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Ein Dorf wählt 50 Prozent AfD: Wem die Menschen hier noch vertrauen

Videoreportage über Enttäuschung in Ostdeutschland  

Ein Dorf wählt über 50 Prozent AfD: Wem die Menschen hier noch vertrauen

Von Martin Trotz, Arno Wölk

31.12.2019, 12:31 Uhr
Ein Dorf wählt 50 Prozent AfD: Wem die Menschen hier noch vertrauen

"Brauner Osten", "abgehängte Dörfer", "tote Gegend" - Urteile über die neuen Bundesländer. Die letzten Wahlergebnisse mit hohen Stimmenanteilen für die AfD haben Deutschland aufgeschreckt. Die Zeit, in der die Parteien den Osten ignoriert haben, ist vorbei. Woher kommt die Enttäuschung? (Quelle: t-online.de)

Über 50 Prozent für die AfD: Was die Menschen in diesem Dorf bewegt, stört, frustriert – und inwiefern Angst vor einer zweiten Wende besteht. (Quelle: t-online.de)


Jedes Mal folgt nach einem AfD-Erfolg die Frage nach dem Warum. Was hat die Ostdeutschen so gekränkt und enttäuscht? Wir haben uns bei den Menschen auf die Suche gemacht.

Dieser Artikel gehört zu den besten Beiträgen, die 2019 bei t-online.de erschienen sind. Er wurde am 30. August 2019 zum ersten Mal veröffentlicht.

Kränkung und Enttäuschung – zwei Worte, die ständig fallen, wenn es darum geht, die AfD-Wahlerfolge bei den Landtagswahlen auch dieses Jahr zu erklären. In einer Videoreportage sind wir auf Spurensuche gegangen, wollten erfahren, warum die Wahlergebnisse wirklich sind, wie sie sind. 

Forst: Wie meine Heimat hat die Stadt in der Lausitz mit Abwanderung und Überalterung zu kämpfen.  (Quelle: t-online.de)Forst: Wie meine Heimat hat die Stadt in der Lausitz mit Abwanderung und Überalterung zu kämpfen. (Quelle: t-online.de)

Dazu sind wir in den Spree-Neiße-Kreis gereist (siehe das Video oben in diesem Text). Nach Forst – wo sich bei der Landtagswahl 2019 knapp ein Drittel der Wähler für die AfD entschied – und nach Heinersbrück, wo es bei der Wahl am 1. September sogar 50 Prozent waren. In Forst macht vielen Menschen das Ende der Braunkohle zu schaffen. Dort trafen wir am Neiße-Fluss, der direkten Grenze zu Polen, Menschen älteren Semesters, die sich aber auch wünschen, dass wieder mehr los sei im Ort: "Hier gibt es nichts", sagte uns eine Rentnerin am Tisch. Der Mann gegenüber meinte auf die Frage nach Problemen mit dem Fall der Mauer schlicht: "Wir wurden abserviert!" 

Spree-Neiße-Kreis: Zerstörte Brücken aus dem Zweiten Weltkrieg führen über den Grenzfluss Richtung Polen. (Quelle: t-online.de)Spree-Neiße-Kreis: Zerstörte Brücken aus dem Zweiten Weltkrieg führen über den Grenzfluss Richtung Polen. (Quelle: t-online.de)

Bei Aufnahmen in Heinersbrück wiederum begegneten wir einem Mann. "Die Medien in Heinersbrück?", sprach er uns an. Wir kamen nur ohne Kamera ins Gespräch. Vor der Wende sei er Polizist gewesen, erzählte er, jetzt nicht mehr. Warum nicht? Er habe sich nach der Wende nicht getraut. Fehlender Mut und die Angst, trotz Ausbildung nicht gut genug zu sein für die neuen Anforderungen und das neue System. Seine Kinder würden weit weg wohnen, bald sei er 60. Während er das sagte, stiegen ihm Tränen in die Augen. 

Spree-Neiße-Kreis: Das Ende der Kohle ist beschlossen, die Region kämpft mit dem Strukturwandel. (Quelle: t-online.de)Spree-Neiße-Kreis: Das Ende der Kohle ist beschlossen, die Region kämpft mit dem Strukturwandel. (Quelle: t-online.de)

Inwiefern das Selbstwertgefühl der Menschen durch die Darstellung über den "braunen Osten" tief getroffen ist, warum sich die Situation 30 Jahre nach dem Mauerfall für viele wie ein Déjà-vu anfühlt, und warum die Wahlergebnisse auch mit der Entwertung einer Region zu tun haben, haben wir in einer für unsere Nachrichtenseite bis dato einzigartigen Videoreportage versucht zu beantworten.

Die Probleme, Enttäuschungen und Eindrücke der Menschen: Im Video oben sehen Sie unsere Reportage aus dem Spree-Neiße-Kreis.

Verwendete Quellen:

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