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Schweiz: Alle 20 Insassen bei Flugzeugabsturz der Ju-52 gestorben

20 Insassen tot  

Oldtimer-Flugzeug zerschellt in den Schweizer Alpen

05.08.2018, 18:54 Uhr | dpa, dru

Schweiz: Alle 20 Insassen bei Flugzeugabsturz der Ju-52 gestorben. Die Absturzstelle am Piz Segnas: Die Maschine vom Typ Ju-52 war nahezu senkrecht zu Boden gestürzt. (Quelle: dpa/CANTONAL POLICE OF GRISONS/Keystone)

Die Absturzstelle am Piz Segnas: Die Maschine vom Typ Ju-52 war nahezu senkrecht zu Boden gestürzt. (Quelle: CANTONAL POLICE OF GRISONS/Keystone/dpa)

Zwei tragische Flugzeugunglücke an nur einem Tag in der Schweiz: Beim Absturz einer Ju-52 in Graubünden kamen am Samstag alle Insassen ums Leben. Südlich von Luzern starb zuvor eine Familie mit zwei Kindern.

Den Absturz eines Oldtimer-Flugzeugs am Samstagabend in der Schweiz hat keiner der 20 Insassen überlebt. Bei dem Unglück im Kanton Graubünden seien alle Passagiere ums Leben gekommen, teilte die Polizei bei einer Pressekonferenz am Sonntagnachmittag mit. "Das Flugzeug ist nahezu senkrecht und mit relativ hoher Geschwindigkeit auf den Boden geprallt", sagte Daniel Knecht von der schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle, die Verkehrsunfälle untersucht.

Es gab keinen Notruf. An Bord der 79 Jahre alten Maschine vom Typ Junkers Ju-52 waren am Samstag 17 Schweizer sowie ein österreichisches Paar mit Sohn. Die Insassen waren 42 bis 84 Jahre alt. Die Maschine hat im Volksmund den Spitznamen "Tante Ju".

Die Absturzstelle lag am Berg Piz Segnas in einem Wandergebiet auf mehr als 2.500 Meter Höhe. Die Polizei setzte bei der Suche nach den Opfern zwei Rettungshubschrauber, zwei zivile Hubschrauber und zahlreiche Rettungskräfte ein. Der 3.098 Meter hohe Piz Segnas liegt etwa 100 Kilometer südöstlich von Zürich.

"Die Hitze kann ein Faktor gewesen sein"

Die Flugexperten tappten bei der Ursachenforschung noch im Dunkeln. "Die Hitze kann ein Faktor gewesen sein", sagte Kurt Waldmeier, Mitbegründer der betroffenen Ju-Air, die seit 35 Jahren Rundflüge mit drei Maschinen dieses Typs durchführt. Der Verein, der die Ju-Air betreibt, stellte sämtliche Flüge vorerst ein. Die Gesellschaft bot auch Rundflüge in Deutschland an, darunter in Mönchengladbach, Leverkusen und Mainz. Auch dort ruhe der Betrieb, sagte Waldmeier.

"Hohe Temperaturen können eine Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit eines Flugzeugs bedeuten", sagte Knecht von der Untersuchungsstelle. Hitze sei aber keine Gefahr an sich. Dann komme es auf den Umgang mit der Maschine an. "Grundsätzlich ist Hitze mit einer Verdünnung der Luft verbunden", sagte er. "Das Flugzeug hat bei gleicher Höhe weniger Leistung, das spürt man etwa beim Start oder in einer Kurve." Piloten könnten bei entsprechender Wetterlage etwa das Gewicht reduzieren. "Bei Hitze ist die Situation anspruchsvoller, es braucht mehr Erfahrung, um damit umgehen zu können."

Das Wrack der verunglückten Ju-52: Keiner der Insassen überlebte den Anbsturz. (Quelle: dpa/CANTONAL POLICE OF GRISONS/Keystone)Das Wrack der verunglückten Ju-52: Keiner der Insassen überlebte den Anbsturz. (Quelle: CANTONAL POLICE OF GRISONS/Keystone/dpa)

Nach Angaben von Waldmeier war der Pilot sehr erfahren. Der 62-Jährige sei mehr als 30 Jahre für die Fluggesellschaft Swiss beziehungsweise vorher Swissair Airbus und bei der Luftwaffe geflogen. Er sei einer der Erfahrensten im Team gewesen. Der Copilot (63) sei ebenfalls mehr als 30 Jahre als Linien- und Militärpilot geflogen. Die Passagiere hatten eine zweitägige Ju-Reise vom Militärflughafen Dübendorf bei Zürich in den Kanton Tessin nach Locarno gebucht. Sie waren am Samstag auf dem Rückweg, als das Unglück passierte. Die Gruppe kannte sich vorher nicht.

Alter der Maschine nicht bedenklich

Das in Dessau (Sachsen-Anhalt) gebaute Flugzeug war Baujahr 1939 und damit 79 Jahre alt. Das Alter an sich sei kein Alarmzeichen, sagte Knecht. Die Maschine war nach Angaben von Waldmeier mehr als 10.000 Stunden geflogen. "Das Alter einer Maschine steht in keinem Zusammenhang mit der Gefährlichkeit (eines Fluges)", sagte Knecht. "Wenn die Maschine richtig gewartet wird, kann sie auch betrieben werden."

Nach Angaben von Waldmeier wurden die drei Maschinen bei Ju-Air alle 35 Stunden gewartet. Die Unglücksmaschine sei erst Ende Juli in der Wartung gewesen und habe seitdem fünf Flugstunden absolviert. "Es sind uns keine technischen Probleme an diesem Flugzeug bekannt", sagte er. "Wie es zu diesem Unglück kam, können wir uns nicht erklären." Die Maschine hatte keine Blackbox und nach Angaben der Polizei sind keine technischen Aufzeichnungen vorhanden.

Nach Knechts Angaben können nach ersten Untersuchungen Fremdeinwirkung von außen oder der Zusammenstoß mit einem Kabel oder anderem Hindernis ausgeschlossen werden. "Es gibt auch keine Hinweise, dass das Flugzeug Teile verloren hat oder in der Luft auseinandergebrochen ist", sagte er bei einer Pressekonferenz am Sonntag in Flims nahe dem Absturzort.

Am Samstagmorgen war bereits bei Hergiswil rund zehn Kilometer südlich von Luzern am Vierwaldstättersee ein Flugzeug abgestürzt. Eine vierköpfige Familie aus der Region mit zwei minderjährigen Kindern kam dabei ums Leben, wie die Polizei in Nidwalden berichtete. An der Absturzstelle brach ein Brand aus, den die Feuerwehr von Hubschraubern aus zunächst löschen musste, ehe sie das total ausgebrannte Wrack erreichte.

Verwendete Quellen:
  • dpa

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