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Mexiko: Bürgerwehr trainiert Kinder, um auf Drogenbanden zu schießen

Bürgerwehr trainiert Fünfjährige  

In Mexiko lernen Kinder, auf Drogenbanden zu schießen

08.02.2020, 10:47 Uhr | AFP

Mexiko: Bürgerwehr trainiert Kinder, um auf Drogenbanden zu schießen. Eines der Kinder mit Mundschutz und Waffe: Viele der Kinder gehen nicht in die Schule, weil die Lage zu gefährlich ist. (Quelle: AFP/ZUMA Press/Hector Adolfo Quintanar Perez)

Eines der Kinder mit Mundschutz und Waffe: Viele der Kinder gehen nicht in die Schule, weil die Lage zu gefährlich ist. (Quelle: ZUMA Press/Hector Adolfo Quintanar Perez/AFP)

Erst letzte Woche entführte das Drogenkartell neun Männer und ein Kind aus einem Dorf in Mexiko. Weil die Behörden nicht eingreifen, wollen sich die Bewohner nun selbst wehren – und bereiten ihre Kinder vor.

Ein Dutzend Kinder steht mit Gewehren stramm, unter den Baseballmützen und Schals sind ihre ernsten Augen kaum zu sehen. "Position drei", ruft Ausbilder Bernardino Sánchez von der Bürgerwehr CRAC-PF, die die Sicherheit von 16 Dörfern im Herzen des gewaltgeplagten mexikanischen Staates Guerrero gewährleisten will. Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 15 Jahren trainieren hier im Dorf Ayahualtempa auf einem Basketballplatz den Umgang mit Gewehren und Handfeuerwaffen.

Wegen der Drogenbanden gehört Guerrero mit einer der höchsten Mordraten zu den ärmsten und gewalttätigsten Regionen Mexikos. Angesichts der Untätigkeit der Behörden schlossen sich bereits 600 Menschen der Miliz an.

Auf Befehl werfen sich die Kinder in einer Staubwolke auf den Boden, die Gewehre auf einen imaginären Feind gerichtet. Die Gewalt des Drogenkartells, das die Region in Angst und Schrecken versetzt, ist sehr real: Vor einigen Tagen wurden neun Männer und ein Kind entführt und gefoltert. Ihre verkohlten Leichen wurden später in zwei Lieferwagen in einer Schlucht gefunden.

Die Behörden lassen die Anwohner im Stich

Die mexikanischen Behörden erkannten sofort die Handschrift des örtlichen Kartells Los Ardillos, sie blieben jedoch untätig. Daher beschlossen Gemeindevertreter in der ganzen Region, die Sache selbst in die Hand zu nehmen: Sie errichteten Straßensperren und begannen, 30 Minderjährige an der Waffe auszubilden.

Ende Januar trat der Gouverneur von Guerrero, Héctor Astudillo, erstmals öffentlich in der Region auf, seit er vor vier Jahren ins Amt kam. Dabei kritisierte er die Ausbildung von Kindern an der Waffe und verhandelte mit der Bürgerwehr über die Aufhebung der Straßensperren.

Zwar dürfen Unter-13-Jährige noch nicht an Patrouillen teilnehmen, im Fall eines Angriffs wie im Mai 2015 ist es ihnen aber erlaubt zu kämpfen. Damals stürmte das Kartell das Rathaus von Chilapa und entführte mehr als 30 Menschen. Seither gab es immer wieder Zusammenstöße zwischen der Miliz und Drogenhändlern. In der Nähe des Trainingsgeländes stehen verlassene Hütten mit Kleidern, Kinderschuhen und Taschen verfaulter Maiskolben – stumme Zeugen einer überstürzten Flucht.

Die Eltern wollen ihre Kinder schützen

Manche Eltern sind wegen der ständigen Bedrohung so verzweifelt, dass sie ihre Kinder zur Miliz schicken. So macht es auch Familienvater Luis, der seit drei Jahren Mitglied der Bürgerwehr ist. Nun sind auch seine 13- und 15-jährigen Söhne Gustavo und Gerardo eingetreten.

"Die Kinder haben sich entschieden, uns zu unterstützen", erzählt Luis. Auch sollten sie lernen, sich selbst zu verteidigen, "falls sie Waisen werden". Sein Sohn Gustavo bestätigt: "Ich wollte lernen, aber da die Schule in der Nähe der Gegend liegt, in der Los Ardillos aktiv sind, gehe ich lieber zur Gemeindepolizei – sie hätten mich bald erwischt." Wenn er seine Flinte Kaliber 22 halte, fühle er sich gut.

Zwei Stunden pro Woche machen die Kinder Schießübungen in verschiedenen Stellungen. Alle tragen olivgrüne T-Shirts, die für einige Jüngere viel zu groß sind. "Meine Kinder haben jetzt mehr Mut als Angst", meint Luis. "Sie wissen, wie sie mit ihren Waffen umgehen müssen. Wenn bewaffnete Gruppen in eine Gemeinschaft eindringen, müssen sie aufstehen und sich verteidigen."

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur AFP

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