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Corona-Test-Panne in Bayern: "Markus Söder wird von der Realität eingeholt"


Schadet Markus Söder das bayerische Corona-Chaos?

  • Peter Schink
Von Peter Schink, Sven Böll

Aktualisiert am 13.08.2020Lesedauer: 1 Min.
Interview
Was ist ein Pro & Kontra?

Die subjektive Sicht zweier Autoren auf ein Thema. Niemand muss diese Meinungen übernehmen, aber sie können zum Nachdenken anregen.

Gesundheitsministerin Melanie Huml (l.) und Ministerpräsident Markus Söder: Gemeinsam müssen sie Bayerns Test-Panne erklären.Vergrößern des Bildes
Gesundheitsministerin Melanie Huml (l.) und Ministerpräsident Markus Söder: Gemeinsam müssen sie Bayerns Test-Panne erklären. (Quelle: Peter Kneffel/dpa-bilder)

Das passt nicht zum Bild des erfolgreichen Krisenmanagers: In Bayern bekamen Zehntausende Reiserückkehrer tagelang ihre Testergebnisse nicht. Muss Markus Söder nun um seinen Ruf fürchten?

Armin Laschet dürfte sich gefreut haben. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident war zuletzt angesichts seines nicht immer ganz so überzeugenden Krisenmanagements immer stärker unter Druck geraten, während sein bayerischer Kollege Markus Söder zunehmend unangreifbar schien. Doch nun gibt es auch in Bayern mehr als nur ein bisschen Chaos: 44.000 Reiserückkehrer, die getestet wurden, bekamen tagelang ihre Ergebnisse nicht. Darunter waren auch 900 nachweislich Infizierte.

Und so stellt sich neben vielen anderen auch die Frage:

Schadet die Test-Panne Markus Söder?

Pro
Peter SchinkPeter Schinkstellvertretender Chefredakteur

Mangelnde Ernsthaftigkeit schadet ihm

Schauen wir ein paar Wochen zurück. Experten kritisierten Markus Söder für seine "Wir testen alle"-Strategie. Die sei weder sinnvoll noch hilfreich, außerdem teuer. Doch Söder blieb dabei: Möglichst viele Menschen testen, möglichst schnell. Kapazitäten von 200.000 Tests pro Tag kündigte er an. Bis zum Wochenanfang wurden mindestens 50.000 Reiserückkehrer getestet.

Nun wird Söder von der Realität eingeholt: Helfer des Roten Kreuzes sprechen von Chaos an den Autobahn-Raststätten, die beauftragten Test-Firmen sind überlastet, 40.000 Reiserückkehrer warten auf ihr Testergebnis – weil die Reisenden händisch mit Formularen erfasst werden mussten.

Söder rief am Donnerstag sein Kabinett zur Krisensitzung. Schadensbegrenzung nennt man das. Doch wenn die Union in einigen Monaten ihren Kanzlerkandidaten kürt, wird diese Panne womöglich längst wieder vergessen sein. Söder hat dann trotzdem ein Problem: Er inszeniert sich zu gern.

Das ist in der Politik nicht verkehrt, doch fehlt ihm die entsprechende Ernsthaftigkeit im Handeln. Der bayerische Ministerpräsident muss sich vorwerfen lassen, die Menschen und ihre Sorgen nicht ernst zu nehmen. Wer 200.000 Tests pro Tag ankündigt, muss auch wissen, wie die operative Umsetzung organisiert werden kann.

Bei den Wählern wird sich ein Bild verfestigen. Mangelnde Ernsthaftigkeit ist ein Vorwurf, der Söder die Kanzlerkandidatur kosten kann. Vertrauen erarbeitet man sich in der Politik über einen langen Zeitraum. Es ist ein wertvolles Gut. Ist es einmal verspielt, lässt es sich auch durch geschickte Inszenierung nicht mehr herstellen. Das wird Söder in einigen Monaten lernen. Doch dann ist es bereits zu spät.

Kontra
Sven Böll

Er wird damit mal wieder durchkommen

In Bayern gibt es scheinbar kein Corona. Woher ich das weiß? Ich habe dort im Juli Urlaub gemacht. Die Abstandsregeln werden in Geschäften ignoriert, die Wirtshäuser sind überfüllt, die Maskenmuffel zahlreich.

Mag sein, werden Sie denken, aber das ist im Rest der Republik doch nicht anders?! Natürlich nicht. Nur herrscht in anderen Teilen Deutschlands der Eindruck vor, in Bayern sei irgendwie immer alles besser.

Das Bild des perfekten Freistaats haben bayerische Ministerpräsidenten über Jahrzehnte aufgebaut – und auch Markus Söder ist ein Meister in dieser Disziplin. Der versierte Kommunikator weiß, dass er eine Botschaft ständig wiederholen muss, damit sie sich festsetzt. Ob sie zu 100 Prozent stimmt, ist nicht ganz so wichtig. Deshalb sagt Söder gern: "Wir bleiben vorsichtig." Und lockert die Corona-Beschränkungen trotzdem wie andere Länder auch.

Derzeit hat Söder das Image des erfolgreichen Krisenmanagers. Und natürlich wird es angesichts der schweren Panne in den Corona-Testzentren in Bayern ein paar Kratzer geben. Aber viel mehr wohl nicht.

Warum ich das glaube? Weil Söder vor allem in eigener Sache ein sehr erfolgreicher Krisenmanager ist. Deshalb tritt er jedes noch so kleine Feuer sofort aus – so wie jetzt auch: "Das (...) darf nicht mehr passieren. Alle Strukturen sind umgehend zu überprüfen." Das klingt entschlossen. Und weil Söder weiß, dass es noch überzeugender ist, wenn er vor Ort ist (unabhängig davon, was er konkret machen kann), sagte er seinen geplanten Besuch an der Nordsee natürlich ab.

Es wird sehr bald Geschichten geben, wie Söder intern aufgeräumt hat. Da bin ich mir sicher. Zumindest fast so sicher wie bei der Antwort auf die Frage, ob es in Bayern nicht doch Corona gibt.

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