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Leipzig: In Voodoo-Entführungsprozess verurteilte Landgericht fünf Männer


Magische Geld-Vermehrung
Voodoo-Zauberer entführt: Clan verurteilt

Von dpa
06.06.2024Lesedauer: 2 Min.
Ein Voodoo-Tempel (Symbolbild): Voodoo ist eine westafrikanische Religion, die für ihre außergewöhnlichen Rituale bekannt ist.Vergrößern des BildesEin Voodoo-Tempel (Symbolbild): In Leipzig ist ein selbsternannter Voodoo-Priester verurteilt worden. (Quelle: Eric Lafforgue via www.imago-images.de)
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Sie entführten einen selbsternannten Voodoo-Zauberer. Deshalb verurteilte das Landgericht Leipzig nun fünf Männer.

Vor dem Landgericht Leipzig sind am Donnerstag fünf Männer wegen der Entführung eines selbst ernannten Voodoo-Zauberers verurteilt worden. Der Vorfall hatte sich vor rund eineinhalb Jahren ereignet. Die Angeklagten erhielten Haftstrafen zwischen sechs Monaten und zwei Jahren. Alle Strafen wurden zur Bewährung ausgesetzt.

Die Verurteilung erfolgte wegen Freiheitsberaubung, gefährlicher Körperverletzung und versuchter Nötigung. "Es war ein eher untypischer Fall von Selbstjustiz", erklärte der Vorsitzende Richter Bernd Gicklhorn laut der Deutschen Presse-Agentur. Er betonte, die Situation habe sich "trotz der Dramatik milder dargestellt als zunächst angeklagt".

Geld sollte magisch vermehrt werden

Eine syrische Familie aus Magdeburg war auf einen Betrüger hereingefallen, der behauptete, Geld mittels Zauberei vervielfachen zu können. Der Mann aus Kamerun hatte 15.000 Euro von der Familie erhalten. Als die magische Geldvermehrung erwartungsgemäß fehlschlug, verschwand der Mann mit dem Geld.

Der Richter beschrieb den Betrug als "einen Fall, wie es der Kammer noch nicht untergekommen ist". Die Familie hatte aus Scham nicht die Polizei eingeschaltet. Der Familienvater fühlte sich verpflichtet, das verlorene Geld selbst zurückzuholen.

Filmreife Entführung

Gemeinsam mit seinen Söhnen und Freunden spürte der Vater der Clan-Familie den Betrüger in Leipzig auf. Die maskierten Männer entführten ihn unter Einsatz einer Schreckschusspistole. Sie brachten ihn nach Magdeburg, wo sie ihn schlugen und fesselten, um das Geld zurückzubekommen.

Eine Lösegeldforderung an den Onkel des Opfers scheiterte. Zwei Tage später kehrten die Männer nach Leipzig zurück, um die Wohnung des Betrügers erneut zu durchsuchen. Dabei wurden sie von der Polizei festgenommen, die die Wohnung überwacht hatte.

Der Staatsanwalt erklärte, dass sich die ursprünglich angeklagten Vorwürfe der Geiselnahme und des erpresserischen Menschenraubes nicht nachweisen ließen. "Für eine Geiselnahme hätte sich das Opfer mit dem Tode bedroht fühlen müssen", sagte er. Das Opfer hatte angegeben, zwar geschlagen, aber nicht mit dem Tod bedroht worden zu sein.

Auch der angebliche Zauberer ist im Blick der Ermittler

Der Staatsanwalt hatte für drei Männer Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren und vier Monaten gefordert, für zwei andere Bewährungsstrafen. Die Verteidigung plädierte für Freisprüche und Bewährungsstrafen. Gegen den Voodoo-Zauberer wird noch ermittelt.

Die Angeklagten entschuldigten sich in ihren letzten Worten und baten den Richter "um eine zweite Chance". Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig, die Staatsanwaltschaft prüft Rechtsmittel.

Transparenzhinweis
Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
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