Sie sind hier: Home > Politik > Deutschland > 70 Jahre Grundgesetz in Deutschland >

Zölibat, Kuppelei und Homosexualität: Die Gesetzeslage der 50er Jahre

Sex und Familie in den 50er-Jahren  

Als Lehrerinnen noch im Zölibat leben mussten

Von Jennifer Buchholz

22.05.2019, 15:02 Uhr
Zölibat, Kuppelei und Homosexualität: Die Gesetzeslage der 50er Jahre . Paare auf einer Party: Eine Hochzeit erhöhte die Chance auf eine gemeinsame Wohnung. Bis dahin wohnten beide oft weiterhin im Elternhaus. (Symbolbild) (Quelle: imago images/Gerhard Leber)

Paare auf einer Party: Eine Hochzeit erhöhte die Chance auf eine gemeinsame Wohnung. Bis dahin wohnten beide oft weiterhin im Elternhaus. (Symbolbild) (Quelle: Gerhard Leber/imago images)

Sex vor der Ehe war verboten, Homosexualität wurde streng bestraft, im Haushalt bestimmte der Mann: Die Gesetzeslage der Anfangsjahre der Bundesrepublik ist heute unvorstellbar. Ein Blick zurück.

In den 50er-Jahren gab es sowohl in der BRD als auch in der DDR eine strenge Rollenverteilung. Zuneigung und Liebesbekundungen in der Öffentlichkeit waren häufig nur verheirateten Paaren gestattet. Doch auch nach der Hochzeit hatten es vor allem Frauen nicht leichter.

Haushalt

Mann fegt Flur: Männer griffen nicht zum Besen. Die Frau sollte sich alleine um den Haushalt kümmern. Eine Ausnahme war der Polterabend – wie hier auf dem Bild zu sehen. (Symbolbild) (Quelle: imago images/Gerhard Leber)Mann fegt Flur: Männer griffen nicht zum Besen. Die Frau sollte sich alleine um den Haushalt kümmern. Eine Ausnahme war der Polterabend – wie hier auf dem Bild zu sehen. (Symbolbild) (Quelle: Gerhard Leber/imago images)

Das Rollenbild in den 50er-Jahren war klassisch: Der Mann sollte arbeiten gehen und Geld verdienen. Die Frauen sollten sich um den Haushalt und die Kinder kümmern und dem Mann ein schönes Umfeld schaffen und ihn verwöhnen. Bei der Hausarbeit zu helfen, war nicht Aufgabe des Mannes.

Lebensort

Mann und Frau leben zusammen: In einer Ehe suchte der Mann die gemeinsame Wohnung aus. (Symbolbild) (Quelle: imago images/Gerhard Leber)Mann und Frau leben zusammen: In einer Ehe suchte der Mann die gemeinsame Wohnung aus. (Symbolbild) (Quelle: Gerhard Leber/imago images)

Der Mann bestimmte sowohl die Wohnung als auch den Wohnort des Ehepaares. Seine Frau hatte Anfang des Jahrzehnts kein Mitspracherecht bei ihrer Lebensplanung – sie sollte sich ihrem Schicksal beugen.

Arbeitserlaubnis

Familie mit ihrem Volkswagen: Fühlte sich der Mann durch die Berufstätigkeit seiner Frau vernachlässigt, durfte er ihr das Arbeiten verbieten und sie musste zu Hause bleiben. (Symbolbild) (Quelle: imago images/Joker)Familie mit ihrem Volkswagen: Fühlte sich der Mann durch die Berufstätigkeit seiner Frau vernachlässigt, durfte er ihr das Arbeiten verbieten und sie musste zu Hause bleiben. (Symbolbild) (Quelle: Joker/imago images)

Die Frau brauchte die Erlaubnis ihres Mannes, um arbeiten gehen zu dürfen. Dabei durfte sie durch den Beruf ihre familiären Pflichten nicht vernachlässigen. Ging die Frau ohne Erlaubnis ihres Mannes arbeiten, durfte er ihren Arbeitsvertrag für ungültig erklären.

