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SPD-Führung will "Kurzzeitmitglieder" verhindern

Stichtag für Mitgliedervotum  

SPD-Führung will "Kurzzeitmitglieder" verhindern

24.01.2018, 19:07 Uhr | dpa, rok

. Martin Schulz mit dem Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert: Die SPD-Parteispitze ist von der Kampagne "Tritt ein, sag' Nein" der Jungsozialisten überhaupt nicht begeistert. (Quelle: imago images)

Martin Schulz mit dem Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert: Die SPD-Parteispitze ist von der Kampagne "Tritt ein, sag' Nein" der Jungsozialisten überhaupt nicht begeistert. (Quelle: imago images)

Neumitglieder werben, um die große Koalition zu verhindern: Die Initiative der Jusos kommt nicht überall gut an. Nun könnte eine Stichtagsregelung ihren Plan vereiteln.

Die umstrittene Mitgliederwerbung der SPD-Jugendorganisation Jusos zur Verhinderung einer neuen großen Koalition könnte doch ins Leere laufen. Die SPD-Führung will Anfang kommender Woche einen Stichtag festlegen: Neumitglieder, die danach eintreten, dürften dann am Votum über ein erneutes Regierungsbündnis mit der Union nicht mehr teilnehmen. Der Beschluss soll bei der Sitzung des Parteivorstands gefasst werden, wie die SPD-Pressestelle mitteilte.

An diesem Donnerstag will die SPD-Spitze über ihren Kurs für die voraussichtlich am Freitag beginnenden Koalitionsverhandlungen mit der Union beraten. Nach Ende der Verhandlungen will die SPD den Koalitionsvertrag ihren 440.000 Mitgliedern zur Abstimmung vorlegen. Vom Ergebnis macht die Partei den Eintritt in eine Regierung abhängig.

Die Jusos rufen seit Montag unter dem Motto "Tritt ein, sag' Nein" dazu auf, in die SPD einzutreten, und sei es nur vorübergehend, um zu helfen, den Koalitionsvertrag abzulehnen. Bundesweit wurde danach ein Anstieg der Neuzugänge registriert – wobei auch viele Tausend Juso-Mitglieder kein Mitglied bei der Mutterpartei sind und womöglich jetzt eintreten, um abstimmen zu dürfen.

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil erklärte im rbb-Inforadio, der Parteivorstand werde ein Eintrittsdatum festlegen, ab dem man nicht mehr stimmberechtigt sei. Ein konkretes Datum stehe aber noch nicht fest.

Er freue sich über jedes neue Mitglied, sagte Klingbeil. Was aber nicht gehe, sei zu sagen, man solle eintreten, gegen die große Koalition stimmen und dann wieder austreten. Das reduziere den Wert der SPD-Mitgliedschaft. Als Reaktion auf die Mitgliederwerbung sei die Stichtagsregelung nicht zu verstehen, betonte die SPD-Pressestelle.

SPD will keine "Kurzzeitmitgliedschaften"

SPD-Vize Thorsten Schäfer-Gümbel mahnte bei den zuständigen Ortsvereinen eine sorgfältige Prüfung der Unterlagen bei Neueintritten an. "Jedes Neumitglied, das sich dauerhaft engagieren will, ist bei uns willkommen. Eine Kurzzeitmitgliedschaft mit dem Ziel, eine Abstimmung zu beeinflussen, verstößt gegen unsere Prinzipien", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Die SPD-Abgeordnete Hilde Mattheis verteidigte die Kampagne von Parteilinken und Jusos im Deutschlandfunk. Sie selbst will bei ihrem Nein zu einer schwarz-roten Neuauflage auch dann bleiben, wenn in den Verhandlungen noch substanzielle Verbesserungen aus SPD-Sicht erreicht werden. Ihre Bedenken seien grundsätzlicher Art.

Scheuer: "In der Sondierung wurde alles geregelt"

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer bremste Kompromisssignale aus der CDU an die SPD in Sachen Familiennachzug von Flüchtlingen. "Es bleibt bei der fest vereinbarten Regelung zum Familiennachzug für subsidiär Schutzbedürftige aus dem GroKo-Vorvertrag. In der Sondierung wurde alles geregelt", sagte er.

In den Sondierungsgesprächen hatten Union und SPD vereinbart, den Familiennachzug eng zu begrenzen: auf 1000 Menschen pro Monat. Die SPD verlangt in diesem Punkt aber Nachbesserungen, etwa in Form einer weitergehenden Härtefallregelung. Das lehnt die CSU aber strikt ab.

Parteiauftrag: Noch drei Punkte durchsetzen

Union und SPD streiten darüber, ob es bei zentralen Themen noch Änderungen über das Sondierungsergebnis hinaus geben kann. Der SPD-Parteitag am vergangenen Sonntag hatte der Parteiführung aufgetragen, mindestens drei Punkte durchzusetzen: eine Annäherung von gesetzlicher und privater Krankenversicherung, eine "weitergehende Härtefallregelung" beim Familiennachzug für Flüchtlinge mit eingeschränktem Schutzstatus und die Abschaffung sachgrundloser Jobbefristungen.

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund forderte Union und SPD auf, sich deutlich stärker der Digitalisierung zuzuwenden. "Im Sondierungspapier fehlt eine ernsthafte Strategie und die konkrete Zusage, die notwendigen Finanzmittel bereitzustellen", kritisierte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg in der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Quelle:
- dpa

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