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Gleisattacken-Prozess: Psychiatrie-Unterbringung gefordert

Von dpa
Aktualisiert am 27.08.2020Lesedauer: 2 Min.
Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung fordern im Gleisattacken-Prozess die Unterbringung des TĂ€ters in einer Psychiatrie.
Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung fordern im Gleisattacken-Prozess die Unterbringung des TĂ€ters in einer Psychiatrie. (Quelle: Arne Dedert/dpa./dpa)
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Frankfurt/Main (dpa) - Im Prozess um die tödliche Gleisattacke am Frankfurter Hauptbahnhof haben sich Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung in ihren PlĂ€doyers vor dem Frankfurter Landgericht fĂŒr eine dauerhafte Unterbringung des Beschuldigten in einer Psychiatrie ausgesprochen.

Zuvor war bereits aus dem Gutachten des psychiatrischen SachverstĂ€ndigen hervorgegangen, dass der heute 41-JĂ€hrige eine Gefahr fĂŒr die Allgemeinheit darstelle. Es bestehe "eine hohe Wahrscheinlichkeit", dass der Mann weitere Straftaten begehe, "vom Schweregrad bis hin zu Tötungsdelikten", sagte der Experte.

Der Beschuldigte, ein heute 41-jĂ€hriger Eritreer, soll im Sommer 2019 einen Jungen und seine Mutter vor einen einfahrenden ICE gestoßen haben. Der AchtjĂ€hrige wurde vom Zug ĂŒberrollt und starb, die Mutter konnte sich in letzter Sekunde retten. Der TatverdĂ€chtige wurde außerhalb des Bahnhofs festgenommen und spĂ€ter in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht.

"Er hat völlig fremde Menschen attackiert", erklĂ€rte der SachverstĂ€ndige. Somit seien auch kĂŒnftige Opferkreise nicht vorherzusehen. Zum Tatzeitpunkt habe eine paranoide Schizophrenie in akuter Form vorgelegen. Er sprach auch von einer "krankhaften seelischen Störung". Dem Risiko vor weiteren Straftaten sei nur "in der geschlossenen psychiatrischen Behandlung im Hochsicherheitsbereich zu begegnen".

Der dreifache Familienvater ist laut dem Gutachten schuldunfĂ€hig. Der Eritreer hatte mehrere Jahre als anerkannter FlĂŒchtling mit seiner Frau und drei kleinen Kindern in der Schweiz gelebt - zunĂ€chst unauffĂ€llig und unbescholten. Doch dann kam es zu psychischen Problemen. 2019 begab sich der Mann in psychiatrische Behandlung, er hörte Stimmen, fĂŒhlte sich bedroht. Mehrere Tage vor der Tat schloss er Frau und Kinder in der Wohnung ein, bedrohte die Nachbarin mit einem Messer- und fuhr wenig spĂ€ter mit dem Zug nach Frankfurt.

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Die Familie des getöteten Jungen aus dem Hochtaunuskreis tritt als NebenklĂ€ger auf. Ebenso wie eine heute 79-JĂ€hrige, die der Mann ebenfalls gestoßen haben soll. Sie stĂŒrzte auf den Bahnsteig und wurde verletzt.

Am Donnerstag wurden im Gerichtssaal auch Aussagen der Ehefrau des TatverdĂ€chtigen vorgelesen. Er habe vor der Tat Angst vor Menschen gehabt und das Haus fast gar nicht mehr verlassen, hieß es darin. Ein Arzt habe ihm aufgrund seiner psychischen Probleme Medikamente gegeben, diese habe er aber kaum oder gar nicht genommen. Die Frau erklĂ€rte auch: "Ich werde das Urteil, wie es auch immer aussieht, akzeptieren." Die Kinder baten demnach um eine gnĂ€dige Entscheidung. "Wir brauchen unseren Papa", hieß es.

Das Landgericht will am Freitagmittag das Urteil sprechen. Spannend bleibt noch, ob die Richter die Tat als Totschlag oder Mord bewerten. Also ob das Mordmerkmal der HeimtĂŒcke erfĂŒllt ist, wie es die Nebenklage sieht. Die Staatsanwaltschaft geht im Fall von Mutter und Sohn dagegen von Totschlag und versuchten Totschlags in Tateinheit mit schwerer Körperverletzung aus.

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