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Unfälle, Chaos, Zerstörung: Die Sturmtiefs brauchen dringend neue Namen

MEINUNGTagesanbruch  

Ein Kracher folgt auf den anderen

22.10.2021, 08:26 Uhr
Unfälle, Chaos, Zerstörung: Die Sturmtiefs brauchen dringend neue Namen. Das Sturmtief fegte mit Starkregen, Hagel und Böen über Deutschland, so wie hier in Hannover.  (Quelle: dpa/Julian Stratenschulte)

Das Sturmtief fegte mit Starkregen, Hagel und Böen über Deutschland, so wie hier in Hannover. (Quelle: Julian Stratenschulte/dpa)

Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser,

das hat ganz schön gerumst in den vergangenen 24 Stunden. Sturmflut an der Nordsee, Orkanböen von Duisburg bis Dresden, fortgerissene Autos, entwurzelte Bäume, gestrandete Bahnfahrer, Zehntausende Menschen ohne Strom. Der Herbst ist da, und mit dem Herbst kommen die Stürme. Zerzausen uns die Frisuren (falls noch Haar vorhanden ist), wirbeln unseren Alltag durcheinander, sorgen für Wirrwarr und mancherorts auch für Unheil. "Ignatz" hat es krachen lassen, so hieß das erste heftige Tief der Saison. Die Meteorologen gehen nach einer alphabetischen Liste vor, in ungeraden Jahren erhalten alle Tiefdruckgebiete männliche Namen. Jeder kann zum Taufpaten werden, kostet 240 Euro. 

Den "Ignatz" hatte sich Frau Erika Zabel ausgedacht, wer auch immer sie ist und wen auch immer sie damit meinte. Doch irgendetwas muss gestern schiefgelaufen sein im Buschfunk zwischen den Wetterfröschen und den Nachrichtenagenturen: Nachdem die Medien stundenlang über den rappeligen "Ignatz" hoch und runter berichtet hatten, hieß es am Nachmittag plötzlich, "Ignatz" heiße gar nicht "Ignatz", sondern "Hendrik". Also griff mein Kollege David Schafbuch flink zum Telefonhörer und tischte den Leuten vom Deutschen Wetterdienst die Frage auf: Ja, wie denn nun? "Hendrik" sei richtig, beschied man ihm dort … oder nein, eigentlich nicht "Hendrik", sondern "Hendrik II." Weil es sich nämlich um ein neues Teiltief handele, das … nun ja … der genaue Hergang sei noch zu klären. "Ignatz" jedenfalls habe sich bereits gen Finnland davongemacht.

Ich gestehe, da waren wir ein bisschen verwirrt im Newsroom. Nun gut, es ist eben nicht so einfach mit all den Turbulenzen am Herbsthimmel, da kommen selbst professionelle Bescheidwisser gelegentlich durcheinander. Zumal bei derart ausgefallenen Namen. In diesem Jahr haben unter anderem schon "Aegidius", "Xander" und "Quasimodo" ihr Unwesen getrieben, ganz zu schweigen von "Fürchtegott", "Thananont" und "Zachäus". Ziemlich üble Gesellen, würde ich sagen.

Man kann das Ganze natürlich aber auch sportlich sehen. Da die Sturmsaison gerade erst begonnen hat, schlage ich vor, dass wir es uns etwas einfacher machen. Fünf volle Wochen sind es noch bis zum meteorologischen Winterbeginn. Verpassen wir doch jeder dieser Wochen einen Namen, der zum Herbstwetter passt. Um den Leuten vom Wetterdienst die Arbeit zu erleichtern, habe ich mal rasch fünf Namen herausgesucht:

In der letzten Oktoberwoche nennen wir jeden Sturm, jedes Stürmchen und der Einfachheit halber auch jeden Regenguss: "Covid". Und wann immer wir uns dann über einen verspäteten Zug oder Regenwasser unterm Hemdkragen ärgern, schicken wir einen Fluch über dieses dämliche Tief mit dem dämlichen Namen gen Himmel. Das tut gut!

In der ersten Novemberwoche heißt dann jedes schlechte Wetter "Wladimir". Sie wissen schon, das ist der Typ, der uns alle naslang mit irgendeiner Gemeinheit piesackt. Derzeit ermuntert er offenbar seinen Kumpel in Minsk, Migranten ohne Pässe in die EU zu schleusen. Eine Woche lang wird jede Schlechtwetternachricht eine Wladimirnachricht sein. Das hat er dann davon.

In der Woche darauf nennen wir Sturm und Hagel "Richard der Dritte". Das ist der Kronenträger, der anno 1483 den englischen Thron bestieg und seit seiner Verewigung in Shakespeares gleichnamigem Drama als Inbegriff eines herrschaftlichen Ekelpakets gilt. Er beförderte allerhand Leute ins Jenseits, bevor ihm in der Schlacht von Bosworth die Streitaxt eines walisischen Adligen den Garaus machte. Brrr.

Das Schietwetter der 46. Kalenderwoche taufen wir auf den Namen "Ed". Schließlich hat der Ed uns diesen unfassbar lästigen Ohrwurm eingebrockt, der schon das ganze Jahr lang in jeder Bar, in jedem Kaufhaus und aus jedem Radio dudelt. Man kann's echt nicht mehr hören, Ed! Zur Strafe bekommst auch du ein Tief verpasst.

