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Wie Facebook eine karnevalistische Bürgerwehr narrte

Nach "Uniform-Appell"  

Wie Facebook eine karnevalistische Bürgerwehr narrte

23.11.2019, 21:19 Uhr
Wie Facebook eine karnevalistische Bürgerwehr narrte . Karneval ist vielleicht nicht jedermanns Sache. Aber die Fotos des farbenfrohen Frohsinns bei der Uerdinger Bürgerwehren waren weder Spam noch rechte Propaganda.  (Quelle: Uerdinger Bürgerwehr/Andreas Görtz)

Karneval ist vielleicht nicht jedermanns Sache. Aber die Fotos des farbenfrohen Frohsinns bei der Uerdinger Bürgerwehren waren weder Spam noch rechte Propaganda. (Quelle: Uerdinger Bürgerwehr/Andreas Görtz)

Facebook hält die Karnevalisten in einer "Bürgerwehr" für eine gefährliche rechte Gruppierung und sperrt deren fröhliche Fotos? Es steckt tatsächlich eine Narretei dahinter – aber anders als gedacht.

Prinz Klaus II. bringt einiges mit, um in Uerdingen ein würdiger Prinz zu sein. Schluckebier heißt er mit Nachnamen, schon sein Großvater war Karnevalsprinz. Vor allem hat er Humor, und das hat er gezeigt, als sich die ungeheuerliche Nachricht verbreitete: Facebook hält seine 1962 gegründete Uerdinger Bürgerwehr (Schlachtruf: "Schuss Peng!") für eine suspekte rechte Gruppierung, hieß es. Die Karnevalsaison hat gerade erst angefangen, da drängte sich die Frage auf: Hat Künstliche Intelligenz aus den USA nun auch Probleme, deutschen Frohsinn zu erkennen?

Verbreitet hatte sich die Lachnummer aus Uerdingen nach dem "Uniform-Appell" der Bürgerwehr. Mehr als 200 farbenfrohe Fotos mit fröhlichen Menschen gab es von der Veranstaltung, dem Auftakt der Session.

Diese Bilder wollte auch der Administrator einer lokalen Gruppe für Uerdingen  gerne dort teilen. Doch plötzlich waren sie weg. Von Facebook blockiert. Jetzt beginnt der Teil, wo man den Beteiligten vielleicht ein bisschen Narrenfreiheit zugestehen muss.

Facebook schickte dem Administrator eine Nachricht. Er hat sie wohl nicht so genau gelesen und gelöscht hat er sie auch. "'Rechte Gruppierung' kam irgendwie rüber", berichtet er t-online.de auf Nachfrage. So postete er es auch in die Gruppe, mit dem süffisanten Nachsatz: "So viel zu FB!!" Und in der Gruppe wunderte das keinen, Facebook hat ja umgekehrt auch häufiger Probleme, wirklich problematische Beiträge zu erkennen. So machte die Nachricht schnell die Runde, in der lokalen "Westdeutschen Zeitung" war dann auch noch zu lesen, dass schon das Wort "Uniform-Appell" bei Facebook Anstoß erregt hatte. 

Prinz Klaus II. reagierte souverän und sagte der Zeitung, was er auch gegenüber t-online.de sagt: "Ich finde es grundsätzlich gut, dass kontrolliert wird, beispielsweise bei pornografischen Bildern." Bei der Einschätzung der Bürgerwehr liege Facebook aber daneben. "Unser Sessionsmotto lautet: 'Spaß an de Freud' – etwas anderes haben wir nicht im Sinn.“ Facebook selbst stehe aber mit dem Fehler nicht allein da: "Uns haben auch schon fragwürdige Leute angeschrieben, die uns für einige richtige Bürgerwehr gehalten haben und auf Patrouille gehen wollten." 

Bei Facebook löst die Nachfrage von t-online.de Verwunderung und Recherchen aus. Tatsächlich, teilt Sprecherin Anne Laumen dann mit, habe man einen Fehler gemacht. "Das Posting wurde irrtümlich als Spam eingestuft und deshalb nachträglich blockiert." Von einer Sperrung wegen einer vermeintlichen rechten Gruppe könne keine Rede sein. Das klingt plausibel: Unter den Begründungen, die Facebook für Sperren oder Löschungen liefert, gab es eine solche Formulierung bisher nie.
 

 
Prinz Klaus II. hat jetzt ein wirklich nur kleines Problem: Die Anekdote von der Sperrung der Bürgerwehr auf Facebook war schon lose eingeplant für seine Auftritte. Aber Prinz Klaus II. ist ja ein würdiger und witziger Prinz und wird sein Narrenvolk auch ohne diese Narretei unterhalten.

Verwendete Quellen:

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