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Spritdiebstahl bei Lastwagen: Polizei hÀufig machtlos

Von dpa
27.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Hohe Spritpreise machen den Diebstahl von Benzin und Diesel besonders lukrativ.
Hohe Spritpreise machen den Diebstahl von Benzin und Diesel besonders lukrativ. (Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa./dpa)
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Berlin (dpa) - Tankdeckel aufbohren, Schlauch rein, Kanister drunter, Sprit abpumpen und weg: Mit dieser einfachen und zugleich dreisten Masche zapfen Kriminelle Sprit aus abgestellten Lastwagen und Baumaschinen ab - meistens Diesel, manchmal auch Benzin.

Das Vorgehen ist fĂŒr die TĂ€ter lukrativ. Mitte Januar erreichte der Dieselpreis ein Allzeithoch. Etwa 1,58 Euro kostete der Liter im Durchschnitt, Benzin ein paar Cent mehr. Bei einer Lkw-TankgrĂ¶ĂŸe von 200 bis 1500 Litern gibt es fĂŒr die TĂ€ter einiges zu holen. Das PhĂ€nomen ist nicht neu, sein Ausmaß aber weitgehend unbekannt. "Das ist fĂŒr die Branche ein echtes Problem", sagt Martin Bulheller, Sprecher des Bundesverbands GĂŒterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL). "Vor allem weil es keine verlĂ€sslichen Zahlen dazu gibt."

TĂ€ter schlagen nachts zu

Meist machen sich die TÀter nachts im Dunkeln, wenn die Laster unbeobachtet im Gewerbegebiet, auf ParkplÀtzen oder einem BetriebsgelÀnde stehen, an den Fahrzeugen zu schaffen. In einigen FÀllen werden die Lkw auch auf RastplÀtzen zur Ader gelassen, wÀhrend die Fahrer noch selig in ihren Kabinen schlummern. So geschehen Mitte Januar, als Unbekannte an der RaststÀtte Funckenhausen an der A1 rund 300 Liter Diesel aus einem Lastwagen stahlen, wÀhrend der Trucker schlief.

Die Polizei ist machtlos, die Ermittlungen verlaufen in der Regel im Sande. Nur selten werden die TĂ€ter auf frischer Tat ertappt. Wie im Falle eines 20-JĂ€hrigen, der Ende vergangenen Jahres im niedersĂ€chsischen Halvesbostel versuchte, mit einem Schlauch Diesel aus einem Lkw zu saugen, und dabei von einem Zeugen beobachtet wurde. Die AufklĂ€rungsquote liegt bei unter 10 Prozent, wie das Landeskriminalamt Niedersachsen der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Denn wĂŒrden die Langfinger nicht in flagranti erwischt, könne der Kraftstoff in der Regel keiner bestimmten Tat zugeordnet werden.

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Hohe Dunkelziffer

Deshalb ist auch ĂŒber die TĂ€ter nicht viel bekannt. "Das sind nicht nur organisierte Banden, sondern manchmal auch die eigenen Mitarbeiter", sagt BGL-Sprecher Bulheller. Auch wie viele Tanks in Deutschland aufgebohrt werden, weiß niemand genau. Die FĂ€lle werden nach Angaben des Bundeskriminalamts (BKA) nicht gesondert in der Polizeilichen Kriminalstatistik erfasst. In den Statistiken von Versicherungen tauchen sie ebenfalls nicht auf. Denn der gestohlene Sprit werde "weder ĂŒber die Teilkasko noch ĂŒber die Vollkasko ersetzt", sagt Brigitte Römstedt von der R+V-Versicherungsgesellschaft, zu der auch einer der bundesweit grĂ¶ĂŸten Lkw-Versicherer gehört, der dpa.

Die Dunkelziffer beim Diebstahl von Treibstoff ist nach Auskunft des Bundesamts fĂŒr GĂŒterverkehr entsprechend hoch. Insbesondere bei kleineren Mengen entwendeten Sprits werde oftmals keine Anzeige gestellt oder der Diebstahl erst gar nicht bemerkt. "Das wird von vielen zĂ€hneknirschend hingenommen, weil eine Anzeige in der Regel keinen Erfolg hat", sagt auch BGL-Sprecher Bulheller. Um einen Kavaliersdelikt handelt es bei diesen Taten dennoch nicht: Auf Diebstahl stehen dem BKA zufolge Geldstrafen oder Freiheitsstrafen bis zu fĂŒnf Jahren. In besonders schweren FĂ€llen, beispielsweise wenn gewerbsmĂ€ĂŸig gestohlen oder vor der Tat in ein GebĂ€ude eingebrochen wurde, drohen demnach GefĂ€ngnisstrafen bis zu zehn Jahren.

W as tun gegen Spritd iebstahl ?

Vermieden werden kann der Spritklau wie bei LadungsdiebstĂ€hlen, dem sogenannten Planenschlitzen, am effektivsten, indem den Dieben der Zugang zum Fahrzeug erschwert wird. Idealerweise stehen die Laster dafĂŒr auf umzĂ€unten und kameraĂŒberwachten PlĂ€tzen oder in verschlossenen GebĂ€uden. Mittlerweile bieten einige Hersteller zudem spezielle Tankschlösser und Sicherungssysteme an. "Manchmal kommt dann aber jemand mit der Spitzhacke und haut einfach ein Loch in den Tank. Dann ist der Schaden noch grĂ¶ĂŸer", so Bulheller. Kurios: Ein Aufkleber mit dem Hinweis "Bio-Diesel" habe in der Vergangenheit den ein oder anderen TĂ€ter erfolgreich abgeschreckt.

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