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Kriminalität: Geschlagener jüdischer Professor wirft Polizei "Lügen" vor

Kriminalität  

Geschlagener jüdischer Professor wirft Polizei "Lügen" vor

14.07.2018, 16:34 Uhr | dpa

Kriminalität: Geschlagener jüdischer Professor wirft Polizei "Lügen" vor. Im Bonner Hofgarten wurde ein israelischer Hochschulprofessor aus den USA von einem jungen Deutschen mit palästinensischen Wurzeln attackiert.

Im Bonner Hofgarten wurde ein israelischer Hochschulprofessor aus den USA von einem jungen Deutschen mit palästinensischen Wurzeln attackiert. Foto: Volker Lannert. (Quelle: dpa)

Bonn (dpa) - Der israelische Hochschullehrer aus den USA, der am Mittwoch in Bonn von einem Deutschen mit palästinensischen Wurzeln angegriffen worden war, hat schwere Vorwürfe gegen die Polizei erhoben.

In einem Brief an die Deutsche Presse-Agentur und andere Medien beschuldigte Professor Jitzchak Jochanan Melamed von der Universität Baltimore die Polizei, "Lügen" über den Vorfall zu verbreiten.

Melamed war von der Polizei zunächst irrtümlich für den Angreifer gehalten, überwältigt und geschlagen worden. Dies hat die Polizei auch zugegeben und sich entschuldigt. Sie hat in ihrer Pressemitteilung allerdings auch geschrieben, dass die beteiligten Polizisten angegeben hätten, Melamed sei auf ihre Zurufe hin nicht stehen geblieben und habe sich dann gewehrt.

Der 50 Jahre alte Philosophie-Professor bestreitet das entschieden: "Ich war nicht zu 100, sondern zu 500 Prozent passiv", sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die Polizisten seien sofort auf ihn losgegangen, und er habe danach kaum noch atmen, geschweige denn Widerstand leisten können. Er habe lediglich gerufen, dass er der Falsche sei. Die Polizei habe ihm seine Hände mit Handschellen auf dem Rücken gefesselt und ihn Dutzende Male ins Gesicht geschlagen. Sein Gesicht habe anschließend geblutet.

Den Zeitungen der Funke Mediengruppe schilderte er das so: "Dann fingen sie an, mir ins Gesicht zu schlagen. Ungefähr 50, 60, 70 Mal - völlig verrückt! Ich war geschockt. Das ist ein abscheuliches Polizeiverhalten, wie man es sonst nur in einem Entwicklungsland findet."

Kurz nachdem ihm die Handschellen wieder abgenommen worden seien, habe ihn einer der Polizisten belehrt: "Don't get in trouble with the german police!" ("Legen Sie sich nicht mit der deutschen Polizei an"). Darauf habe er geantwortet, dass die deutsche Polizei 1942 seinen Großvater, seine Großmutter, seinen Onkel und seine Tante ermordet habe.

Auf der Wache hätten die Polizisten eineinhalb Stunden lang versucht, ihn von einer Beschwerde abzubringen. Einer der Beamten habe ihm gesagt, er sei von ihm an der Hand berührt worden, und erst als Reaktion darauf seien sie gegen ihn vorgegangen. "Ich sagte ihm, das wäre eine glatte Lüge." Es sei vorher zu keinem Körperkontakt zwischen ihnen gekommen. Am Ende hätten sie ihm deutlich gemacht, sollte er sich über sie beschweren, wären sie gezwungen, ihn zu beschuldigen, sich widersetzt zu haben.

Der einzige Grund, warum ihn hinterher noch die Polizeipräsidentin aufgesucht habe, sei der Tatsache geschuldet, dass er Professor an einer amerikanischen Universität sei, schrieb Melamed: "Wenn ich nur ein Underdog der deutschen Gesellschaft wäre, würde sich niemand dafür interessieren (und sicher würde auch niemand der Beschwerde glauben schenken)."

Über den antisemitischen Angriff selbst berichtete er, der Mann habe ihn mit den Worten "Bist du Jude?" angesprochen und hinzugefügt, dass er Palästinenser sei. Er habe daraufhin seine Sympathie für die Palästinenser bekundet. Der Mann habe ihn nun auf Englisch angeschrien und beleidigt. Im weiteren Verlauf habe er ihm dreimal die Kippa vom Kopf geschlagen und dabei gerufen, in Deutschland sei es nicht erlaubt, sie zu tragen. Außerdem habe er ihn geschubst. Bis zum Eintreffen der Polizei seien mindestens 20 Minuten vergangen.

Den Zeitungen der Funke Mediengruppe sagte Melamed: "Ganz sicher habt ihr ein Problem mit dem Antisemitismus, aber ihr habt auch ein Problem mit brutaler Polizeigewalt." Das Verhalten der Bonner Polizisten wird zurzeit vom Polizeipräsidium Köln untersucht.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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