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Erstochene Keira: LKA prüft Hetz-Tweet von Lutz Bachmann

LKA übernimmt nach Tweet  

Getötete Keira: Bachmann stellt Unschuldigen an den Pranger

Von Lars Wienand

13.03.2018, 14:26 Uhr
Erstochene Keira: LKA prüft Hetz-Tweet von Lutz Bachmann . "Bestie vom Kaukasus": Lutz Bachmann verbreitete Fotos und Link zur Facebookseite eines unbeteiligten Schülers. Jetzt prüft der Staatsschutz beim LKA seinen Tweet. (Quelle: dpa/Screenshot Twitter)

"Bestie vom Kaukasus": Lutz Bachmann verbreitete Fotos und Link zur Facebook-Seite eines unbeteiligten Schülers. Jetzt prüft der Staatsschutz beim LKA seinen Tweet. (Quelle: dpa/Screenshot Twitter)

Nach den tödlichen Stichen auf die 14-jährige Keira in Berlin stand plötzlich ein Gymnasiast als mutmaßlicher Täter am Pranger: Pegida-Gründer Lutz Bachmann verbreitete Fotos und Profil eines unbeteiligten Jugendlichen.

Das LKA Berlin prüft einen Tweet von Pegida-Gründer Lutz Bachmann, in dem er einen Schüler mit Fotos und Link zum Facebook-Profil als mutmaßlichen Täter präsentierte. "Wir haben den Tweet an das LKA weitergeleitet", erklärte am Montag ein Sprecher der Berliner Polizei zu t-online.de. Ein anderer Jugendlicher hatte die Tat da bereits gestanden.  Am Dienstag erklärte die Polizei, es werde wegen übler Nachrede, falscher Verdächtigung und Volksverhetzung ermittelt.

Lutz Bachmann hatten der gleiche Vorname Edgar, der gleiche Anfangsbuchstabe beim Nachnamen des Facebooksprofils und ein dunklerer Hauttyp mit schwarzen Haaren offenbar bereits gereicht. Er präsentierte den mutmaßlichen Täter: "Nun ist es wohl raus", schrieb Bachmann auf Twitter mit Fotos aus dem Profil des jungen Mannes. "Die Bestie vom Kaukasus. Edgar H., tschetschenischer Moslem und Ex-Flüchtling." Dazu verlinkte er auf die Facebook-Seite eines Edgars. Alle Informationen waren falsch.

Auf diversen Seiten mit Foto zu sehen

Die Seite gehört einem Jugendlichen, der sich sehr schnell meldete: "Ich heiße Edgar B*** und habe nichts damit zu tun! Der Täter wurde gefasst!", schrieb er. In kurzer Zeit hat er die meisten Inhalte von seiner Seite genommen, um sich zu schützen. Sein Profilbild hat er entfernt.

Auch auf Facebook war er zu diesem Zeitpunkt auf einigen Seiten bereits mit Fotos präsentiert worden. Sein Gesicht prangte auch am Montag von einem als "Eil-Meldung" überschriebenen Text "Mörder KEIN Biodeutscher!" im Blog eines früheren Bild-Journalisten. 

Mit diesem Text hatte der Autor am Montag nachgelegt, nachdem er mit der Überschrift "Merkels neustes Opfer" zum Fall Keira bereits einen der meistgeteilten Beiträge veröffentlicht hatte.

Auch flüchtige Besucher der Profilseite hätten merken können, dass der am Pranger stehende junge Mann nicht derjenige sein kann, der die Eisschnellläuferin aus Lichtenberg mit 20 Stichen tödlich verletzt hat. Der geständige Tatverdächtige ist auf die gleiche Schule in Berlin gegangen wie die getötete Achtklässlerin. Das ist aber eine ganz andere Schule als das Gymnasium, das das Opfer der Hetze besucht. 

Echter Tatverdächtiger bleibt in Haft

Der am Samstag festgenommene 15-jährige Tatverdächtige saß auch am Montag weiter hinter Gittern, ein Gericht verhängte auf Antrag der Staatsanwaltschaft U-Haft wegen Verdunkelungsgefahr. Die Staatsanwaltschaft erklärte am Montag, der Jugendliche habe sich am Tag der Tat mit Keira bei ihr getroffen. Ein Messerstich traf sie ins Herz. Wie es dazu kam, ist unklar. Das Motiv ebenso. 

Der von Bachmann präsentierte Jugendliche tauschte dagegen am Montag sein Profilbild aus, was dann auch den Pegida-Gründer verwunderte. Kritik, einen Unschuldigen an den Pranger gestellt zu haben, wies er mit Smileys zurück. Er habe ja "wohl" geschrieben. Zumindest eine Straftat nach dem Kunsturheberrechtsgesetz könnte sein Vorgehen aber darstellen. Auf eine Anfrage von t-online.de reagierte Bachmann nicht.

Bachmann teilt Appell der Polizei

Er retweetete dann aber zunächst einen Aufruf der Polizei, sich nicht an Fakes, Gerüchten & Hetzbeiträgen zum Tötungsdelikt zu beteiligen. Mit Smileys versehen schrieb er, er habe Linke getriggert. Bedauern über seine Hetze in Richtung des Schülers äußerte er nicht.  

Inzwischen ist der Aufruf der Polizei bei ihm ebenso nicht mehr zu sehen wie der Tweet mit den Fotos des jungen Mannes. 

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