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Experte zum Voll-Lockdown: "Das fällt der Politik jetzt auf die Füße"


Plötzlich doch Voll-Lockdown?
Experte: "Jetzt müssen Fehler eingestanden werden"

  • Marianne Max
Von Marianne Max

Aktualisiert am 12.12.2020Lesedauer: 3 Min.
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Bundeskanzlerin Angela Merkel: In einer emotionalen Rede hatte sie an die Politiker appelliert.Vergrößern des Bildes
Bundeskanzlerin Angela Merkel: In einer emotionalen Rede hatte sie an die Politiker appelliert. (Quelle: photothek/imago-images-bilder)

Nur den November durchhalten, dann kommen Lockerungen zu Weihnachten. Daraus wird angesichts immer noch steigender Corona-Zahlen nun nichts. Hat die Politik bei ihrer Krisenkommunikation versagt?

Weihnachten – so normal wie möglich: Das war die Prämisse der Politik in den letzten Wochen. Mit dem Teil-Lockdown im November sollten Familien an den Festtagen zusammenkommen können. Doch daraus wird nichts. Nachdem die Pandemie in Deutschland in den letzten Tagen noch einmal deutlich an Dynamik gewonnen hat, ziehen die Länderchefs von Bayern bis Schleswig-Holstein die Notbremse.

Die Lockerungen zu Weihnachten sind größtenteils kassiert, noch an diesem Wochenende soll bei einem erneuten Corona-Krisengipfel zwischen Kanzlerin Angela Merkel und den Regierungschefs der Bundesländer ein Voll-Lockdown beschlossen werden. Dabei galt der lange Zeit als völlig ausgeschlossen. Ist die Krisenkommunikation der Politik also gescheitert?

"Hinterher ist man natürlich immer schlauer", sagt Martin Fuchs, Kommunikations- und Politikberater, zu t-online. "Gerade in einer so großen Krise, in der man Menschen dazu motivieren möchte, etwas zu tun ist eine klare Kommunikation entscheidend". Seiner Meinung nach seien die Weihnachtsversprechen zum damaligen Zeitpunkt die richtige Aussage gewesen – jetzt falle das der Politik auf die Füße. "Nun müssen Fehler auch selbstkritisch eingestanden werden", so Fuchs.

Kommunikation von Unsicherheit – "ein schmaler Grat"

Dass sich viele Bundesbürger und -bürgerinnen eine offenere Kommunikation von Unsicherheiten und Unklarheiten wünschen, zeigt eine bundesweite Befragung des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung und der Charité. In dieser wurden den Befragten Prognosen des weiteren Corona-Verlaufs vorgelegt. Die Prognosen unterschieden sich darin, wie stark auf wissenschaftliche Unklarheiten hingewiesen wurde.

Abschließend sollten die Befragten auswählen, welche Version sie sich für die Kommunikation der Politik am ehesten wünschen würden. 52 Prozent gaben dabei eher die transparenteren Modelle an, in denen auf Unklarheiten, und somit auf mögliche Fehler, hingewiesen wird.

Ein Wunsch, der berechtigt ist, es sei jedoch "ein schmaler Grat", auf dem sich Politiker und Politikerinnen bewegten, so Fuchs. "Werden zu viele Unsicherheiten kommuniziert, könnte das das Vertrauen der Bevölkerung untergraben", gibt der Experte zu bedenken. Dennoch fordert er: "Unsicherheiten müssten allgemein in der Politik, auch außerhalb von Corona, viel selbstverständlicher kommuniziert werden."

Weihnachtsversprechung könnte der Regierung "komplett um die Ohren" fliegen

So auch bei Weihnachten: Bundeskanzlerin Angela Merkel versprach noch im November "mehr Freiheiten an Weihnachten". "Zu dem Zeitpunkt war es die richtige Ansage, um Menschen zu motivieren. Im Nachhinein wäre es wahrscheinlich besser gewesen den Menschen keine falschen Hoffnungen zu machen", räumt Fuchs ein.

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Er habe Angst, "dass der Regierung das jetzt komplett um die Ohren fliegt". Die Menschen hätten darauf hingearbeitet Weihnachten feiern zu dürfen und viele, so befürchtet Fuchs, würden sich das jetzt nicht verbieten lassen. "Es wird eine extreme Herausforderung, wie man die Menschen jetzt noch dazu motiviert, die Einschränkungen mitzutragen", so der Experte.

"Der Flickenteppich an Entscheidungen bringt die Menschen durcheinander"

Die Einschränkungen mitzutragen, das erhofft sich Fuchs auch von den Ländern. Er wünscht sich Regeln, die von allen 16 Bundesländern gleichermaßen getragen werden. "Der Fleckenteppich an Entscheidungen bringt die Menschen durcheinander", mahnt Fuchs. Dennoch: Bei allen vorherigen Differenzen hofft der Experte nun auf eine breite Geschlossenheit bei den Länderchefs, so wie beim ersten Lockdown.

"Emotional zu werden ist keine falsche Strategie"

Gemeinsam an einem Strang zu ziehen – das hatte auch die Bundeskanzlerin am Mittwoch in der Generaldebatte im Bundestag gefordert. Und sich mit einem emotionalen Appell an Politiker gewandt: "Wenn wir jetzt vor Weihnachten zu viele Kontakte haben und es anschließend das letzte Weihnachten mit den Großeltern war, dann werden wir etwas versäumt haben. Das sollten wir nicht tun!"

"Emotional zu werden ist keine falsche Strategie, sagt Fuchs. "Wenn es aber noch schlimmer wird, muss sie noch eins draufsetzen – noch emotionaler werden. Das ist möglicherweise irgendwann ausgereizt."

Verwendete Quellen
  • Gespräch mit Martin Fuchs
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