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Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema. Niemand muss diese Meinung ĂŒbernehmen, aber sie kann zum Nachdenken anregen.

Katastrophen passieren nicht mehr nur im Ausland

  • Lamya Kaddor
Eine Kolumne von Lamya Kaddor

Aktualisiert am 05.08.2021Lesedauer: 4 Min.
"Das wird das Wetter der Zukunft": Eine Animation zeigt, was hinter dem extremen Wechsel zwischen Hitzewellen und Unwettern in Deutschland steckt. (Quelle: t-online)
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Es habe doch schon immer Wetterextreme gegeben, sagen die Älteren von uns. Aber inzwischen haben wir jedes Jahr Jahrhundertereignisse. Wer das Problem nicht sieht, will es nicht sehen.

50 Grad Celsius in Kanada, verheerende Fluten in Westeuropa, Schnee in Brasilien, riesige WaldbrÀnde am Mittelmeer. Selbst der Juli in Deutschland war zuletzt nicht nur zu nass, sondern in den vergangenen Jahren auch deutlich zu warm. Die zehn wÀrmsten Jahre weltweit reihen sich in 140 Jahren Messungsaufzeichnungen allesamt nach 2005 auf.


Die dramatischen Folgen der Klimakrise

Die Erde heizt sich immer weiter auf. Die VerÀnderungen im globalen Klima haben Auswirkungen auf Menschen, Tieren und Pflanzen. Zehn Bilder zeigen die dramatischen Folgen der Klimakrise.
Eine der sichtbarsten Folgen der Klimakrise ist die Eisschmelze und diese hat wiederum Auswirkungen auf EisbĂ€ren. Die Tiere mĂŒssen schon jetzt lĂ€ngere Strecken schwimmen, um festes Eis zu finden, von dem aus sie Robben jagen können.
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Seit einigen Wochen rollen Hitzewellen und Feuerwalzen im gesamten Mittelmeerraum bis hoch nach Sibirien – aber irgendwie fĂ€llt es uns schwer, die Ereignisse im Kontext zu fassen und zu verstehen. Die sporadische Berichterstattung vermittelt den Eindruck, dass Politik und Medien die Situation nicht so recht verstehen und nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen. Wald- und BuschbrĂ€nde im Mittelmeerraum kommen seit jeher vor, das macht es schwerer zu erkennen, ob eine Situation wie die gegenwĂ€rtige außergewöhnlich ist oder nicht.

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Schnee im brasilianischen Caxias do Sul Ende Juli: Ist eine Situation wie die gegenwĂ€rtige außergewöhnlich oder nicht?
Schnee im brasilianischen Caxias do Sul Ende Juli: Ist eine Situation wie die gegenwĂ€rtige außergewöhnlich oder nicht? (Quelle: Imago / Fotoarena)

Woran sich sogleich die Frage anschließt, ob immer erst etwas "Außergewöhnliches" passieren muss, damit Politik und Medien umfassend reagieren. Wenn Temperaturrekorde um wenige Zehntelgrad nicht gebrochen werden, wo ist der substanzielle Unterschied dazu, wenn sie knapp gebrochen werden? Ob man nun 0,5 Grad unter einem Rekord bleibt oder 0,5 Grad darĂŒber, ist im Grunde egal. Dennoch wird meist erst – Olympia sei Dank – der gebrochene Rekord zum nachrichtenauslösenden Ereignis. Das lĂ€sst BĂŒrgerinnen und BĂŒrger vielfach im Ungewissen.


Ich wĂŒnsche mir mehr aufklĂ€rende, hintergrĂŒndige Berichte, die die ZusammenhĂ€nge beleuchten und wegfĂŒhren von einzelnen Ereignissen. Texte wie der von meiner t-online-Kollegin Theresa Crysmann oder Interviews mit einem Feuerökologen wie Johann Goldammer im Deutschlandfunk kommen mir viel zu selten vor.

Stattdessen gibt es zahlreiche Betroffenheitsberichterstattungen: Menschen, die alles verloren haben, klagen ihr Leid in die Kameras. EinsatzkrĂ€fte am Rande der Erschöpfung sind ebenso oft zu sehen. Solche Bilder sind wichtig, um ĂŒber die Gefahren von BrĂ€nden zu informieren, aber um zu verstehen, was geschieht, sollten die ZusammenhĂ€nge durchschaut werden.

Zum Beispiel, dass solche Ereignisse zur NormalitĂ€t werden, wenn der Mensch nicht handelt. Im Nordosten Deutschlands gehören WaldbrĂ€nde schon lange zum Alltag. In den meisten westlichen Teilen nicht. Doch verheerende Flutkatastrophen gehörten dort bislang ebenso wenig zum Alltag. Das wird sich Ă€ndern. Man braucht keine Glaskugel, um zu wissen, dass auch der Westen Deutschlands ĂŒber kurz oder lang WaldbrĂ€nde erleben wird.

Nach dem Hochwasser im Ahrtal: Der Wiederaufbau wird Jahre dauern.
Nach dem Hochwasser im Ahrtal: Der Wiederaufbau wird Jahre dauern. (Quelle: Imago/Future Image)

Wetterlagen werden weltweit zunehmend stabiler, weil der Jetstream – der Motor unseres Wetters – stottert. Angetrieben wird er durch den Unterschied der kalten Temperaturen in den nördlichen Regionen um die Arktis und den warmen in den sĂŒdlicheren Breiten der Nordhalbkugel.