Und die letzte Novemberwoche? Steht ganz im Zeichen des … ach nein, wissen Sie was? Die Auswahl überlasse ich Ihnen. Schicken Sie uns doch Ihren Favoritennamen, E-Mail siehe unten, den treffendsten Vorschlag veröffentlichen wir am Montagmorgen im nächsten Tagesanbruch. Falls es dann wieder stürmt (oder wenigstens regnet).

Wie hier im Berliner Stadtteil Pankow warf der Sturm vielerorts Bäume um. (Quelle: dpa/Julian Stähle)Wie hier im Berliner Stadtteil Pankow warf der Sturm vielerorts Bäume um. (Quelle: Julian Stähle/dpa)

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Lehren aus der Pandemie

Wie soll es weitergehen im Kampf gegen Corona? Mit seinem Vorschlag, die "epidemische Lage nationaler Tragweite" im November auslaufen zu lassen, hat Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) eine rege Debatte und viel Widerspruch ausgelöst. Bayerns Corona-Bekämpfer Markus Söder warnte angesichts steigender Infektionszahlen vor dem Ende dieses Status, der es der Bundesregierung seit März 2020 ermöglicht, Regeln anzuordnen, ohne dafür jedes Mal die Zustimmung des Bundestags einzuholen. Der CSU-Chef befürchtet, es gebe dann "keine Rechtsgrundlage mehr – egal für was. Weder für das Testen in der Schule noch für Masken noch für ganz normale Ideen wie 3G plus oder 2G oder 3G." Zwar widersprechen Fachleute dieser Darstellung, doch auch andere Länderchefs sorgen sich um den Fortbestand einheitlicher Mindestregeln. Auf ihrer heute endenden Jahreskonferenz wollen die Ministerpräsidenten deshalb den Bund auffordern, einen rechtssicheren Rahmen zu schaffen, um Corona-Schutzregeln auch über den Herbst und Winter hinweg aufrechterhalten zu können. Falls Sie das jetzt nervt, überlegen Sie doch einfach noch mal, wie das fünfte Herbsttief heißen soll.

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Weiterwurschteln in Berlin

Klaus Lederer (Linke), Bettina Jarasch (Grüne) und Franziska Giffey (SPD) wollen gemeinsam Berlin regieren.  (Quelle: dpa/Monika Skolimowska)Klaus Lederer (Linke), Bettina Jarasch (Grüne) und Franziska Giffey (SPD) wollen gemeinsam Berlin regieren. (Quelle: Monika Skolimowska/dpa)

Macht macht gefügig: Die SPD-Spitzenkandidatin Franziska Giffey war bei der Landtagswahl in Berlin mit dem Versprechen angetreten, dass es mit ihr kein Weiter-so geben werde. Nach ihrem Wahlsieg steigt sie jedoch heute in Koalitionsverhandlungen mit Grünen und Linken ein, mit denen die SPD in der Hauptstadt schon seit fünf Jahren in der Regierung herumwurschtelt. Also doch Weiter-so. Man versteht sich, auch wenn noch die eine oder andere Meinungsverschiedenheit zu überbrücken ist: Die Linke will den Volksentscheid zur Vergesellschaftung privater Wohnungskonzerne im Koalitionsvertrag verankern – Frau Giffey lehnt ihn ab. Womöglich führt ja ein Vorschlag der Grünen zum Kompromiss: Deren Spitzenkandidatin Bettina Jarasch hat einen "Mietenschutzschirm" ins Spiel gebracht, einen freiwilligen Pakt zwischen Politik, Vermietern und anderen Beteiligten für Neubauten und faire Mieten. Um den eklatanten Wohnraummangel zu beenden, müsste die Stadt tatsächlich vor allem eines tun: endlich sehr viel mehr bauen.

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Die gute Nachricht

Erinnern Sie sich an den jungen holländischen Erfinder, der mit einer neuen Technologie Plastik aus den Ozeanen fischen will? Vor drei Jahren war er gescheitert – jetzt hat es geklappt

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Was lesen?

Cum-Ex? In Deutschland schwelt ein noch viel größerer Finanzskandal: Jahrelang konnten Investoren und Banken den Staat um Milliarden betrügen, ohne dass die Finanzbehörden eingegriffen haben. Mein Kollege Mauritius Kloft hat die Hintergründe.

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Was tun gegen die Klimakrise? Ein hoher CO2-Preis birgt viele Ungerechtigkeiten. Ein Kollege aus Köln hat eine interessante andere Idee.

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Nach und nach merken auch die Ampelkoalitionäre, dass Windkraft und Solarenergie allein nicht ausreichen werden, um die Stromversorgung klimafreundlich umzubauen. Es ist wohl an der Zeit, wieder über Atomkraft nachzudenken, schreibt die "FAZ". 

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Noch vor zwei Monaten wurde Leroy Sané von den eigenen Fans ausgepfiffen. Jetzt feiern sie die überragenden Leistungen des Bayern-Kickers mit Standing Ovations. Was ist da passiert? Mein Kollege Andreas Becker kennt die Ursachen.

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Was amüsiert mich?

Homeoffice hat echt nicht nur gute Seiten.

Ich wünsche Ihnen einen fröhlichen Freitag und dann ein schönes Wochenende. Das Wetter soll gar nicht so übel werden, dazu empfehle ich Ihnen ein paar Takte meines Lieblingsjazzers.

Herzliche Grüße

Ihr

Florian Harms
Chefredakteur t-online
E-Mail: t-online-newsletter@stroeer.de

Mit Material von dpa.

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