Sie sind hier: Home > Panorama >

Unglück in Italien: Der einzige Überlebende – Junge (5) erwacht aus Koma

Unglück in Italien  

Der einzige Überlebende – Fünfjähriger erwacht aus Koma

26.05.2021, 20:16 Uhr | t-online, pdi

Festnahmen nach Seilbahnunglück in Norditalien

Nach einem Gondelunglück in Norditalien am Pfingstsonntag mit 14 Toten sind Medienberichten zufolge drei Menschen festgenommen worden. Ein Sicherheitsbremssystem soll "manipuliert" worden sein. (Quelle: t-online/Reuters)

Norditalien: Nach einem Gondelunglück am Lago Maggiore mit 14 Toten sind drei Menschen festgenommen worden. (Quelle: t-online)


Beim Seilbahnunglück in Italien gab es nur einen Überlebenden – einen fünfjährigen Junge. Retter zogen ihn aus der Gondel, er lag im Koma. Nun muss er verarbeiten, was seiner Familie passiert ist. 

Als Giovanni La Valle am Mittwoch in Turin vor die Presse trat, machte sich Erleichterung bei vielen Zuhörern breit. Der Generaldirektor des Kinderkrankenhauses "Regina Margherita" verkündete die Nachricht, dass der fünfjährige Junge aus Israel, der als einziger das schwere Seilbahnunglück am Monte Mottarone überlebt hatte, aus dem Koma erwacht ist.

"Das Kind ist bei Bewusstsein, steht jedoch noch unter starken Medikamenten", erklärte La Valle. Es sei ein sehr sensibler Moment. "Alle müssen in der Nähe sein, ein Psychologe und seine Tante sind direkt am Krankenbett." Er habe die Augen aufgemacht und registriert, dass jemand in der Nähe ist, den er gut kennt." In den kommenden Stunden solle er weiter aus dem künstlichen Koma aufwachen können.

Von Rettern aus Trümmern gezogen

Nach dem Unfall am Sonntag bangten viele Menschen in Italien um den Gesundheitszustand des Fünfjährigen. Seine Tante und ihre Eltern müssen ihm nun erklären, was passiert ist. Bei dem Gondel-Absturz in Stresa starben seine Eltern und sein Bruder, der Fünfjährige wurde von Bergrettern aus den Trümmern gezogen. Retter berichteten, dass er während der Bergung unter Schock stand, sich wehrte, weil er die fremden Männer nicht kannte. 

Zusammen mit seinem Bruder wurde er per Rettungshubschrauber schwer verletzt in die Turiner Klinik geflogen. Sein Bruder starb noch am Abend, wodurch sich die Zahl der Menschen, die bei dem Unglück ums Leben kamen, auf insgesamt 14 erhöhte.

Was war passiert?

Das tödliche Seilbahnunglück ist offenbar durch die absichtliche Abschaltung der Notbremse verursacht worden. Die Bremsvorrichtung war Medienberichten zufolge bereits seit dem 26. April, dem Tag der Wiederaufnahme des Seilbahnbetriebs, aufgrund eines technischen Problems außer Betrieb.

Rettungskräfte arbeiten am Wrack einer abgestürzten Gondel: 14 Personen kamen bei dem Unglück ums Leben. (Quelle: dpa)Rettungskräfte arbeiten am Wrack einer abgestürzten Gondel: 14 Personen kamen bei dem Unglück ums Leben. (Quelle: dpa)

Zu dem Unglück kam es, weil ein Seilbahn-Kabel riss und die Kabine kurz vor Erreichen der Gipfelstation abgestürzt war. Unter den 14 Todesopfern am Lago Maggiore waren fünf Israelis. 

Carabinieri-Vertreter Alberto Cicognani erläuterte nach Angaben italienischer Nachrichtenagenturen dem Sender Radiotre die Gründe für die folgenschwere Bremssystem-Abschaltung. "Es gab eine Störung an der Seilbahn, das Beförderungsteam hat das Problem nicht oder nur teilweise gelöst", sagte Cicognani. "Um die Verbindung nicht zu unterbrechen, entschieden sie sich, die 'Gabel', die verhindert, dass die Notbremse in Kraft tritt, an Ort und Stelle zu lassen." Dies führte den Ermittlern zufolge dazu, dass die Notbremse nicht griff, als am Sonntag ein Kabel riss.

Wer trägt die Verantwortung für das Unglück?

Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung. Drei Männer der Betreibergesellschaft wurden festgenommen. "Das Büro der Staatsanwaltschaft hat drei Festnahmen wegen Entfernung oder Unterlassung von Sicherheitsvorkehrungen gegen Unfälle im Betrieb angeordnet", sagte ein Sprecher der Carabinieri der Nachrichtenagentur AFP. Bei den Festgenommenen handele es sich um den Chef und zwei weitere hochrangige Vertreter der Seilbahn-Betreiberfirma Ferrovie del Mottarone.

Sie gaben laut Polizeiangaben zu, dass die Notbremse absichtlich ausgeschaltet wurde. Die zuständige Staatsanwältin der benachbarten Stadt Verbania, Olimpia Bossi, sagte bei einer Pressekonferenz, es habe sich um eine "absolut absichtliche" Entscheidung gehandelt, um den Betrieb der Seilbahn aufrecht zu erhalten. Die Gabel zum Außerkraftsetzen der Notbremse sei am Sonntag sicherlich nicht zum ersten Mal eingesetzt worden.

Italienischen Medien zufolge sagte Bossi, die Beschuldigten hätten gewusst, dass die Notbremse bereits seit dem 26. April, dem Tag der Wiederaufnahme des Seilbahnbetriebs, abgeschaltet gewesen sei. Die Abschaltung sei in der Überzeugung beschlossen worden, "dass das Kabel niemals reißen würde".

"Anhalten der Seilbahn zu vermeiden"

Seilbahnen haben ein Zugseil und ein oder mehrere Fangseile. Wenn das Zugseil reißt, kommt die sogenannte Fangbremse zum Einsatz. Sie wirkt mithilfe von Bremszangen auf das Tragseil und verhindert einen Absturz der Seilbahn-Gondel.

Am Dienstag hatten die Carabinieri mehrere Menschen verhört und die vor Ort gefundenen Trümmer untersucht. Daraus ging hervor, dass "das Notbremssystem der abgestürzten Kabine manipuliert worden war".

Laut den Ermittlern ging es darum, "Unterbrechungen und das Anhalten der Seilbahn zu vermeiden". Dabei sei ignoriert worden, dass die technischen Probleme an der Seilbahn tatsächlich "einen radikaleren Eingriff mit einem konsequenten Anhalten" der Anlage erfordert hätten. Laut Staatsanwaltschaft waren technische Eingriffe "angefordert und durchgeführt worden", darunter einer am 3. Mai, aber "sie haben das Problem nicht gelöst".

Verwendete Quellen:

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Media Markttchibo.deOTTOWeltbildbonprix.deLIDLBabistadouglas.deMadeleine

shopping-portal

Hinweis:

Der Internet Explorer wird nicht länger von t-online unterstützt!

Um sicherer und schneller zu surfen, wechseln Sie jetzt auf einen aktuellen Browser.

Wir empfehlen unseren kostenlosen t-online-Browser: