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Pollen: Die Pollensaison hat schon begonnen

MEINUNGMilde Winter  

Das Pollen-Problem wird immer größer

Eine Kolumne von Michaela Koschak

04.02.2020, 20:06 Uhr
Pollen: Die Pollensaison hat schon begonnen. Pollen der Haselnuss: Allergikern können schon die Augen jucken – der Pollenflug hat begonnen. (Quelle: imago images)

Pollen der Haselnuss: Allergikern können schon die Augen jucken – der Pollenflug hat begonnen. (Quelle: imago images)

Die Nase juckt, die Augen tränen. Der milde Winter bringt den ersten Pollenflug mit sich. Allergiker müssen sich auf mehrere Veränderungen einstellen.

Es ist Januar und eigentlich sollte Schnee liegen, die Sonne an dicken Eiszapfen, die sich an Dachrinnen klammern, glitzern und wir uns unsere Wollschals ein bisschen höher ins Gesicht ziehen, damit uns der schneidend kalte Wind nicht beinahe erfrieren lässt. Das ist Winter, so kennen wir ihn und eigentlich gab es ihn auch mal so in Deutschland. Ja, in der Erinnerung mehr als in den Statistiken, aber dass in diesem Jahr in vielen Regionen Deutschlands noch nicht eine Flocke vom Himmel fiel und wir auch von strengem Frost bis jetzt verschont blieben, ist nicht normal.

Die Wetterlage hat sich festgefahren

Die Skibetreiber in den Mittelgebirgen stöhnen, denn auch jetzt Mitte Januar können viele ihre Skilifte nicht anstellen, da einfach kein Schnee fällt. Zudem ist es zu mild, um Schneekanonen anzuwerfen – die Skisaison 2019/2020 scheint in so einigen Mittelgebirgen eine Katastrophe zu werden.

Schon der Dezember fiel vielerorts viel zu mild aus und der Januar scheint das ganze noch zu steigern. Bisher habe ich meine Außenwasserhähne am Haus noch nicht abgedreht und im Moment sieht es auch nicht danach aus, als dass das bald nötig sein wird. Der Winter und die Kälte wollen einfach in diesem Jahr nicht kommen.

Die Wetterlage hat sich seit Wochen festgefahren: Westlich von uns ein Tiefdruckgebiet und südöstlich ein Hoch. Da sich ja Hochdruckgebiete auf der Nordhalbkugel im Uhrzeigersinn drehen und Tiefs gegen den Uhrzeigersinn, haben wir es mit einer Süd- bis Südwestströmung zu tun und die schaufelt ausgesprochen milde Luftmassen nach Deutschland.

In Leipzig habe ich schon die ersten Cabrio-Fahrer gesehen. Die Sonne schien vom strahlend blauen Himmel und die Temperaturen klettern am frühen Nachmittag bis auf 13 Grad. In Hamburg gab es sogar 15 Grad und beispielsweise in Greifswald und auf Fehmarn war es seit Beginn der Wetteraufzeichnungen (die übrigens in Greifswald schon 1898 begann) im Januar noch nie so warm wie am 15. Januar 2020. In den Mittagsstunden konnte man windgeschützt im Pullover seine Nase in die Sonne halten ohne zu frieren.

Das ist wirklich nicht normal

Ja, das gibt es immer mal wieder, solch vereinzelte milden Tage mitten im Winter. Aber dieses Jahr sind es keine vereinzelten Tage, sondern eine ganze Menge. Beispielsweise schon am 9. Januar gab es im Südwesten 16 Grad. Nachts lagen manchmal die Tiefsttemperaturen bei unglaublichen 11 Grad, diese Temperaturen gehören eigentlich in den Mai als Nachtwerte und nicht in den Januar, jetzt müsste es frostig sein. Alle unter uns, die den Winter nicht mögen, jubeln wahrscheinlich, aber erstens ist es wirklich nicht normal und zweitens bringen diese Temperaturen die Natur ganz schön durcheinander.

Morgens, wenn ich mit meiner Tochter um 7 Uhr durch den Park zur Zeit noch im Dunkeln zur Schule radle, zwitschern schon die Vögel wie im Frühling und die ersten Knospen habe ich auch schon entdeckt. Ja, auch das passiert im Januar immer mal wieder, aber dass so viele Allergiker jetzt schon laufende Nasen, juckende Augen und Probleme mit den Bronchien haben, das passiert nicht so oft.

Vor allem im Südwesten Deutschlands hat die Pollensaison schon begonnen. Der Flug von Haselpollen ist hier mäßig, auch erste Erlenpollen tauchen auf. Im Westen und in der Mitte des Landes wurde schon ein schwacher Flug von Haselpollen registriert. Die Kombination aus mildem trockenen Wetter und reichlich Wind lässt die Pollen jetzt schon ordentlich herumtanzen.

Auch Tiere reagieren auf das ungewöhnliche Wetter

Auch einige Tiere reagieren auf das ungewöhnliche Wetter. Zum Beispiel die Igel erwachen vorzeitig aus dem Winterschlaf. Unter Umständen finden sie aber noch nicht genug Nahrung. Wenn es wieder kälter wird, gehen sie zwar erneut schlafen, aber das Hin und Her setzt vor allem Jungtieren zu, sodass ihr Energievorrat dann nicht bis zum Ende der eigentlichen Winterschlafzeit Ende April ausreichen. Auch einige Amphibien krabbeln bei Temperaturen über 10 Grad schon mal zu ihren Laichplätzen. Wenn es dann noch einmal kalt wird, erfrieren sie und ihre Nachkommen. Für Hummeln und Schmetterlinge sind diese milden Temperaturen im Winter riskant. Die Blüten sind noch nicht ausgereift und so finden sie noch keinen Nektar.

Für uns Menschen ist das Wetter derzeit zu verkraften, aber die Tier- und Pflanzenwelt knabbert ganz schön an dem fehlenden Winter. Und wie so oft müssen wir da einen Bogen zur Klimakrise schlagen. Natürlich ist nur ein milder Winter keine Erderwärmung – wir wissen ja, ein Wetterereignis ist noch keine Klimakrise, nur die Häufung solcher Ereignisse. Aber der Dezember und Januar reihen sich in die Folge zu milder Monate ein. Im vergangenen Jahr war nur der Mai zu kühl, ansonsten fielen alle Monate zu warm aus. Auch 2018 gab es gerademal zwei Ausreißer nach unten, sonst war es zu mild.

Das heißt: Ein überdurchschnittlich milder Monat zu werden, ist in der heutigen Zeit keine Kunst mehr, sondern eher Normalität. Auch sind in den letzten Jahren Frost- und schneeärmere Winter festzustellen und somit müssen sich wohl vor allem die Allergiker darauf einstellen, nur wenige Monate eine taschentuchlose Pause zu haben. Die Pollensaison wird immer früher starten und länger andauern. Denn nach den Gräsern, Roggen und Beifuß haben wir ja hier in Deutschland mittlerweile im Herbst auch noch mit den hochallergenen Ambrosiapollen zu kämpfen, die es früher nicht gab, die ursprünglich aus Amerika sind. Versorgen Sie sich mit ausreichend Taschentüchern und vielleicht wird es ja doch noch einmal Winter.

So einige Wochen, wo es knackig kalt werden kann, liegen noch vor uns. Für die nächsten 14 Tage sieht es nicht danach aus, aber auch wir Meteorologen wissen noch nicht, ob es bis März doch noch einmal richtig kalt und vielleicht sogar schneereich werden wird.

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