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Coronavirus: Innenminister Horst Seehofer will Einreisende in die Pflicht nehmen

"Aussteigerkarte" bei Rückkehr  

Coronavirus: Seehofer will Einreisende in die Pflicht nehmen

27.02.2020, 16:14 Uhr

Seehofer zu Coronavirus: "Situation hat sich deutlich verschärft"

Das neuartige Coronavirus breitet sich immer weiter aus. Gesundheitsminister Jens Spahn und Innenminister Horst Seehofer traten deshalb am Donnerstagnachmittag vor die Presse. Seehofer sprach von einer "deutlich verschärften" Lage. (Quelle: Reuters)

"Situation deutlich verschärft": Gesundheitsminister Spahn und Innenminister Seehofer informierten, wie sie gegen die weitere Verbreitung des Corona-Virus vorgehen wollen. (Quelle: Reuters)


Das Coronavirus verbreitet sich weiter, neue Maßnahmen zur Eindämmung erfolgen. Künftig sollen etwa Reisende aus betroffenen Regionen beim Grenzübertritt Infos zu ihrem künftigen Aufenthaltsort bekannt geben.

Die Behörden nehmen wegen des vermehrten Auftretens von Corona-Fällen verstärkt das Geschehen bei der Einreise nach Deutschland in den Blick: Menschen, die mit Bus, Bahn oder dem Schiff nach Deutschland kommen, sollen besondere "Aussteigerkarten" ausfüllen müssen, wie Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) am Donnerstag in Berlin sagte. Flugreisende aus Infektionsgebieten sollen Informationen über ihren Aufenthaltsort geben. Die Lage habe sich "deutlich verschärft", sagte Seehofer.

Seehofer sagte, solche Aussteigerkarten sollten auch im grenzüberschreitendem Zug- und Busverkehr ausgefüllt werden. Hier hoffe er auf eine Selbstverpflichtung der Transportunternehmen. Im Schiffsverkehr werde dies angeordnet. Für das Unterbrechen der Infektionsketten sei so ein Schritt unverzichtbar.

Es handele sich um eine "beginnende Epidemie", betonte der Innenminister und fügte hinzu: "Es wird auch eine weitere Entwicklung nach oben geben." Auskunft über ihren Aufenthalt sollen den Behörden Rückreisende aus China, Südkorea, Japan, dem Iran und Italien geben, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte. Er kündigte eine gezielte Informationskampagne zu Verhaltensmaßnahmen für Rückreisende aus Norditalien an.

Spahn verwies zudem darauf, dass Krankenkassen die Kosten für Corona-Untersuchungen übernehmen. Beim Verdacht einer Infektion sollten sich die Betroffenen nicht ins Wartezimmer eines Arztes setzen, sondern telefonisch Kontakt aufnehmen, um sich zuhause untersuchen zu lassen. Nach Seehofers Worten wurde die Überstellung von Asylbewerbern von und nach Italien ausgesetzt.

FDP kritisiert Krisenstab der Regierung 

Wegen der beginnenden Corona-Epidemie hat die Bundesregierung einen Krisenstab eingerichtet, an dem maßgeblich die Ministerien für Inneres und Gesundheit beteiligt sind. Die Linke im Bundestag forderte in einem AFP vorliegenden Schreiben an Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) eine Regierungserklärung Spahns zur Corona-Epidemie. FDP-Fraktionsvize Michael Theurer kritisierte das Verhalten der Bundesregierung als zu zögerlich.

Trotz der steigenden Zahl von Coronavirusinfektionen sieht der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, Deutschland dem Erreger "nicht schutzlos" ausgeliefert. Alle könnten selbst etwas tun, angefangen von "banalen Dingen" wie Händewaschen bis hin zum Meiden von Großveranstaltungen oder dem öffentlichen Verkehr bei Infektionen, sagte Wieler. Insgesamt sind in Deutschland über 25 Corona-Fälle bekannt.

Alle Neuinfektionen in Nordrhein-Westfalen stehen in einem direkten Zusammenhang mit Kontakten zu dem zuerst erkrankten Ehepaar. Bei den Erkrankten handele es sich um "Büroangestellte und Nachbarn aus dem Umfeld", sagte Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Donnerstag im ZDF-"Morgenmagazin".

"Maßnahmen der Lage anpassen"

Auch der Bundeswehrsoldat der Flugbereitschaft, der positiv auf das Virus getestet wurde, habe Kontakt mit den Ersterkrankten gehabt. Derzeit sei das Umfeld der neuen Infektionen klar auf den Kreis Heinsberg beschränkt. Eine Abriegelung einzelner Orte sei nicht die richtige Maßnahme, sagte Laumann.

Der nächste Schritt sei, die Teilnehmer der Karnevalssitzung zu ermitteln, an der das Ehepaar teilgenommen hatte. Laumann kündigte an, mit Virologen über einen möglichen Test aller Teilnehmer zu sprechen. "Wir müssen jeden Tag die Maßnahmen der Lage anpassen", sagte er. Die erkrankte Ehefrau arbeitet in einem Kindergarten. Alle Kinder befinden sich nach Angaben Laumanns in Quarantäne. Die eigenen Kinder des Ehepaars seien wohlauf.


Der Heinsberger Landrat Stephan Pusch wies die in sozialen Netzwerken geübte Kritik an der Teilnahme der Erkrankten an Karnevalsveranstaltungen zurück. Das Ehepaar verdiene keine Vorwürfe, "sondern unser Mitgefühl", sagte Pusch. "Es hätte eigentlich jeden von uns treffen können."

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur AFP

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