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Jan Böhmermann: Ist "Nazis keulen" ein Mordaufruf?


Eskalationsspirale im Internet
Böhmermann: Ist "Nazis keulen" ein Mordaufruf?

Von t-online, raf

19.02.2024Lesedauer: 2 Min.
imago199198104Vergrößern des BildesJan Böhmermann bei einem Auftritt mit dem Rundfunk-Tanzorchester Ehrenfeld (Archivbild): Die populistische Rechte stößt sich erneut an seiner Show. (Quelle: Roland Magunia/imago-images-bilder)
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Das Spiel um Aufmerksamkeit durch Provokation und Gegenprovokation zwischen Jan Böhmermann und der populistischen Rechten eskaliert erneut.

Am Freitagabend hat sich TV-Entertainer Jan Böhmermann in seiner Sendung "ZDF Magazin Royale" mit den österreichischen Rechtspopulisten der FPÖ auseinandergesetzt. Es ging um den FPÖ-Kanzlerkandidaten Herbert Kickl und die Vielzahl von Skandalen rund um Partei und Person.

Böhmermann präsentierte konkrete Beispiele aus Kickls Amtszeit als Innenminister und berichtete zudem von der Nähe der FPÖ zu den "Identitären". Diese gehe so weit, dass die FPÖ die von der rechtsextremen Gruppierung propagierte Massenabschiebung von Migranten, die "Remigration", bereits als Parteiprogramm praktiziere, berichtete er in der Sendung.

Provokation statt Argumentation

Doch dann ließ Böhmermann nicht die Fakten wirken, sondern platzierte am Ende der Sendung noch eine Provokation. Er verabschiedete sich mit den Worten: "Liebe 3sat-Zuschauer, bitte nicht vergessen: Nicht immer die Nazikeule rausholen, sondern vielleicht einfach mal ein paar Nazis keulen."

Das Verb "keulen"

Der ursprüngliche Begriff bezeichnet das Töten von erkrankten Tieren, um eine Seuche einzudämmen. In der sogenannten Jugendsprache wird das Wort als Synonym für "masturbieren" verwendet.

Im Netz trat das Wortspiel des Satirikers eine regelrechte Lawine an Kommentaren mutmaßlicher Rechtspopulisten los. Ein rechtspopulistischer Newsblog gab den Ton vor: "Böhmermann ruft zur Tötung von AfD- und FPÖ-Politikern auf." Viele, die sich durch den "Nazi"-Begriff angesprochen fühlten, schlossen sich dieser Interpretation an.

FPÖ und AfD skandalisieren erwartungsgemäß

FPÖ-Politiker Herbert Kickl schrieb auf der Plattform X ebenfalls von einem "Tötungsaufruf". Sein Internet-Fernsehen FPÖ-TV griff zu bluttriefender Gruselschrift, erklärte den Begriff "Keulen" als Tötung von Nutztieren, um eine Seuche einzudämmen und fragte sich: "Wo bleibt der Aufschrei des Bundespräsidenten? (...) Sind das die Vorzeige-Demokraten, die sich das System und die Eliten wünschen? Einfach widerlich!"

Nicht nur die FPÖ, auch die deutsche AfD fühlte sich indes angesprochen und versuchte, Aufmerksamkeit aus dem Zwist zu generieren. Dabei lenkte sie das Thema von Jan Böhmermann weg – und nutzte die Diskussion für einen Rundumschlag gegen breite Teile der Gesellschaft. Mit der ursprünglichen Sendung von Böhmermann haben diese zwar augenscheinlich nichts zu tun, die AfD prangert sie im Netz trotzdem an.

So fragt der bayerische AfD-Landtagsabgeordnete Andreas Winhart beispielsweise auf der Plattform X: "Also tolerant und bunt wie eh und je. Wer bestimmt eigentlich, wer oder was ein 'Nazi' ist, Herr Böhmermann?" Sein Parteikollege, der AfD-Bundestagsabgeordnete Martin Hess, bastelte dann noch ein passendes Bild, das sich gegen die "Zwangsfinanzierung der widerwärtigen linken Hetze" ausspricht und damit gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk schießt. Erkenntnisgewinn produziert das Geplänkel also nicht.

Verwendete Quellen
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