Diese Temperaturunterschiede nehmen im Zuge der Klimakrise ab – im nordfinnischen Lappland hatten wir Anfang Juli ĂŒber 33 Grad Celsius, so viel wie seit mehr als 100 Jahren nicht mehr. Die Temperaturen zwischen Nord und SĂŒd nĂ€hern sich an mit der Folge: Der Jetstream strömt nicht mehr so wie bisher. Die Wetterlagen in unsere Breiten verĂ€ndern sich daher seltener.

Katastrophen passieren nicht mehr nur im Ausland

In Kanada bedeutete das dieses Jahr: Die Hitzewelle blieb lĂ€nger an Ort und Stelle, verstĂ€rkte die Trockenheit und begĂŒnstigte WaldbrĂ€nde. FĂŒr Westdeutschland bedeutete das: Wir haben einen verregneten Sommer, ein Tief folgt auf das andere – und kaum etwas Ă€ndert sich daran, was wiederum Starkregen und Unwetter wahrscheinlicher macht.

Man muss kein Meteorologe oder Klimaforscher sein, um zu erkennen: Irgendwann gibt es verheerende Starkregenereignisse in Kanada und massive Hitzewellen in Mitteleuropa, dann eben vielleicht auch mit verheerenden WaldbrÀnden. Die Flutkatastrophe hat uns gelehrt: Katastrophen passieren nicht mehr nur im Ausland.

Der Mensch kann jedoch handeln – und das betrifft nicht allein die Klimakrise. Die WaldbrĂ€nde in der Mittelmeerregion sind auch Folgen einer sich verĂ€ndernden Sozioökonomie und Landnutzung, wie Johann Goldammer erlĂ€utert. Manche BrĂ€nde im Mittelmeerraum werden durch den Umzug der Menschen vom Land in die StĂ€dte befördert. Durch die Landflucht werden FlĂ€chen, die ĂŒber Jahrtausende landwirtschaftlich genutzt wurden, zur Brache.

BrĂ€nde in der tĂŒrkischen Mugla-Provinz Ende Juli: Es fĂ€llt uns schwer, die Ereignisse im Kontext zu fassen und zu verstehen.
BrĂ€nde in der tĂŒrkischen Mugla-Provinz Ende Juli: Es fĂ€llt uns schwer, die Ereignisse im Kontext zu fassen und zu verstehen. (Quelle: Imago/Itar-Tass)

FrĂŒher fĂŒhrten Hirten Ziegen, Schafe und Rinder durch die Olivenhaine und ließen sie das GrĂŒn darunter abfressen. Heute gibt es sie kaum noch. Gras- und Buschland verdichten sich und bieten beste Bedingung fĂŒr die Ausbreitung von WaldbrĂ€nden.

Goldammer rĂ€t LĂ€ndern wie der TĂŒrkei, Griechenland, Italien oder Spanien dazu, die traditionellen Formen der Landnutzung wieder zu fördern, statt wie bisher auf Brachen Aufforstungen fĂŒr monokulturelle Waldplantagen zu betreiben. FĂŒr den Feuerökologen sind diese ein wichtiger Grund fĂŒr die WaldbrĂ€nde in der TĂŒrkei, die schlimmsten in der Geschichte des Landes, wie die Regierung erklĂ€rte.

Weil es 50 Grad heiß ist, brennt es noch nicht

Schließlich muss auch jeder von uns verstehen, wie WaldbrĂ€nde entstehen. Viele glauben, die Hitze selbst wĂŒrde sie auslösen. Doch nur weil es 40 oder 50 Grad heiß ist, brennt es noch nicht. Allerdings ein heiß gelaufenes Auto, geparkt auf einer vertrockneten Wiese, eine achtlos weggeworfene Zigarette oder Glasflasche, die die Lichtstrahlen bĂŒndelt – das kann BrĂ€nde auslösen.

Auch Brandstiftungen wird es gegeben haben. An vielen Orten ermitteln die Staatsanwaltschaften. In der TĂŒrkei erhalten die Brandstiftungen noch eine ideologische FĂ€rbung. Manche machen PKK-KĂ€mpfer fĂŒr BrĂ€nde verantwortlich. Auszuschließen ist das nicht – aber ebenso sind VerschwörungserzĂ€hlungen und politische Propaganda von tĂŒrkischen Nationalisten und Kriegstreibern möglich. Aber wie dem auch sei: Ohne DĂŒrren beziehungsweise mit konsequentem ökologischem Handeln wĂŒrden diese BrĂ€nde weniger gigantische Ausmaße annehmen.

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Es gibt so vieles zu verstehen in puncto BrĂ€nde und so vieles, was man selbst und was die Politik tun kann: Aufbrechen versiegelter FlĂ€chen, Fassaden- und DachbegrĂŒnung, Renaturierung von Flussauen, Aufforstungen, gelenkte Sukzession, Backburning, und, und, und.

Mehr Kolumnen von Lamya Kaddor lesen Sie hier.

Lamya Kaddor ist Islamwissenschaftlerin, ReligionspĂ€dagogin, Publizistin und GrĂŒnderin des Liberal-Islamischen Bunds e.V. (LIB). Derzeit leitet sie ein Forschungsprojekt an der UniversitĂ€t Duisburg-Essen und ist Kandidatin der GrĂŒnen fĂŒr den Bundestag. Ihr aktuelles Buch heißt "Die Sache mit der Bratwurst. Mein etwas anderes deutsches Leben" und ist bei Piper erschienen.

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