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Schwere Nebenwirkungen: Chloroquin-Studie gegen Covid-19 unterbrochen

Möglicher Einsatz gegen Covid-19  

Schwere Nebenwirkungen? Chloroquin-Studie unterbrochen

29.05.2020, 18:35 Uhr | dpa

Schwere Nebenwirkungen: Chloroquin-Studie gegen Covid-19 unterbrochen. Malaria-Medikament Chloroquin: In Tübingen wurde die Forschung mit der Arznei vorerst eingestellt. (Quelle: dpa)

Malaria-Medikament Chloroquin: In Tübingen wurde die Forschung mit der Arznei vorerst eingestellt. (Quelle: dpa)

Angeblich soll Chloroquin wirksam gegen das Coronavirus sein – das behauptete auch US-Präsident Trump. In Deutschland wird eine Studie mit dem Medikament jetzt unterbrochen – aus Sicherheitsbedenken.

Das Tübinger Institut für Tropenmedizin unterbricht seine Studie mit dem Medikament Chloroquin zur Behandlung von Covid-19-Patienten. Wie Institutsdirektor Peter Kremsner am Freitag mitteilte, soll sie bis zu zwei Wochen ausgesetzt werden, weil es Berichte über schwere Nebenwirkungen des Malaria-Mittels gegeben hat. In dieser Zeit solle ein unabhängiges Sicherheitsgremium die ersten Ergebnisse zur Patientensicherheit anschauen. Danach solle eine Entscheidung fallen, ob die Studie fortgesetzt werde. Zuerst hatte der SWR darüber berichtet.

Brisant ist die Meldung auch, da besonders US-Präsident Donald Trump ein vehementer Befürworter der Einnahme des verwandten Mittels Hydroxychloroquin ist. Er habe "sehr gute Dinge" über das seit Langem zugelassene Malaria-Präparat gehört und nehme das Medikament schon länger selbst ein, sagte Trump erst vor wenigen Tagen. Schon Ende April warnte die US-Lebensmittel- und Arzneibehörde (FDA) allerdings vor dem angeblichen Wundermittel: Es gebe keine belastbaren Beweise einer Wirksamkeit gegen Covid-19, das Mittel erhöhe aber das Risiko lebensgefährlicher Herzrhythmus-Störungen, hieß es. 

Europäische Arzneimittelbehörde: Besondere Vorsicht bei Behandlung

Die Studie in Tübingen hatte Ende März begonnen. Kremsner geht davon aus, dass die Sorgen um Nebenwirkungen übertrieben sind. Das Medikament sei seit Jahrzehnten bekannt und gut verträglich. Voraussetzung sei allerdings, dass es bei vielen Vorerkrankungen nicht eingesetzt werden dürfe und nicht in Kombination mit vielen anderen Medikamenten.

Unterdessen wies die Europäische Arzneimittelbehörde EMA Ärzte erneut daraufhin, bei der Behandlung von Covid-19-Patienten mit Chloroquin und Hydroxychloroquin besondere Vorsicht walten zu lassen. Eine positive Wirkung sei noch nicht belegt, die Behandlung könne schwere Nebenwirkungen haben, etwa bei Patienten mit Herzerkrankungen. Frankreich hatte diese Woche die Behandlung mit Hydroxychloroquin ganz verboten. Einen entsprechenden Erlass veröffentlichte die Regierung am Mittwoch.

Die Tübinger Tropenmediziner wollten früheren Angaben zufolge mit Chloroquin eine moderat an Covid-19 erkrankte Testgruppe behandeln und einer Kontrollgruppe Placebos verabreichen. Im Augenblick gebe es nur sehr wenige Corona-Patienten in Tübingen, mit denen er seine Studie hätte fortsetzen können, sagte der Wissenschaftler dem SWR.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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