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Astrazeneca versteckte offenbar 29 Millionen Impfstoff-Dosen in Italien

Im Lieferrückstand  

Astrazeneca versteckte offenbar riesige Mengen Impfstoff

24.03.2021, 16:40 Uhr | dpa

Astrazeneca versteckte offenbar 29 Millionen Impfstoff-Dosen in Italien. Spritzen mit Astrazeneca-Impfstoff: In Italien sollen 29 Millionen Dosen davon lagern. (Symbolfoto) (Quelle: Reuters/Marcelo del Pozo)

Spritzen mit Astrazeneca-Impfstoff: In Italien sollen 29 Millionen Dosen davon lagern. (Symbolfoto) (Quelle: Marcelo del Pozo/Reuters)

Ein Pressebericht wirft erneut schlechtes Licht auf Astrazeneca: Demnach lagert der Hersteller 29 Millionen Dosen Vakzin in Italien, bereit für den Export. Zum Zielort der Lieferung gibt es unterschiedliche Angaben.

Der Hersteller Astrazeneca lagert in Italien 29 Millionen Dosen Corona-Impfstoff – und das, obwohl er mit seinen vertraglich zugesicherten Lieferungen an die Europäische Union massiv im Rückstand ist und Impfstoff in der EU überall fehlt. Dieser Bericht der italienischen Zeitung "La Stampa" klingt erst mal unwahrscheinlich, wurde aber am Mittwoch aus mehreren Quellen bestätigt. Nur das britisch-schwedische Unternehmen schwieg auf Anfrage vorerst.

So gab es von Astrazeneca auch zunächst keine Erklärung, was hinter der großen Lagerung steckt und an wen der Impfstoff genau geliefert werden soll. Weniger zurückhaltend traten die Kritiker des Herstellers auf, der nun zum x-ten Mal aus unterschiedlichen Gründen in den Schlagzeilen steht. "Das ist völlig inakzeptabel", schrieb der CSU-Europapolitiker Manfred Weber auf Twitter. "Ich kann mir keinen Grund denken, warum man in dieser Pandemielage Impfstoffe auf Halde legen würde", sagte ein EU-Vertreter.

EU-Kommissar bat um Kontrolle in Anlage

Das Blatt "La Stampa" aus Turin schildert die Abläufe so: EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton, inzwischen eine Art Impfstoffbeauftragter von Kommissionschefin Ursula von der Leyen, habe Anfang März die Fabrik Halix im niederländischen Leiden besucht, die für Astrazeneca Corona-Impfstoff herstellt. Dort sei der Kommissar misstrauisch geworden. Er habe die italienischen Behörden unterrichtet. Denn Astrazeneca lässt seinen Impfstoff unter anderem in Italien abfüllen und verpacken.

Die italienische Regierung bestätigte am Mittwoch, dass eine Anlage von Catalent in Anagni in der Region Latium auf Bitten der EU-Kommission inspiziert wurde. Laut "La Stampa" wurden dabei in den Kühlkammern die 29 Millionen Dosen entdeckt. In der Zeitung hieß es, die Impfstoffe seien für den Export nach Großbritannien gedacht. Ein EU-Beamter schloss auch andere Ziele nicht aus. Die Regierung von Ministerpräsident Mario Draghi erklärte in Rom, Ziel der inspizierten Impfstoffe sei Belgien gewesen – was weitere Fragen aufwarf.

Italien stoppte schon 250.000 Impfdosen für Australien

Dazu muss man wissen, dass Astrazeneca derzeit praktisch keine Chance hat, die Impfstoffe aus der EU herauszubringen. Denn bereits seit 1. Februar gelten Exportkontrollen. Herstellern, die EU-Verträge nicht erfüllen, kann die Ausfuhr untersagt werden. Und Astrazeneca ist bisher die einzige Firma, bei der diese Möglichkeit einmal angewendet wurde: Italien stoppte 250.000 Impfdosen für Australien.

Am Mittwoch verschärfte die EU-Kommission den Exportmechanismus mit dem Ziel, häufiger Nein sagen zu können, wenn Empfängerländer nicht auch Exporte in die EU zulassen.

Fabrik in Halix hat keine EU-Zulassung

Astrazeneca hatte der EU nach Brüsseler Angaben im ersten Quartal ursprünglich 120 Millionen Impfdosen zugesagt – und dies dann auf 30 Millionen gekürzt. "Aber sie sind Stand heute noch nicht einmal in der Nähe dieser Zahl", sagte EU-Kommissionsvizepräsident Valdis Dombrovskis am Mittwoch. Im zweiten Quartal stellt Astrazeneca nun offiziell 70 Millionen Dosen in Aussicht – statt der vereinbarten 180 Millionen.

Der britisch-schwedische Hersteller hat auch und vor allem umfassende Lieferpflichten an Großbritannien, was seit Wochen für Spannungen zwischen Brüssel und London sorgt. Dabei geht es auch immer wieder um die Fabrik in Halix. Diese produziert nach Angaben der EU-Kommission seit geraumer Zeit. Sie hat aber bisher keine EU-Zulassung – nach Darstellung aus EU-Kreisen, weil das Unternehmen den Antrag nicht vorantrieb.

Bundesregierung freut sich

Die für die Zulassung der Anlage zuständige EU-Arzneimittelbehörde Ema wollte sich diese Woche auf dpa-Anfrage über Details des Verfahrens nicht äußern. In jedem Fall wird schon länger gerätselt, wie viel und für wen Halix produziert. Großbritannien hofft dem Vernehmen nach, den Großteil des dort hergestellten Impfstoffs zu bekommen.

Aus deutschen Regierungskreisen hieß es, man habe sich erstmal gefreut, "dass da 29 Millionen Dosen offensichtlich sind". Schließlich hänge Astrazeneca mit den Lieferungen an die EU um ein Vielfaches zurück. "Vielleicht gibt es jetzt die Möglichkeit, die Lieferungen deutlich aufzustocken."

EU-Vertreter in Brüssel wollten sich über Herkunft, Ziel und den weiteren Umgang des in Italien gelagerten Impfstoffs nicht äußern – dazu müsse man die Firma fragen, hieß es. Rom jedenfalls stellte am Mittwoch klar, dass die für den Gesundheitsschutz zuständigen Carabinieri von nun an alle ausgehenden Impfstoffpartien bei dem Betrieb in Anagni kontrollieren würden.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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