Vermögensbildung und -verwaltung

Frauen studieren Modekatalog: Neue Kleidung durften Frauen oft nur nach Absprache mit ihrem Mann kaufen. (Symbolbild) (Quelle: imago images/Gerhard Leber  )Frauen studieren Modekatalog: Neue Kleidung durften Frauen oft nur nach Absprache mit ihrem Mann kaufen. (Symbolbild) (Quelle: Gerhard Leber /imago images)

Unabhängig davon, ob vor der Hochzeit Gütertrennung vereinbart wurde, durfte der Mann über das Einkommen und das Vermögen seiner Frau bestimmen und dieses verwalten.

Kindererziehung

Vater mit Sohn: Der Vater sorgt in der Familie für Disziplin und Ordnung. Die Mutter steht für die emotionale Bindung.  (Quelle: imago images/serienlicht)Vater mit Sohn: Der Vater sorgt in der Familie für Disziplin und Ordnung. Die Mutter steht für die emotionale Bindung. (Quelle: serienlicht/imago images)

In den 50er-Jahren gilt der Vater in der Familie als Autorität und Disziplinierungsperson. Zudem obliegt ihm die Entscheidungsbefugnis über die gemeinsamen Kinder. Betreuung und Versorgung sind die Aufgaben der Mutter – die Kinder mit zu Sport- und Musikveranstaltungen zu nehmen, übernimmt der Vater. Er ist zwar streng, dennoch soll er auch ein Freund für die Kinder sein.

Zum Multimedia-Spezial

1958 fiel das "Letztentscheidungsrecht" des Mannes. Frauen durften auch ohne Genehmigung des Mannes arbeiten gehen, wenn sie dabei ihre haushaltlichen und familiären Pflichten nicht vernachlässigten, Frauen hatten jetzt ein Mitspracherecht bei dem Wohnort und der Wohnung der Familie.

Wohnung

Paar: Eine Hochzeit erhöhte die Chance auf eine gemeinsame Wohnung. Bis dahin wohnten beide oft weiterhin im Elternhaus. (Symbolbild) (Quelle: imago images/Gerhard Leber)Paar: Eine Hochzeit erhöhte die Chance auf eine gemeinsame Wohnung. Bis dahin wohnten beide oft weiterhin im Elternhaus. (Symbolbild) (Quelle: Gerhard Leber/imago images)

Außereheliches Zusammenleben war sowohl moralisch als auch gesetzlich nicht erlaubt. Zudem war es für unverheiratete Paare kaum bis gar nicht möglich, eine gemeinsame Wohnung zu bekommen.

Verbot der Kuppelei

Umarmungen: Intimität wurde nur in einem gewissen Maße zwischen unverheirateten Paaren toleriert.  (Quelle: imago images/Gerhard Leber)Umarmungen: Intimität wurde nur in einem gewissen Maße zwischen unverheirateten Paaren toleriert. (Quelle: Gerhard Leber/imago images)

Sexualität unter nicht verheirateten Paaren war verboten. Wer einem unverheirateten Paar dabei half, heimlich seine Zuneigungen auszuüben oder gar Sex zu haben – beispielsweise wenn ihm ein Zimmer angeboten oder vermietet wurde – wurde bestraft. Verstießen sowohl Frauen als auch Männer gegen das Gesetz, wurden sie von der Gesellschaft geächtet. Die "Wahrung der Sitten" galt sowohl gesellschaftlich als auch staatlich als ein hohes Gebot.

Mutter- und Kinderschutz

Frau mit Kleinkind: Frauen in der DDR konnten in späteren Jahrzehnten teilweise bestimmen, ob sie ihr ungeborenes Kind behalten wollen, oder nicht. (Symbolbild) (Quelle: imago images/Gerhard Leber)Frau mit Kleinkind: Frauen in der DDR konnten in späteren Jahrzehnten teilweise bestimmen, ob sie ihr ungeborenes Kind behalten wollen, oder nicht. (Symbolbild) (Quelle: Gerhard Leber/imago images)

Ein in den 50er-Jahren in der DDR verabschiedetes Gesetz erlaubte einen Schwangerschaftsabbruch aus medizinischen Gründen. Die Familienplanung sollte von den Eheleuten bewusst und sinnvoll erfolgen. Viele Frauen bekamen daher oft nur so viele Kinder, wie sie sich auch leisten konnten. Die Verhütung mit Kondomen wurde als verwerflich angesehen. Zudem waren die Produkte sehr teuer und nur in Apotheken erhältlich. 

