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Wie viel Freiheit f├╝r den Fluss? - Debatte ├╝ber Ahr-Verlauf

Von dpa
Aktualisiert am 29.12.2021Lesedauer: 2 Min.
Nach der Hochwasserkatastrophe hat sich der Flusslauf der Ahr teilweise ver├Ąndert.
Nach der Hochwasserkatastrophe hat sich der Flusslauf der Ahr teilweise ver├Ąndert. (Quelle: Thomas Frey/dpa./dpa)
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Bad Neuenahr-Ahrweiler (dpa) - Das Ahr-Hochwasser hat mit 134 Todesopfern viel Leid gebracht - mit seinen ├änderungen des Flussverlaufs aber auch ├Âkologische Chancen geboten. Diese sind nach Ansicht von Kritikern nicht genutzt worden.

Der Hochwasserschutz sei teils sogar verschlechtert worden. Die Ahr sei an mancher Stelle heute schmaler als vor der Flut, sagt Cosima Lindemann, Vorsitzende des Naturschutzbundes (Nabu) Rheinland-Pfalz. In Ortschaften sei eine rasche Wiederherstellung des vorherigen Flussbettes verst├Ąndlich. Au├čerorts aber seien Chancen vertan worden, Naturschutz und Hochwasservorsorge zu verbinden.

Hochwasser im Juli

Das extreme Ahr-Hochwasser am 14. und 15. Juli habe das Flussbett teils verlegt und neue Nebenarme entstehen lassen, sagt Lindemann. Diese h├Ątten "einen hohen ├Âkologischen Wert" und k├Ânnten bei Hochwassern entlastend wirken. Leider sei von diesen neuen Strukturen f├╝nfeinhalb Monate nach der Katastrophe nichts mehr zu finden: "Nebenarme sind wieder zugesch├╝ttet worden und das Flussbett wurde in gro├čen Teilen begradigt."

Der Hildesheimer Biologieprofessor Wolfgang B├╝chs spricht von einer stellenweise "zweiten Zerst├Ârung" des Flusstals. Erst habe sich die Ahr beim Hochwasser den Raum geholt, "den sie eigentlich braucht", und neue Auenlandschaften geschaffen. Dann h├Ątten Bagger und Bulldozer bei den Aufr├Ąumarbeiten in oft unkoordinierter "Wildwestmanier" drastisch eingegriffen. ├ľkologisch wertvolle Bereiche und R├╝ckhaltefl├Ąchen f├╝r Hochwasser seien verlorengegangen, das Bundesnaturschutzgesetz werde missachtet.

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Der f├╝r Gew├Ąsser zust├Ąndige Abteilungsleiter bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord in Koblenz, Joachim Gerke, sagt, vor allem anfangs sei das Baggern im Fluss unabdingbar gewesen, etwa um Treibgut und Zerst├Ârungen zu beseitigen. Im Chaos der ersten Aufr├Ąumphase "k├Ânnen Sie nicht die reine Lehre fahren", meint der Abteilungsleiter. "Da sind auch ung├╝nstige Dinge passiert." Es gehe um einen Ausgleich verschiedener Interessen - Natur- und Hochwasserschutz, Lebens- und Arbeitsraum der Anwohner.

Mehr Raum f├╝r den Fluss

Es bleibt laut Gerke das Hauptziel, der Ahr mehr Raum zu geben. "Das habe ich auch auf B├╝rgerversammlungen vorgetragen." Manche B├╝rgermeister h├Ątten gleich Vorschl├Ąge unterbreitet, "zum Beispiel eine Wiese im Dorf abzusenken". N├Âtig ist nach Einsch├Ątzung des Fachmanns allerdings ein koordiniertes ├╝ber├Ârtliches Handeln. "Man kann die Ahr nicht einfach mal breit und mal schmal machen." M├Âglichst rasch im Laufe des neuen Jahres solle ein Gew├Ąsserentwicklungskonzept f├╝r den Fluss vorliegen. Die ├Âffentliche Hand kaufe auch Uferfl├Ąchen mit Steuergeld auf.

Vor allem das mittlere Ahrtal ist sehr eng und steil. Das erschwert den Hochwasserschutz. Die Nabu-Landesvorsitzende Lindemann fordert gerade deshalb, jede M├Âglichkeit zu nutzen, dem Fluss mehr Raum zu geben. "Das hilft dem Naturschutz, aber letztlich auch den Menschen, die an der Ahr leben."

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