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Gro├čes Interesse der Jugend an NS-Zeit

Von dpa
25.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Das Eingangstor des ehemaligen Konzentrationslagers in der Gedenkst├Ątte Sachsenhausen.
Das Eingangstor des ehemaligen Konzentrationslagers in der Gedenkst├Ątte Sachsenhausen. (Quelle: Paul Zinken/dpa./dpa)
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K├Âln (dpa) - Anziehend und abschreckend zugleich, unheimlich und absolut extrem - so nimmt die Jugend einer Studie zufolge die NS-Zeit wahr.

Die Generation der 16- bis 25-J├Ąhrigen interessiert sich demnach enorm f├╝r die Epoche - mehr noch als ihre Eltern, die ihr zeitlich n├Ąher sind. Die Monstrosit├Ąt der NS-Verbrechen l├Âse dabei eine Mischung aus Faszination und Angst aus, ergab eine sowohl repr├Ąsentative als auch tiefenpsychologische Studie des K├Âlner Rheingold-Instituts im Auftrag der Arolsen Archives in Hessen. Die Konfrontation mit der Schreckenszeit habe geradezu den Charakter einer Mutprobe.

W├Ąhrend sich bei den 16- bis 25-J├Ąhrigen 75 Prozent f├╝r die NS-Zeit interessierten, seien es bei den 40- bis 60-J├Ąhrigen 66 Prozent. Die Elterngeneration habe auch eine distanziertere Einstellung zu dem Thema und lasse die emotionale Bedr├╝ckung nicht so stark an sich heran wie die sogenannte "Gen Z".

Das Gef├╝hl, frei von Schuld zu sein, sei bei dieser Generation noch gr├Â├čer und erm├Âgliche dadurch eine noch unbefangenere Besch├Ąftigung mit dem Thema, sagte Rheingold-Chef Stephan Gr├╝newald der Deutschen Presse-Agentur. Daneben sei der Nationalsozialismus f├╝r die etwa 20-J├Ąhrigen noch st├Ąrker als f├╝r ihre Eltern ein extremes Gegenbild zur heutigen Welt, in der ihnen alle M├Âglichkeiten offen st├╝nden.

"Demokratien k├Ânnen in Gefahr geraten"

Dazu kommen f├╝r die jungen Menschen offenkundige aktuelle Bez├╝ge. "Heute erlebt diese Generation, dass Demokratien in Gefahr geraten k├Ânnen", sagte Floriane Azoulay, die Direktorin der Arolsen Archives, das nach eigenen Angaben das weltweit umfassendste Archiv zu den Opfern und ├ťberlebenden des Nationalsozialismus ist. "Ich finde es sehr gut nachvollziehbar, dass Erinnerung f├╝r sie mit dem Blick in ihre eigene Lebenswelt verbunden ist, in der populistische, autorit├Ąre und intolerante Stimmen immer lauter zu h├Âren sind."

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Die NS-Zeit helfe der "Gen Z" dabei, zentrale Lebensfragen besser zu verstehen. 39 Prozent sch├Ątzen laut Studie Rassismus als eines der wichtigsten Probleme der heutigen Gesellschaft ein - bei der Elterngeneration sind das nur 14 Prozent. F├╝r junge Menschen mit Migrationshintergrund ist das Thema Rassismus mit 46 Prozent noch relevanter.

Interesse auch an der T├Ąterseite

Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind dabei nicht nur an den Opfern des NS-Regimes interessiert, sondern auch an der T├Ąterseite. "Sie fragen sich: Was h├Ątte ich damals getan? H├Ątte ich vielleicht auch meine j├╝dischen Nachbarn verraten?" Das mache einerseits Angst, weil man sich selbst vielleicht unliebsame Wahrheiten eingestehen m├╝sse, sagte Gr├╝newald. "Es immunisiert aber auch."

In den Tiefeninterviews sei eine "unheimliche Faszination" des Themas sp├╝rbar gewesen. Es gebe mitunter sogar die Bef├╝rchtung, nach einer intensiven Auseinandersetzung damit nicht mehr derselbe Mensch zu sein: "Man blickt in einen Abgrund und wei├č nicht, was dieser Abgrund mit einem macht", sagte der Psychologe.

W├Ąhrend sich ein Gro├čteil der Generation Z entschieden vom Nationalsozialismus distanziere, scheine ein kleiner Teil mit rechtem Gedankengut zu sympathisieren, ohne sich offen dazu zu bekennen. "Die berauschen sich dann an der Machtentfaltung, dass die ganze Welt Angst vor den Deutschen hatte", sagte Gr├╝newald.

Nicht nur nacktes Faktenwissen vermitteln

Was die Vermittlung in der Schule betrifft, so ist es nach Gr├╝newalds Worten entscheidend, nicht nur nacktes Faktenwissen zu vermitteln, sondern eine Br├╝cke zu schlagen zum Leben der Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler. Der Gegenwartsbezug sei entscheidend. Geschichte m├╝sse mit dem Heute verkn├╝pft werden.

"├ťberraschend war f├╝r mich, dass viele sagen, sie wollen sich selber die Geschichte erschlie├čen", so Gr├╝newald. "Sie w├╝nschen sich daf├╝r einen Raum, in dem sie sich zun├Ąchst einmal ohne verordnete Moral mit dem Thema auseinandersetzen k├Ânnen. Alles was tabuisiert ist, ist ja schon direkt mit einem moralischen Etikett versehen." Dann h├Ątten viele auch Hemmungen, sich offen zu ├Ąu├čern, weil sie bef├╝rchteten, ins Fettn├Ąpfchen zu treten.

F├╝r die Studie wurden insgesamt 100 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 16 und 25 Jahren sowie Erwachsene im Alter zwischen 40 und 60 Jahren tiefenpsychologisch befragt. In einer anschlie├čenden quantitativen Erhebung wurden noch einmal 1058 Jugendliche und Erwachsene befragt.

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