Alleinerziehende

Frau mit Kleinkind: Alleinerziehende Frauen litten oft unter Vorurteilen. (Symbolbild) (Quelle: imago images/Gerhard Leber)Frau mit Kleinkind: Alleinerziehende Frauen litten oft unter Vorurteilen. (Symbolbild) (Quelle: Gerhard Leber/imago images)

Alleinerziehende Mütter galten als sittlich und moralisch nicht gefestigt. Ohne Mann war die Familie "unvollständig". Uneheliche Kinder hatte eine gesetzliche Amtsvormundschaft des Jugendamtes, das heißt, sie wurden von der Behörde beaufsichtigt, konnten aber dennoch bei der Mutter leben.

Lehrerinnenzölibat

Hochtzeitsfeier: Damit sich Lehrerinnen auf ihre Familienplanung konzentrieren konnten, verloren viele von ihnen nach der Hochzeit ihre Anstellung. (Symbolbild) (Quelle: imago images/Gerhard Leber)Hochtzeitsfeier: Damit sich Lehrerinnen auf ihre Familienplanung konzentrieren konnten, verloren viele von ihnen nach der Hochzeit ihre Anstellung. (Symbolbild) (Quelle: Gerhard Leber/imago images)

Bis 1950 galt das Lehrerinnenzölibat. Lehrerinnen war es nicht gestattet, eine Familie zu gründen beziehungsweise eine Familie zu gründen und weiterhin beruflich tätig zu sein. Vorher wurden Lehrerinnen nach ihrer Hochzeit entlassen, damit sie sich um die Familie kümmern konnten.

Homosexualität

Im Nationalsozialismus wurden homosexuelle Männer verstärkt verfolgt, in Konzentrationslager gesperrt. Sie wurden zuvor in sogenannten Rosa Listen polizeilich erfasst und diskriminiert. Grundlage hierfür war der § 175 StGB. In der BRD und in der DDR entwickelte sich das Leben für Homosexuelle später unterschiedlich.

Zwei fröhliche Männer: Freundschaft unter Männern war erlaubt, Liebe hingegen wurde nicht anerkannt. (Symbolbild) (Quelle: imago images/serienlicht)Zwei fröhliche Männer: Freundschaft unter Männern war erlaubt, Liebe hingegen wurde nicht anerkannt. (Symbolbild) (Quelle: serienlicht/imago images)

In der DDR wurde das Gesetz schließlich Ende der 50-Jahre entschärft. Auch wenn es abgemildert wurde, genossen Homosexuelle in der Gesellschaft keinen guten Ruf. Sie wurden nicht akzeptiert. Nach ihrem Outing wurden Männer und auch Frauen diskriminiert und von der Gesellschaft ausgeschlossen.

Zwei Frauen tanzen miteinander: Gleichgeschlechtliche Liebe unter Frauen wurde nicht im gleichen Ausmaß wie die unter Männern verfolgt und diskriminiert. (Symbolbild) (Quelle: imago images/serienlicht)Zwei Frauen tanzen miteinander: Gleichgeschlechtliche Liebe unter Frauen wurde nicht im gleichen Ausmaß wie die unter Männern verfolgt und diskriminiert. (Symbolbild) (Quelle: serienlicht/imago images)

In der Bundesrepublik hingegen wurden Homosexuelle noch länger weiterhin verfolgt. Der entsprechende Paragraph 175 im Strafgesetzbuch wurde erst 1969 modifiziert, er diskriminierte Homosexuelle aber weiterhin.
 

 
Auch die "Rosa Listen" wurden in der BRD noch weitergeführt. Die juristische Verurteilung eines Homosexuellen bedeutete für ihn den sozialen Abstieg. Manche begingen aus diesem Grund Suizid.

Dieser Beitrag ist Teil unserer Serie zum 70. Geburtstag des Grundgesetzes: t-online.de blickt auf das erste Jahrzehnt der Bundesrepublik zurück. Im Multimedia-Spezial und auf unserer Homepage t-online.de finden Sie zahlreiche Beiträge zu dieser Zeit.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail


shopping-portal