugeben. Danach seien Polizeibeamte aber auf die Schüler eingestürmt.

"Die Situation hätte auch ganz anders, friedlich beendet werden können", sagte der Schulleiter. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) machte die linksautonome Szene verantwortlich. Personen aus der linkextremistisch-autonomen Szene hätten gezielt die Polizei angegriffen.

Asef N. als zuverlässiger Schüler beschrieben

Adamczewski beschreibt Asef N. als zuverlässigen Schüler. Der Afghane habe an diesem Freitag einen Probetag bei einem Schreinerbetrieb absolvieren wollen, um eine Lehre beginnen zu können. Der 20-Jährige hatte dem Schulleiter zufolge 7000 Euro an Schleuser bezahlt, um nach Deutschland zu kommen. Seine Flucht im Jahr 2012 dauerte zwei Monate. "Er will arbeiten, damit er seinen Unterstützern etwas zurückzahlen kann, die ihm das Geld damals geliehen haben."

"Ich bin in einem Monat wieder da. Und dann bringe ich Deutsche um"

Der Afghane soll bei dem Polizeieinsatz mit Rache gedroht haben. Als Polizisten ihn von einem von Demonstranten umstellten Streifenwagen in ein in der Nähe stehendes Polizeifahrzeug bringen wollten, habe er wütend gerufen: "Ich bin in einem Monat wieder da. Und dann bringe ich Deutsche um", hatte der Nürnberger Polizeidirektor Hermann Guth berichtet.

"So eine Aussage, wenn sie gefallen ist, muss man natürlich im Kontext der Situation sehen", sagte Adamczewski. Der junge Afghane habe drei Stunden in einem aufgeheizten Streifenwagen verbracht, um ihn herum die Tumulte.

Das örtliche Amtsgericht lehnte am Donnerstag die von der Zentralen Ausländerbehörde der Regierung von Mittelfranken beantragte Abschiebehaft ab. Asef N. ist deshalb wieder auf freiem Fuß.

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