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Crystal Meth wird immer populärer: Was tun gegen "Horror-Droge"?

Große Sorgen wegen Aufputschdroge  

Drogenexperten suchen Weg im Kampf gegen Crystal Meth

02.03.2016, 19:12 Uhr | dpa

Drogenexperten schlagen Alarm: Die gefährliche Droge Crystal Meth greift weiter um sich und ist in Deutschland massiv auf dem Vormarsch. Noch gibt es kein Rezept dagegen. Oder doch?

Niemand im Ort hatte etwas davon gemerkt, dass sie die Nächte im Rausch verbrachte. Sie konsumierte nicht nur selbst, sie vertickte die Aufputschdroge Crystal Meth auch von zuhause aus. Nur ihre große Tochter bemerkte den Konsum. Diese Geschichte von Nancy Schmidt aus Thüringen erzählte die "Zeit" Anfang dieses Jahres.

In Drogenszene als Meth, Crank & Ice bekannt

Nancy Schmidt ist kein Einzelfall - das wird klar, wenn man den Experten zuhört, die sich auf der Jahrestagung der Drogenbeauftragten der Bundesregierung am Freitag in Berlin über den Konsum des gefährlichen Rauschgifts austauschen. Die synthetische Substanz in kristalliner Form gehört zur Gruppe der Amphetamine und kann geschnupft, geraucht, geschluckt oder injiziert werden. Der Wirkstoff Metamphetamin ist in der Szene auch als Meth, Crank oder Ice bekannt. Die Droge steht für intensive Erregungszustände, gesteigerte Leistungsfähigkeit - und für schnelle Abhängigkeit, Angst- und Persönlichkeitsstörungen, schwere körperliche Schäden.

Selbst junge Mütter konsumieren Crystal Meth

Doch gerade weil die Droge Leistungsfähigkeit und sexuelle Lust steigert, Müdigkeit und Hunger verdrängt, ist sie auch bei jungen Eltern beliebt. Das gehe weder an ihnen noch an ihren Kindern spurlos vorbei, sagt Michael Klein von der Katholischen Hochschule in Köln. Der Wissenschaftler hat Daten von Crystal-Konsumenten mit Kindern ausgewertet. Die Eltern berichteten in Beratungsstellen selbst von einem veränderten Tag-Nacht-Rhythmus, zwanghaften Verhaltensweisen - und einem veränderten Auftreten gegenüber dem Kind: Impulsiv, unberechenbar, so hätten sich die Abhängigen selbst beschrieben, berichtet Klein.

Kinder leiden unter Drogenkonsum ihrer Eltern

Der Crystal-Konsum belastet ganze Familien: Es herrscht ständig psychischer Stress, die Eltern vernachlässigen ihre Pflichten, und die Kleinen verhalten sich schließlich erwachsener, als sie wirklich sind. Das möge "niedlich" wirken, sagt Klein. Aber die Kinder würden wichtige Entwicklungsschritte überspringen und sich verantwortlich für ihre Eltern fühlen. Sinngemäß steht das auch in dem "Zeit"-Artikel über Nancy Schmidts Tochter: "Das Kind hatte sich die Schuld gegeben, weil es mitbekommen, aber niemandem gesagt hatte, dass die Mutter immer so was Komisches nahm." Gerade diese Kinder bräuchten intensive Betreuung, mahnt Klein.

Die Erfahrungen in der Therapie von Crystal-Meth-Abhängigen seien noch sehr begrenzt, sagt Ephrosyne Gouzoulis-Mayfrank von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde.

Drogenhilfe der Lebenssituation anpassen

Laut Dirk Sander von der Deutschen AIDS-Hilfe brauchen gerade auch Männer, die mit Männern Sex haben (MSM) und Crystal nehmen, spezifische Therapieangebote, weil es bei ihnen besondere Probleme und Bedürfnisse gibt. Der typische "Crystal-User" in der MSM-Szene ist ihm zufolge: Um die 30, beruflich stark eingespannt, fühlt sich isoliert und sucht Nähe, die er in seinem Leben sonst nicht bekommt. "Für den ist die Droge einfach funktional", sagt Sander. Besonders riskant sei der gemeinsame Spritzengebrauch. "Aber die gemeinsame Nutzung der Spritzen bedeutet besondere Nähe."

Sport statt Drogen - neue Ansätze helfen Ex-Süchtigen

Vom oft als "Horror-Droge" mit "maximaler Zerstörungskraft" beschriebenen Crystal Meth wegzukommen, ist alles andere als leicht. Einen Kick, Grenzerfahrungen und Risiko könne man aber zum Beispiel auch beim Klettern haben, sagt Norbert Wittmann von der Drogenhilfe mudra aus Nürnberg. Der "Mountain Activity Club", kurz mAc, ist von einer Gruppe junger Menschen mit unterschiedlichen Suchterfahrungen gegründet worden, die ihre Sucht nach einer Alpenüberquerung mit mudra überwanden.

Nun treffen sie sich mit Leuten, die noch konsumieren oder längst darüber hinweg sind, um gemeinsam zu klettern. "Ein alternativer Behandlungsansatz, der mehr auf das Leben hindeutet", so beschreibt es Wittmann. Wer Drogen nehme, habe schließlich das Bedürfnis, etwas zu erleben. "Das gute Gefühl bleibt", ist mittlerweile eines der Mottos der Gruppe. Auch ohne Drogen.

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