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Wintereinbruch in Alpen: Viel Schnee trotz Erderwärmung – wie passt das zusammen?

MEINUNGWintereinbruch in den Bergen  

Viel Schnee trotz Erderwärmung – wie passt das zusammen?

Eine Kolumne von Michaela Koschak

08.11.2019, 19:31 Uhr
Schnee im Süden (Quelle: dpa/dpa / Karl-Josef Hildenbrand)
Winterwetter: Hier gab es den ersten Schnee in Deutschland

Anfang November schickt der Winter bereits die ersten Vorboten. Auf dem Brocken im Harz hat es geschneit. Auch auf der Schwäbischen Alb gab es ab etwa 650 Metern Höhe den ersten liegen gebliebenen Schnee. (Quelle: dpa)

Weiße Überraschung: Am Wochenende schneite es in einigen Regionen Deutschlands bereits. (Quelle: dpa)


In Teilen der Alpen steht ein Wintereinbruch bevor. Wintereinbruch im November? War da nicht was mit Erderwärmung? t-online.de-Kolumnistin Michaela Koschak erklärt, weshalb das kein Widerspruch ist.

Es ist Anfang November und was kann ich euch berichten: Es wird schneien. Und nicht nur ein bisschen, nein in vielen Regionen der Alpen steht gebietsweise in den nächsten Tagen ein richtiger Wintereinbruch bevor, oberhalb von etwa 500 Metern muss man mit winterlichen Straßenverhältnissen rechnen. Bis Sonntag fallen hier vor allem in den Hochlagen zum Teil mehr als ein halber Meter Neuschnee. Und auch in den Mittelgebirgen wie dem Schwarzwald, der Schwäbischen Alb, dem Bayerischen Wald und dem Erzgebirge kann es am Samstag weiß angezuckert werden, vereinzelt sogar 10 Zentimeter Schnee fallen.

Allerdings, wie manche Medien seit einigen Tagen vermelden: In tieferen Lagen bleibt es grün, auch wenn es kälter wird. Vor allem nachts kann es frostig werden und Reifglätte wird ein Thema.

Aber jetzt denken wahrscheinlich einige von Ihnen: Alle reden von der Klimakrise und der Erderwärmung und dann soll viel Schnee fallen – wie passt das zusammen? Das passt natürlich zusammen, denn Erderwärmung bedeutet ja nicht, dass es jeden Tag immer wärmer wird und nie mehr kalt sein wird. Sondern das heißt, dass es auf längere Sicht global zu milderem Klima kommen wird. Ja, das bedeutet auch, dass es weniger Eistage in Deutschland geben wird.

Das ist übrigens schon so: Im Vergleich zu 1950 haben die Eistage (das sind Tage, an denen die Höchsttemperatur unter null Grad Celsius bleibt) gemittelt über Deutschland von 28 auf 19 Tage abgenommen. Zudem gibt es in tieferen Lagen (zum Leid meiner Kinder, die Schnee lieben) zunehmend weniger Schneetage. Aber es bedeutet nicht, dass es nie mehr schneien wird, vor allem gilt das nicht für die mittleren und höheren Lagen.

Die letzten fünf Jahre waren die heißesten

Unsere Erde ist über vier Milliarden Jahre alt, wir Menschen werden dagegen maximal 100 Jahre alt. Mal zum Vergleich: Wäre die Erde einen Tag alt, so gäbe es den modernen Menschen erst seit drei Sekunden. Diese Relation müssen Sie sich einmal bildlich vorstellen.

Allerdings haben wir Menschen in den letzten 120 Jahren eine so rasante Temperaturerhöhung verursacht, die es in so kurzer Zeit bisher auf der Erde noch nicht gegeben hat, weltweit ist es in dieser Zeit um rund 1 Grad wärmer geworden. 2016, 2015, 2017, 2018 und 2014 sind in dieser Reihenfolge global die wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen (1901 bis 2018).

Jetzt wird sicher der Ein oder Andere sagen, dass es schon immer Klimaveränderungen auf der Erde gab. Ja, das stimmt, aber nicht in so kurzer Zeit.

Es gibt natürliche Schwankungen, aber...

Es gibt so einige natürliche Parameter, die das Klima auf der Erde beeinflussen. Nehmen wir uns als erstes die Erdparameter vor: Damit sind die Eigenschaften der Umlaufbahn der Erde um die Sonne gemeint. Durch die Anziehungskraft anderer großer Planeten wie Jupiter und Saturn bewegt sich die Erde nämlich nicht gleichmäßig wie ein Uhrwerk um die Sonne. Es kommt zu regelmäßigen Schwankungen und die verursachen auf der Erde Warm- und Kaltzeiten. Dabei sind jedoch Zeiträume von 50.000 bis 100.000 Jahre gemeint und nicht 120 Jahre. In den letzten 100 Jahren haben sich aber die Erdparameter, beispielsweise die Erdachsenneigung kaum verändert.

Schauen wir uns nun einmal die Sonnenaktivität an, auch das hört man immer wieder in den Medien, dass das die Ursache für die Erderwärmung sein könnte. Es gibt den 11-jährigen Sonnenfleckenzyklus, aber auch der war in den vergangenen 100 Jahren minimal und kann vernachlässigt werden.

Als weitere natürliche Ursache für Klimaveränderungen gibt es die Vulkanausbrüche. Sie schleudern viele Staubpartikel in die Atmosphäre, vor allem in die höheren Schichten der Atmosphäre. Dadurch kommt es allerdings zu einer Abkühlung, denn die Strahlungsbilanz unserer Erde wird verändert, weniger Sonnenlicht erreicht den Erdboden. Eine Erderwärmung kann man dadurch also nicht erklärt werden. Zudem erholt sich das Klima nach ein bis zwei Jahren von solchen heftigen Vulkanausbrüchen auch wieder.

Fakten, die nicht wegzureden sind

Wenn wir uns dagegen menschliche Faktoren anschauen, die zur Erderwärmung führen, wie das Verbrennen von fossilen Brennstoffen, dann ist das erschreckend. Der zunehmende Ausstoß von Treibhausgasen hat in sehr kurzer Zeit eine sehr starke Erderwärmung bewirkt. Das sind Beobachtungsdaten, Fakten, die nicht wegzureden sind. In so kurzer Zeit wirken die natürlichen Faktoren, die das Erdklima beeinflussen, nicht.
 

 
Der Hauptgrund für die derzeitige Erderwärmung sind also wir Menschen und das sollte uns allen bewusst sein. Wir sollten alle daran arbeiten, die Treibhausemissionen deutlich zu reduzieren.

Sonst wird irgendwann (jedoch in sehr ferner Zukunft) auch in den Bergen kein Schnee mehr vom Himmel fallen.

Michaela Koschak ist Wetter- und Klimaexpertin und kennt sich mit der Atmosphäre bestens aus. Wenn Sie manchmal unsicher sind, was es mit der Klimakrise und dem Wetter auf sich hat, lesen Sie die Kolumne unserer Diplom-Meteorologin. Je mehr Sie zum Thema wissen, desto weniger verfallen Sie in Panik und desto bewusster und schonender gehen Sie mit der Umwelt um.

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