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Tiefstand bei Hochzeiten - Hoch bei Geburten

Von dpa
28.04.2022Lesedauer: 3 Min.
Mehr Babys: Das Statistische Bundesamt hat Zahlen f├╝r das Jahr 2021 zu Geburten und Eheschlie├čungen ver├Âffentlicht.
Mehr Babys: Das Statistische Bundesamt hat Zahlen f├╝r das Jahr 2021 zu Geburten und Eheschlie├čungen ver├Âffentlicht. (Quelle: Silas Stein/dpa)
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Wiesbaden (dpa) - Corona hat in Deutschland die Zahl der Eheschlie├čungen auf ein historisches Rekordtief fallen lassen. Daf├╝r kamen im zweiten Corona-Jahr so viele Kinder zur Welt wie seit 1997 nicht mehr.

Das geht aus vorl├Ąufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor, die am Donnerstag in Wiesbaden ver├Âffentlicht wurden. Nach Ansicht der Soziologin Michaela Kreyenfeld von der Berliner Hertie School zeigt das unter anderem, dass Heiraten und Kinderkriegen in Deutschland nicht mehr unbedingt zusammenh├Ąngen.

Ohne Event keine Hochzeit

Nur 357.800 Paare haben im vergangenen Jahr geheiratet. Das waren noch einmal 4,2 Prozent weniger als 2020. Bereits im ersten Corona-Jahr war die Zahl um 10,3 Prozent gesunken. Weniger Eheschlie├čungen gab es lediglich w├Ąhrend des Ersten Weltkriegs in den Jahren 1915 bis 1918, f├╝r die Kriegsjahre 1944 und 1945 liegen keine Daten vor.

Dass das an den Einschr├Ąnkungen w├Ąhrend der Pandemie lag, liegt f├╝r Kreyenfeld auf der Hand: "Hochzeit ist mehr ein Event geworden." Und ohne Event keine Hochzeit. ├ťberrascht hat Kreyenfeld, dass es nach dem strengeren Lockdown 2020 "2021 keinen gr├Â├čeren Nachholeffekt gegeben hat".

Allerdings k├Ânnte ein Teil des R├╝ckgangs auch der Tatsache geschuldet sein, dass es demografisch bedingt weniger Menschen in der Altersgruppe gibt, in der die meisten heiraten. Darauf deutet auch hin, dass der R├╝ckgang der Eheschlie├čungen im Osten Deutschlands st├Ąrker ausgepr├Ągt war als im Westen. "Hierzu kann auch beigetragen haben, dass in Ostdeutschland derzeit die Zahl der Menschen im Alter um 30 Jahre abnimmt", erkl├Ąrten die Wiesbadener Statistiker.

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Geburtenzahl um zwei Prozent gestiegen

Im Gegensatz zu den Eheschlie├čungen stieg die Zahl der Geburten. 2021 wurden den Standes├Ąmtern in Deutschland rund 795.500 neu geborene Kinder gemeldet. Damit stieg die Geburtenzahl laut Bundesamt im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2018 bis 2020 um zwei Prozent.

Dabei waren zwei Punkte auff├Ąllig. Viele Familien, die bereits zwei Kinder hatten, entschieden sich w├Ąhrend Corona, ein weiteres Kind zu bekommen. "Deutschlandweit war eine Zunahme der Geburten der dritten Kinder zu beobachten", berichtete das Bundesamt.

Au├čerdem verteilten sich die Geburten nicht gleichm├Ą├čig: Februar und M├Ąrz sowie Oktober und November gab es deutlich mehr Geburten als im Durchschnitt der drei vorherigen Jahre. Von Mai bis Juli 2021 lag die Geburtenzahl dagegen leicht darunter.

Martin Bujard, Forschungsdirektor beim Bundesinstitut f├╝r Bev├Âlkerungsforschung, sieht hier einen Corona-Effekt am Werk: Die zwei Geburtenwellen fallen zusammen mit neun Monaten nach dem Ende des ersten und des zweiten Lockdowns. Von einem "Corona-Babyboom" will Bujard aber nicht sprechen, daf├╝r sei der Anstieg zu gering.

Kleiner Cocooning-Effekt

"In vielen L├Ąndern, besonders in S├╝deuropa, aber auch in den USA, sind die Geburtenzahlen in der Pandemie in einzelnen Monaten massiv zur├╝ckgegangen. In Deutschland sehen wir das nicht", sagt Bujard. W├Ąhrend in anderen L├Ąndern ├Âkonomische ├ängste manche Paare vom Kinderkriegen abgehalten haben, haben in Deutschland sozialpolitische Instrumente wie das Kurzarbeitergeld das verhindert.

Au├čerdem gebe es "einen kleinen Cocooning-Effekt", glaubt Bujard: Paare h├Ątten viel Zeit miteinander verbracht, die Bedeutung der Familie sei in den Lockdowns gewachsen.

Allerdings lie├čen sich absolute Zahlen immer nur schwer interpretieren, betont Kreyenfeld: Aussagekr├Ąftiger als die Geburtenzahl w├Ąre die Geburtenrate. Sie ber├╝cksichtigt die Anzahl und das Alter der Frauen, die in Deutschland leben. 2020 lag die Geburtenrate in Deutschland bei 1,53 Kindern pro Frau. Diese Daten ver├Âffentlicht das Statistische Bundesamt aber erst Mitte des Jahres.

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