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Flugzeugabsturz: Anschlag wahrscheinlicher als Technikdefekt

Rätselraten über Egypt-Air-Absturz  

Terroranschlag wahrscheinlicher als technischer Fehler

20.05.2016, 14:24 Uhr | dpa , AP , AFP

Flugzeugabsturz: Anschlag wahrscheinlicher als Technikdefekt. Eine Maschine der Fluglinie Egypt Air vom Typ Airbus A320-200. (Quelle: AP/dpa)

Eine Maschine der Fluglinie Egypt Air vom Typ Airbus A320-200. (Quelle: AP/dpa)

Das Passagierflugzeug auf dem Weg von Paris nach Kairo macht über dem Mittelmeer plötzlich abrupte Wendungen und verliert rapide an Höhe -  dann verschwindet es komplett von den Radarschirmen verschwindet. War es Terror oder doch ein technischer Defekt?

Einen Tag nach dem Absturz eines Egyptair-Flugzeuges mit 66 Menschen an Bord über dem Mittelmeer geht die Suche nach dem Wrack und den beiden Flugschreibern weiter. Die ägyptische Fluggesellschaft korrigierte am späten Donnerstagabend ihre eigenen Angaben, wonach bereits erste Trümmerteile oder sogar das Wrack selbst gefunden worden seien.

Zuvor hatten das bereits griechische Behörden dementiert. "Was gefunden wurde, ist ein Stück Holz und Materialien, die nicht von einem Flugzeug stammen", sagte Athanasios Binis, Chef der Luftsicherheitsbehörde.

Anschlag wahrscheinlicher als technischer Fehler

Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums gibt es derzeit keine Hinweise auf eine Explosion an Bord des Flugzeuges. Es sei aber noch zu früh, um eine Ursache für den Absturz auszuschließen. Damit bleibt weiter völlig unklar, worauf die Tragödie zurückzuführen ist.

Allerdings: "Die Situation kann darauf hindeuten, dass die Wahrscheinlichkeit auf ein Machwerk von Terroristen wesentlich höher ist, als dass ein technischer Fehler an dem Flugzeug auftrat", drückte Ägyptens Luftfahrtminister Scherif Fathi etwas umständlich aus, was viele befürchten: einen weiteren Terroranschlag.

Technisches Versagen "ziemlich unwahrscheinlich"

Auch nach Einschätzung eines US-Experten ist das Unglück wahrscheinlicher von einer Bombe als von technischem Versagen ausgelöst worden. Das frühere Mitglied der US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB, John Goglia, sagte, darauf deuteten erste Indizien hin. "Die Tatsache, dass (der Pilot) diese abrupten Drehungen gemacht hat, ohne vorher einen Notruf zu senden, deuten für mich darauf hin, dass etwas Katastrophales wie ein (Spreng-) Objekt passiert ist", sagte Goglia.

Ein technisches Versagen könne nach Ansicht des Experten noch nicht völlig ausgeschlossen werden. "Zu diesem Zeitpunkt würde ich das aber für ziemlich unwahrscheinlich halten", sagte er. Die Auswertung der Flugschreiber werde schließlich Aufschluss über die Ursache geben.

Schwerwiegende Folgen für Ägypten

Mit dem Absturz trifft es erneut Ägypten. In der Hauptstadt Kairo sollte der Airbus A320 eigentlich landen. Erst vor rund einem halben Jahr war ein russischer Ferienflieger mit 224 Menschen an Bord nach dem Start im Badeort Scharm el Scheich über der ägyptischen Sinai-Halbinsel abgestürzt. Die russischen Behörden gingen von einem Anschlag aus, zu dem sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannte. Ende März entführte ein Mann mit Sprengstoffattrappe eine Maschine der Fluggesellschaft Egyptair nach Zypern. Und nun das.

Auch wenn die genauen Hintergründe am Donnerstag zunächst unklar blieben und die Maschine dieses Mal nicht in Ägypten, sondern in Paris startete: Die Folgen für das Image des Landes dürften erneut schwerwiegend sein. Das Land am Nil war gerade dabei, seine in die Kritik geratene Flugsicherheit zu verbessern. Und damit den wichtigen Tourismus wiederzubeleben.

Zahl der Gäste geht zurück

Die kriselnde Wirtschaft des Landes ist maßgeblich von Urlaubern abhängig. Der Tourismus macht mindestens elf Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Fast 2,9 Millionen Arbeitsplätze sind nach jüngsten Angaben direkt oder indirekt vom Tourismus abhängig - und damit etwa jeder neunte Beschäftigte.

Die Zahl der Gäste war bereits 2013 deutlich zurückgegangen: Es kamen 9,2 Millionen Menschen. 2010 - vor den Umbrüchen durch die arabischen Aufstände und politische Instabilität - waren es noch mehr als 14 Millionen gewesen. Nach dem Bombenanschlag auf das Flugzeug über dem Sinai im Herbst 2015 brachen die Buchungen dann dramatisch ein. Der Gouverneur des Südsinai sprach Anfang des Jahres von monatlich 230 Millionen Euro, die dem Land durch ausbleibende Buchungen verloren gingen.

Zuletzt jedoch äußerten sich Hotel- und Restaurantbesitzer wieder positiver. "Wir haben das Licht am Ende Tunnels gesehen", sagt Peter-Jürgen Ely, der ehemalige deutsche Honorarkonsul in der deutschen Urlauberhochburg Hurgada am Roten Meer.

Image des Landes leidet auf jeden Fall

Denn die unter massivem Druck stehenden Ägypter handelten und investierten in die Flugsicherheit. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte diese noch vor wenigen Wochen als "stark verbessert" bezeichnet. Russland sendete zuletzt Signale, dass es die momentan bestehenden Verbote für Direktverbindungen in die beliebten Urlaubsorte des Landes aufheben werde. Ob das Schicksal des Fluges MS804 diese positive Tendenz wieder zunichte machen wird, ist noch nicht abzusehen. Doch das Image des Landes wird auf jeden Fall darunter leiden.

​Genauso wenig ist klar, ob der Terror gegen die westliche Welt nach diversen großen Anschlägen der vergangenen Monate in eine neue, tödliche Runde geht. Zweitrangig ist das vor allem für die Angehörigen der mehrheitlich ägyptischen und französischen Insassen des Flugzeugs. Einige von ihnen harrten Donnerstag verzweifelt am Kairoer Flughafen aus, auch wenn die Maschine aus Paris dort niemals ankommen sollte.


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