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Venedig unter Wasser, Schneechaos in den Alpen – was ist da los?


Venedig unter Wasser, Schneechaos in den Alpen – Was ist da los?

Von Michaela Koschak

Aktualisiert am 18.11.2019Lesedauer: 4 Min.
Meinung
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Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema. Niemand muss diese Meinung übernehmen, aber sie kann zum Nachdenken anregen.

Der Dogenpalast spiegelt sich im Hochwasser auf dem Markusplatz: Nicht nur Venedig leidet in diesen Tagen unter Extremwetter.
Der Dogenpalast spiegelt sich im Hochwasser auf dem Markusplatz: Nicht nur Venedig leidet in diesen Tagen unter Extremwetter. (Quelle: Claudio Furlan/dpa-bilder)
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Am Mittelmeer und in den Alpen zieht ein Unwettertief nach dem anderen durch, besonders hart trifft es Venedig. In Deutschland müssen die Menschen mit Glatteis im Berufsverkehr rechnen.

Was ist denn da los? Die Meldungen in den Nachrichten reißen nicht ab. Eine Hiobsbotschaft nach der anderen gibt es aus Venedig und aus den Südalpen.
Mitte der Woche kam es in der UNESCO-Welterbestadt zum heftigsten Hochwasser seit mehr als 50 Jahren.

Der mittlere Meeresspiegel stieg auf 187 Zentimeter. Höher war er nur 1966 mit 1,94 Meter. Heftige Regengüsse in Kombination mit Südwind, der das salzige Meereswasser in die Lagune trieb, ließen den Pegel so stark ansteigen. Der Markusplatz war vollkommen überflutet, ein 78-jähriger Mann starb, Schäden in Millionenhöhe sind entstanden.

Erderhitzung erzeugt kräftigere Tiefdruckgebiete

Aber damit nicht genug, die nächsten Tiefs setzten nun zum dritten Mal innerhalb einer Woche Venedig unter Wasser. Das Wasser stieg am Sonntag wieder über 150 Zentimeter, damit standen rund 70 Prozent der Stadt unter Wasser, die Schadensbilanz steigt und steigt.

Wissenschaftler warnen schon seit langem, dass die Lagunenstadt, wo ein Großteil der Gebäude auf Pfählen gebaut wurde, häufiger von Hochwasser betroffen sein wird. Durch die Klimakrise steigt der Meeresspiegel, außerdem erwärmen sich die Meere. Dadurch verdunstet mehr Wasser in die Atmosphäre und das kann kräftigere Tiefdruckgebiete bilden, die für Starkregenereignisse wie im Moment sorgen. Das sind physikalische Fakten, die nicht wegzureden sind.

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Nicht nur Venedig von Unwettern betroffen

Das Ausbaggern von Fahrrinnen für große Kreuzfahrtschiffe, Ebbe und Flut sowie der fehlende Küstenschutz lassen die Ausmaße der Hochwasser in Venedig immer heftiger ausfallen. Aber nicht nur Venedig ist betroffen. Insgesamt in Italien hat es in den letzten Tagen schwere Unwetter gegeben und bis Mitte der Woche sind weitere Regenfälle prognostiziert.

Und damit nicht genug, die Tiefdruckgebiete, die derzeit eine ungewöhnliche Zugbahn, nämlich eine Nord-Süd-Ausrichtung haben, verursachen auch in den Alpen, vor allem auf der Alpensüdseite, extremes Wetter. Seit Tagen schneit es dort ungewöhnlich stark.

Keine Entspannung der Lage in Sicht

Es ist nasser, schwerer Schnee, der da vom Himmel fällt. Zudem sind die Böden noch nicht gefroren. Damit kommt es sehr häufig zu Schneebruch, außerdem steigt die Lawinengefahr. Teils sind schon heftige Lawinen heruntergekommen und auch Erdrutsche und Murenabgänge gab es schon zuhauf. In den Bergen sind teils schon ein bis zwei Meter Schnee gefallen, einige Orte sind ohne Strom, Internet und Telefon. Und bis mindestens Dienstag wird es weiterschneien.

Wenn ich mir die Wettermodelle anschaue, wird es mal mehr und mal weniger regnen oder schneien, aber es kommen noch einige Liter pro Quadratmeter in den nächsten Tagen zusammen. Damit wird die Lage sich also nicht entspannen, sondern noch extremer werden. In tieferen Lagen fällt weiterer Regen, was zu Hochwasser führt und führen wird.

Nicht nur Hitzeperioden werden häufiger

Skifahrer können es in manchen Jahren nicht erwarten, dass der erste Schnee fällt und viele haben Angst, dass es durch die Klimakrise nicht mehr genug Schnee in den Alpen geben wird und dann das hier. Ja, wie wir Meteorologen so oft predigen: Die Erderwärmung bedeutet nicht, dass es jeden Tag wärmer wird und wir bald keine Winter mehr haben werden.

Extremes Wetter könnte es in Zukunft mehr geben und das sind nicht nur Hitzeperioden und Dürre im Sommer, sondern auch solche Wetterlagen wie im Moment. Wobei auch gilt: Ein Wetterereignis allein macht noch keine Klimakrise, sondern ihre Häufung.

Guter Hochwasserschutz wäre günstiger

Klar ist, wir müssen uns davor besser schützen. Aber das denke ich immer wieder: Warum muss immer erst so viel Schlimmes passieren, damit Konsequenzen gezogen werden. Ein besserer Hochwasserschutz in Venedig wäre wie in so vielen Fällen beim Thema Klimaschutz die günstigere Variante, die viel Leid und Schaden verhindert hätte.

Die Schneemassen zu dieser Jahreszeit in den Alpen sind ungewöhnlich und davor können wir uns nicht schützen – das ist Wetter, damit müssen wir leben und umgehen. Aber das tun die Österreicher und Schweizer so gut sie können.

Im Berufsverkehr kann es rutschig werden

Nicht nur in den Alpen schneit es, in deutlich geringerer Intensität wird es auch in Teilen Deutschlands, vor allem in den westlichen Mittelgebirgen wie der Eifel, dem Hunsrück und später auch im Rothaargebirge und Sauerland bis Montagabend weiß. Schon am Sonntagabend fing es westlich des Rheins an, zu schneien.

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Diese Wetterereignisse kommen in Zukunft weniger häufig vor

Montagmorgen zum Berufsverkehr kann es oberhalb von 300 bis 500 Metern rutschig werden. Bis zum Abend sind örtlich bis zu zehn Zentimeter Schnee möglich. Nichts im Gegensatz zu den Alpen, aber glatt auf den Straßen kann es hier dennoch werden.


In Deutschland steht uns ansonsten eine zunehmend ruhige Wetterwoche mit vielen Wolken und weniger werdendem Regen bevor – typisches Novemberwetter halt. Ihnen einen guten Wochenstart!

Michaela Koschak ist Wetter- und Klimaexpertin und kennt sich mit der Atmosphäre bestens aus. Wenn Sie manchmal unsicher sind, was es mit der Klimakrise und dem Wetter auf sich hat, lesen Sie die Kolumne unserer Diplom-Meteorologin. Je mehr Sie zum Thema wissen, desto weniger verfallen Sie in Panik und desto bewusster und schonender gehen Sie mit der Umwelt um.

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