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Russische Studenten protestieren halbnackt gegen Zensur

Solidaritätswelle in Russland  

"Erotik-Video" bereitet Pilotenschülern Probleme

20.01.2018, 15:36 Uhr | Lukas Latz

Russische Studenten protestieren halbnackt gegen Zensur. Russische Pilotenschüler haben Spaß: Weil sie in einem Video halbnackt und homoerotisch tanzen, bekommen sie jetzt Ärger. (Quelle: Screenshot YouTube)

Russische Pilotenschüler haben Spaß: Weil sie in einem Video halbnackt und homoerotisch tanzen, bekommen sie jetzt Ärger. (Quelle: Screenshot YouTube)

In Russland filmten sich Studenten dabei, wie sie zu einem Popsong halb nackt homoerotisch tanzten. Das Video verbreitet sich viral – und hat die Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen.

Rund ein Dutzend Studenten der zivilen Luftfahrt in der zentralrussischen Stadt Uljanowsk drehten ein Video von sich, wie sie zu dem Popsong "Satisfaction" des italienischen DJs Benny Benassi tanzen. In dem Film tragen sie nur knappe Unterhosen und verschiedene Accessoires. Zum Beispiel Krawatten oder Ledergürtel. Einer der Jungs lutscht an einer Banane.

Im Video ist auch zu sehen, wie sie durch Treppenhaus und den Waschraum tanzen. Dabei twerken sie. Das heißt, sie führen kreisende und ruckartige Hüpfbewegungen aus. Die angehenden Piloten tragen dabei eine Pilotenmütze und ziehen sie tief ins Gesicht, sodass ihre Gesichter nur schwer zu erkennen sind.

Video wird hunderttausendfach geklickt 

Über das soziale Netzwerk "Vkontakte", das hauptsächlich von russischsprachigen Internet-Usern genutzt wird, breitete sich das Video schnell aus und führte zu hitzigen Debatten. Auf YouTube hat es derzeit mehrere Hunderttausend Klicks.

Was für die Mitwirkenden ein großer Spaß sein sollte, kann nun weitreichende Folgen für sie haben. In einer Stellungnahme der russischen Behörde für zivile Luftfahrt heißt es: "Mit ihrem Handeln beleidigten die Pilotenanwärter alle Mitarbeiter der zivilen Luftfahrt, die auf ehrliche Weise ihre Arbeitspflicht erfüllen." In einem Interview mit einem lokalen Fernsehsender nannte der Rektor der Pilotenhochschule die Studenten, die sich in dem Video zeigten, "erbärmliche Piloten, die die Branche verhöhnen".

Staatsanwalt ermittelt wegen "Anzeichen von Erotik"

Die für Delikte in den russischen Transportbehörden zuständige Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung des Falles ein. In der Begründung heißt es, das Video enthalte "Anzeichen von Erotik". In der Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft steht nicht, gegen welches Gesetz die Studenten konkret verstoßen haben sollten.

Seit 2013 gibt es in Russland ein Gesetz, das "die Propaganda von nichttraditionellen Lebensweisen gegenüber Minderjährigen verbietet". Dieses Gesetz schafft für Schwulenverbände Rechtsunsicherheit und schränkt ihren Handlungsspielraum extrem ein. 2017 urteilte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte, dass das Gesetz gegen die Europäische Menschenrechtskonvention verstößt.

Diskriminierende Gesetze in Russland: Als 2013 das Gesetz gegen die Propagierung gleichgeschlechtlicher Lebensweisen eingeführt wurde, gingen Exil-Russen in der ganzen Welt dagegen auf die Straße. Auch in Tel Aviv. (Quelle: Reuters/Amir Cohen)Diskriminierende Gesetze in Russland: Als 2013 das Gesetz gegen die Propagierung gleichgeschlechtlicher Lebensweisen eingeführt wurde, gingen Exil-Russen in der ganzen Welt dagegen auf die Straße. Auch in Tel Aviv. (Quelle: Amir Cohen/Reuters)

Das Gericht drohte mit hohen Geldstrafen, falls Russland das Gesetz weiter anwenden wird. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat kaum eine Möglichkeit, echten Druck auf Russland auszuüben.

Andere Studenten sind solidarisch

Die Luftfahrtstudenten stehen in Uljanowsk immerhin nicht alleine da: Studenten einer Hochschule für die Anwärter auf eine Beamtenkarriere im russischen Katastrophenschutzministerium drehten ein ähnliches Video. Dabei trugen sie keine Pilotenmütze, sondern offizielle T-Shirts und Jacken des Katastrophenschutzministeriums. Am Unterleib trugen sie nur Unterhosen. Auch Agrarwissenschafts-Studenten in Uljanowsk drehten ein Solidaritätsvideo. 

Quellen und weiterführende Informationen:

- ein Bericht der russischen Online-Zeitung "Swoboda" zu dem Thema (in russicher Sprache)
- ein Hintergrunddbericht der "New York Times" zum russichen Gesetz gegen die Propaganda nichttraditioneller Lebensweisen

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