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Hilfspfleger wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt

Von dpa
Aktualisiert am 06.10.2020Lesedauer: 3 Min.
"Das, was ich getan habe, ist sehr brutal und bleibt brutal.
"Das, was ich getan habe, ist sehr brutal und bleibt brutal." Der Angeklagte ist wegen dreifachen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe und Sicherheitsverwahrung verurteilt worden. (Quelle: Sven Hoppe/dpa./dpa)
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M├╝nchen (dpa) - Grzegorz W. verzieht keine Miene, als das Gericht das Urteil verk├╝ndet: Lebenslange Haft wegen dreifachen Mordes, besondere Schwere der Schuld, Sicherungsverwahrung. H├Âchststrafe.

Der kleine, schwere Mann nimmt all das v├Âllig regungslos hin - so unbeteiligt, wie er den ganzen Prozess ├╝ber schien. So, als gehe ihn das alles gar nichts an. Dabei stellt das Gericht fest, dass er das ist, als was die Staatsanwaltschaft ihn bezeichnet hat: ein Serienm├Ârder, der m├Âglicherweise noch mehr Menschen auf dem Gewissen hat als die drei, f├╝r deren Morde er nun verurteilt wurde.

"Jeder wei├č aus eigener leidvoller Erfahrung, wie schmerzlich es ist, einen Angeh├Ârigen zu verlieren", sagt die Vorsitzende Richterin Elisabeth Ehrl. In den Mordf├Ąllen h├Ątten die Trauernden dar├╝ber hinaus noch feststellen m├╝ssen, dass ihre Angeh├Ârigen "nicht etwa friedlich eingeschlafen" seien, sondern get├Âtet wurden. Die Taten h├Ątten "zu erheblichen Einschnitten im Leben der Angeh├Ârigen" gef├╝hrt, die sich jetzt viele Fragen stellten: "Wie konnte so etwas passieren? H├Ątte ich etwas verhindern k├Ânnen?"

Urspr├╝nglich hatte die Staatsanwaltschaft sechs Mordf├Ąlle angeklagt. Nicht in allen F├Ąllen sei der Tatvorwurf zweifelsfrei nachgewiesen worden, sagte die Staatsanw├Ąltin in ihrem Schlusspl├Ądoyer. Das bedeute aber nicht, dass der Angeklagte nicht auch f├╝r diese Todesf├Ąlle verantwortlich sein k├Ânnte. Das Gericht verurteilt den Angeklagten neben den drei Morden auch wegen versuchten Mordes, Raub mit Todesfolge und gef├Ąhrlicher K├Ârperverletzung.

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Nach einem 120-st├╝ndigen Pflegekurs war der gelernte Schlosser und Mechaniker von Mai 2015 an laut Anklage in mehreren Haushalten in Deutschland als Hilfspfleger t├Ątig - zust├Ąndig f├╝r die 24-Stunden-Betreuung alter Menschen. Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass er seinen pflegebed├╝rftigen Patienten an verschiedenen Tatorten Insulin gespritzt hat, das in ├ťberdosis verabreicht t├Âdlich sein kann. Er soll ├╝ber das Medikament verf├╝gt haben, weil er - im Gegensatz zu seinen Opfern - Diabetiker ist. "Bestialische Morde" nannte der 38 Jahre alte Pole selbst seine Taten.

Die Staatsanwaltschaft nennt als Motiv im Wesentlichen Bequemlichkeit. Der Angeklagte habe beispielsweise keine Lust gehabt, sich nachts um seine Patienten zu k├╝mmern - oder er habe in Ruhe stehlen wollen. Einmal, so steht es in der Anklage, soll er nach dem Tod eines seiner mutma├člichen Opfer gefragt haben, ob er dessen Handy und Wertsachen haben k├Ânnte ÔÇô "da der Gesch├Ądigte diese ja nun nicht mehr ben├Âtigen w├╝rde". Demnach stahl er Wertsachen, Geld, Wein, Waschmittel, Toilettenpapier, Klob├╝rsten.

Die "Vielzahl der Verhandlungsvorw├╝rfe" und der "Gesamteindruck" vom Angeklagten h├Ątten das Gericht dazu bewogen, die Sicherungsverwahrung zu verh├Ąngen, sagt Ehrl. "Todesengel" oder "Teufel in Menschengestalt" hatten Nebenkl├Ąger den Hilfspfleger genannt. Die Verteidigung hatte dem wenig entgegen zu setzen, forderte in ihrem Schlusspl├Ądoyer lediglich ein "sachgerechtes Urteil".

Mit der Feststellung der besonderen Schwere der Schuld ist eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren in der Praxis so gut wie ausgeschlossen. Danach greift die Sicherungsverwahrung.

Der Fall erinnert auch an den spektakul├Ąren Fall des Patientenm├Ârders Niels H├Âgel, der 2019 vom Landgericht Oldenburg wegen Mordes in 85 F├Ąllen zu lebenslanger Haft verurteilt worden war. Anders als bei H├Âgel, der Pfleger in einem Krankenhaus war, wirft der Fall des polnischen Hilfspflegers auch ein Schlaglicht auf eine ganze Branche in einer Grauzone.

Nach Angaben der Deutschen Stiftung Patientenschutz "wird die Not in der Pflege durch ├╝ber 300.000 oft weibliche Hilfskr├Ąfte aus Ost- und S├╝dosteuropa gelindert. Fast rund um die Uhr und an sieben Tagen die Woche wird hier geschuftet, damit das Pflegesystem in Deutschland nicht kollabiert. Landl├Ąufig wird das als grauer Pflegemarkt bezeichnet".

Stiftungsvorstand Eugen Brysch fordert Schwerpunktstaatsanwaltschaften, die sich um Kriminalit├Ąt in der Pflege k├╝mmern. "Quer durch Deutschland ist es symptomatisch, dass bei Delikten in der Pflege und Medizin der Aufkl├Ąrungsdruck oft fehlt", sagt er. "Das muss sich ├Ąndern. Es braucht Schwerpunktstaatsanwaltschaften, zentrale Ermittlungsgruppen und ein vernetztes Vorgehen aller Bundesl├Ąnder f├╝r solche Delikte."

Brysch betont: "Zum allergr├Â├čten Teil verlaufen diese Eins├Ątze unauff├Ąllig." Aber eben nicht immer. "Die Politik interessiert sich nicht daf├╝r. Fakten und Zahlen fehlen. Auch die Beh├Ârden vor Ort schauen weg, weil es keine Alternativen gibt. Das macht es Einzelt├Ątern zu leicht. Selbst bei erdr├╝ckenden Hinweisen tun sich die Justizbeh├Ârden schwer." Brysch spricht sich deshalb auch daf├╝r aus, "verbindliche amts├Ąrztliche Leichenschauen bei allen Pflegebed├╝rftigen gesetzlich anzuordnen".

Die Vorsitzende Richterin Ehrl betont in ihrer Urteilsbegr├╝ndung zwar, "dass man hier nicht pauschal den Stab ├╝ber alle 24-Stunden-Betreuungskr├Ąfte brechen darf" - sagt aber auch, das Ganze sei "ein sozial- und gesellschaftliches Problem, das wir hier vor Gericht nicht l├Âsen k├Ânnen". Aber: "Wir wollten den Opfern ein Gesicht geben."

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