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Messerangriff in Würzburg: Attentäter womöglich schuldunfähig

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Attentäter von Würzburg womöglich schuldunfähig

20.07.2021, 20:01 Uhr | dpa

Messerangriff in Würzburg: Attentäter womöglich schuldunfähig. Blumen und Kerzen am Ort des Anschlags in der Würzburger Innenstadt: Eine sinnhafte Kommunikation mit dem Verdächtigen sei bisher nicht möglich gewesen. (Quelle: dpa/Daniel Karmann)

Blumen und Kerzen am Ort des Anschlags in der Würzburger Innenstadt: Eine sinnhafte Kommunikation mit dem Verdächtigen sei bisher nicht möglich gewesen. (Quelle: Daniel Karmann/dpa)

Dreieinhalb Wochen nach der Messerattacke in Würzburg ist der Verdächtige in eine Psychiatrie gekommen. Hinweise auf einen extremistischen Hintergrund haben sich offenbar nicht erhärtet.

Der Messerstecher von Würzburg war bei seiner Attacke auf Passanten nach bisheriger psychiatrischer Einschätzung womöglich schuldunfähig. Ob religiöse Überzeugungen des Flüchtlings aus Somalia bei der Tat am 25. Juni eine Rolle gespielt haben, sei noch unklar, teilten das Bayerische Landeskriminalamt und die Generalstaatsanwaltschaft München mit. Drogen oder Alkohol hatte der Mann laut toxikologischem Gutachten nicht zu sich genommen.

Auf den beiden Handys des 24-Jährigen seien weder Hinweise auf Propagandamaterial oder sonstige extremistische Inhalte noch Anhaltspunkte für mögliche Mittäter oder Mitwisser gefunden worden. "Papierzettel, die kurz nach der Tat am Tatort gefunden wurden, entpuppten sich als unverdächtig und stehen in keinem Zusammenhang mit der Tat oder dem Tatverdächtigen", hieß es.

Verdächtiger von Würzburg in Psychiatrie verlegt

Der Mann wurde am Dienstag erneut einem Ermittlungsrichter am Amtsgericht Würzburg vorgeführt, der die Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung anordnete. Bislang saß der Somalier in Untersuchungshaft in einem Gefängnis in Würzburg.

Der Mann hatte in der Würzburger Innenstadt auf ihm offensichtlich unbekannte Menschen eingestochen. Drei Frauen starben, fünf Menschen wurden lebensgefährlich verletzt. Zudem gab es vier Leichtverletzte – darunter ist allerdings ein Mann, der nicht direkt von dem Messerstecher angegriffen wurde. Vielmehr stürzte er nach Angaben der Ermittler beim Versuch, den Angreifer von der weiteren Attacke abzuhalten.

Messerangriff in Würzburg – Keine Beweise für Terrorverdacht

Zeugen wollen während des Messerangriffs zweimal den Ausruf "Allahu Akbar" ("Gott ist groß") gehört haben. Dschihadisten und Salafisten benutzen den Ausdruck oft wie einen Schlachtruf. Damit kapern die Extremisten die zentrale religiöse Formel des Islam, die seit Jahrhunderten von Muslimen weltweit benutzt wird.

Zudem soll der später mit einem Polizeischuss gestoppte Flüchtling im Krankenhaus einen Hinweis auf den Dschihad – also den "Heiligen Krieg" – gegeben haben. Daher hielten es die Ermittler bisher für naheliegend, dass der Mann islamistisch motiviert gewesen sein könnte. Das Motiv sei aber weiter ungeklärt, hieß es am Dienstag. Beweise, dass der Somalier in eine Terrororganisation eingebunden gewesen ist, gibt es bisher nicht.

Verteidiger findet keinen Zugang zum Verdächtigen

Der Mitteilung zufolge wird es auch noch einige Zeit dauern, bis ein abschließendes Sachverständigengutachten über die Psyche des 24-Jährigen vorliegt. Zwei Gutachter seien dafür beauftragt.

Der Somalier wurde 2015 in Deutschland erstmals registriert. Seither war er mehrmals wegen psychischer Probleme aufgefallen. Vor der Tat hatten die Behörden nach eigenen Angaben aber keine Hinweise darauf, dass der Mann andere Menschen gefährden könnte. Die Voraussetzung für eine dauerhafte Unterbringung in einer Psychiatrie lag den Ermittlern zufolge bislang nicht vor. Zuletzt lebte der Täter in einer Obdachlosenunterkunft in Würzburg.

Der Pflichtverteidiger des Mannes sagte am Dienstag, er habe den Eindruck, dass sich der psychische Zustand seines Mandanten seit der Tat weiter verschlechtert habe. Zwar glaube er, der 24-Jährige habe ihm zeitweise zugehört und das Gesagte auch verstanden. Aber eine sinnhafte Kommunikation sei bisher nicht möglich gewesen.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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