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Ermittler werden auf Computer des Halle-Attentäters fündig

Prozess um Anschlag  

Ermittler werden auf Computer des Halle-Attentäters fündig

26.08.2020, 20:24 Uhr | dpa

Ermittler werden auf Computer des Halle-Attentäters fündig. Der angeklagte Stephan Balliet (2. v. r.) vor Gericht: Er soll etliche faschistische, rassistische und anti-semitistische Bilder und Videos auf seinem Computer gehabt haben. (Quelle: dpa/Hendrik Schmidt)

Der angeklagte Stephan Balliet (2. v. r.) vor Gericht: Er soll etliche faschistische, rassistische und anti-semitistische Bilder und Videos auf seinem Computer gehabt haben. (Quelle: Hendrik Schmidt/dpa)

Ermittler haben beim Halle-Attentäter rassistische, faschistische und antisemitische Bilder und Videos gefunden. Sie gelten als typisch für die rechtsextremistische Szene.

Der Angeklagte im Prozess um den rechtsterroristischen Anschlag von Halle hat auf seinem Rechner zahlreiche rassistische, faschistische und antisemitische Bilder und Videos gespeichert. Das sagten am Mittwoch mehrere Gutachter des Bundeskriminalamtes (BKA), die in den vergangenen Monaten die elektronischen Beweismittel gegen den Mann ausgewertet haben.

Neben den Dateien, die der Angeklagte vor der Tat ins Internet stellte, wie sein Manifest oder ein Selbst-Interview, fanden die Beamten auch Auszüge aus sogenannten Imageboards, bestimmten anonymen Internetforen. Die BKA-Beamten fanden auf den Computern und Speichermedien des Angeklagten auch zahlreiche Comic-Bilder, teilweise mit faschistischen Symbolen, sowie gewaltverherrlichende Bilder, Videos und Links ins sogenannte Darknet.

Nebenkläger kritisieren BKA

Derweil haben mehrere Anwälte der Nebenklage das BKA und dessen Ermittlungen kritisiert. Das BKA erwecke in dem Prozess den Eindruck "eines humpelnden Patienten, der der Zeit hinterher läuft", sagte Nebenkläger-Anwalt David Herrmann.

DIe Internet- Computer- und Gaming-Experten des BKA konnten Fragen der Anwälte immer wieder nicht beantworten, weil die entsprechenden Aspekte nicht untersucht worden seien. So räumte etwa die Gaming-Expertin ein, die Spiele, die der Angeklagte online gespielt hat, nie selbst gespielt zu haben. Der Experte für Online-Communitys sagte, die Foren, in denen der Angeklagte sich aufhielt, seien nicht langfristig überwacht worden, eine Nachverfolgung der dort aktiven Autoren sei kaum möglich. Auch die Reaktionen der Online-Communitys auf den Anschlag seien kaum ermittelt worden.

Angeklagter gestand Anschlagsversuch

Der Prozess gegen den Sachsen-Anhalter Stephan Balliet läuft seit dem 21. Juli vor dem Oberlandesgericht Naumburg. Die Verhandlung findet aus Platzgründen im Landgericht Magdeburg statt. Der 28 Jahre alte Angeklagte hatte zu Prozessbeginn eingeräumt, am 9. Oktober 2019 schwer bewaffnet versucht zu haben, in der Synagoge von Halle ein Massaker anzurichten. Dort feierten zu dem Zeitpunkt 52 Menschen den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur. Nachdem er nicht in die Synagoge gelangt war, erschoss der Mann eine zufällig vorbeikommende 40 Jahre alte Passantin und später einen 20-Jährigen in einem Dönerimbiss.

Die Comic-Bilder und die gewaltverherrlichenden Videos sind laut Experten ein typischer Bestandteil rechtsextremer Online-Communitys, die sich oft auf sogenannten Imageboards austauschen. Im Unterschied zu anderen Plattformen werde auf solchen Boards kaum moderiert oder sonst irgendwie inhaltlich eingegriffen, so Extremismus-Forscher Jakob Guhl, der sich mit Radikalisierung und Extremismus im Internet beschäftigt.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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