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Carfentanyl: NeueTodes-Droge erreichten Deutschland

5.000 mal stärker als Heroin  

Neue Todesdroge erreicht Deutschland

Von Dietmar Seher

23.09.2018, 10:35 Uhr
Carfentanyl: NeueTodes-Droge erreichten Deutschland. Ein Labor des Landeskriminalamtes Düsseldorf: Mit Carfentanyl werden normalerweise große Wildtiere betäubt.  (Quelle: imago images/Jochen Tack)

Ein Labor des Landeskriminalamtes Düsseldorf: Mit Carfentanyl werden normalerweise große Wildtiere betäubt. (Quelle: Jochen Tack/imago images)

Carfentanyl, die weltweit tödlichste Droge, ist auf dem deutschen Rauschgiftmarkt angekommen. Erstmals wurden Dealer zu langen Haftstrafen verurteilt. Was steckt hinter der Super-Droge?

Mit der Chemikalie Carfentanyl betäuben Wildhüter und Tierärzte Elefanten, Nashörner und Elche. Für Menschen ist der Stoff schnell tödlich. Schon ein Hautkontakt reicht – und er lähmt die Atmung. Jetzt warnen Fahnder: Carfentayl dringt als Droge, vermischt mit Heroin oder anderen Opiaten, auf den deutschen Rauschgift-Markt. Um nicht die Gesundheit zu gefährden, werden Zollbeamte vor Kontrollen und Sicherstellungen mit Sensoren ausgestattet.

Erstmals wurden in dieser Woche drei Carfentanyl-Dealer zu hohen Haftstrafen verurteilt. Sie müssen auf Beschluss des Dortmunder Landgerichts für sechseinhalb, für vier und für drei Jahre hinter Gitter. Das Trio aus Hamm in Nordrhein-Westfalen hat den hochgiftigen Stoff in China eingekauft, per Luftfracht via Leipzig bezogen und im Darknet angeboten.

800 Mal verkauft – ein Toter

Die Ankläger der Sonderstaatsanwaltschaft in Köln, die auf Fahndungen im Internet spezialisiert ist, geht von 800 Verkaufs-Fällen innerhalb eines Jahres aus – und mindestens einem nachgewiesenen Todesopfer. Ein 15-jähriger Norweger starb nach der Einnahme.

Deutsche Sicherheitsbehörden sind durch den Marktauftritt alarmiert. Zwar war die Gefährlichkeit des Stoffs, der 5.000 mal stärker als Heroin und 10.000 mal stärker als Morphium wirkt, aus den USA bekannt. Ein großer Teil der Drogentoten in den Landstrichen des Mittleren Westens geht wohl auf das Konto von Carfentanyl, weil schon zwei Milligramm – das sind wenige Körnchen – tödlich wirken. Bemerkenswert: Beim Bundeskriminalamt kam eine Spezialeinheit zur Aufklärung des Handels mit biologischen und chemischen Waffen dem Schmuggel auf die Spur.

2017 haben Zollfahnder erste Lieferungen der Substanz auf den Frachtflughäfen von Köln/Bonn und Leipzig abgefangen – und mit Unterstützung von Feuerwehr-Kräften in Atemschutzmasken und Schutzanzügen sowie bewaffneten GSG- 9-Einheiten in der Siedlung in Hamm sichergestellt. Die Hammer Wohnung wurde von den jetzt Verurteilten als Auslieferungslager genutzt. Die Dealer lagerten den Stoff in Dosen und stauten diese in normalen Kühlschränken. Einen Teil verfüllten sie in Sprühflaschen, damit sich die Konsumenten die Droge in die Nasenschleimhäute sprühen konnten. Für die Drogenkunden ein besonders gefährlicher Vertriebsweg.

Stoff wurde von russischen Anti-Terror-Einheiten benutzt

Für die Ermittler, aber auch für die Zollbeamten an den Flughäfen, sind vor dem Hintergrund der Entwicklung neue Eigensicherungen beschafft worden, sagt Heike Sennewald von der Zollfahndung. "Für Beamte ist die Gefahr schon hoch, wenn sie ein derartiges Paket öffnen". Um vor falsch deklarierten Chemikalien und den damit verbundenen Gefahren zu warnen, sei "Gemini" angeschafft worden, ein mobiles Detektionsgerät, das Stoffe per Sensor erkennt.

Die Untergrund-Labors für Carfentanyl arbeiten in China. Der Preis für den Stoff ist mit höchstens 7000 Dollar pro Kilogramm extrem niedrig, was ihn bei den Käufern zusätzlich attraktiv macht.

Weltweit Schlagzeilen hat die Chemikalie erstmals im Jahr 2002 gemacht – als Substanz, die ein russisches Sondereinsatzkommando in einem Moskauer Theater bei einer Geiselnahme durch tschetschenische Terroristen verwendet hat. Die Polizisten pumpten Gas mit dem Carfentanyl-Bestandteil in die Klimaanlage des Theaters, um die Täter zu betäuben. Dabei starben nicht nur Terroristen, sondern auch 130 Geiseln. Seither ist Carfentanyl unter Experten mit chemischen Kampfstoffen vergleichbar.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherchen

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