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Erneut zahlreiche Gräber auf Schulgelände in Kanada entdeckt

Von afp
26.01.2022Lesedauer: 2 Min.
Gedenken an Kinder, die in den Umerziehungsschulen gestorben sind: 4.000 bis 6.000 Kinder gelten nach Behördenangaben bis heute als vermisst.
Gedenken an Kinder, die in den Umerziehungsschulen gestorben sind: 4.000 bis 6.000 Kinder gelten nach Behördenangaben bis heute als vermisst. (Quelle: Shannon VanRaes/Reuters-bilder)
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Tausende Schüler starben in Kanada in Internaten, die zur kulturellen Umerziehung indigener Kinder betrieben wurden. Die letzten dieser Einrichtungen schlossen in den 90er Jahren, doch die Aufarbeitung der Taten hält an.

In Kanada sind offenbar erneut dutzende anonyme Gräber auf dem Gelände eines ehemaligen Internats für Kinder von Ureinwohnern entdeckt worden. 93 mutmaßliche Gräber seien mithilfe von Radar-Untersuchungen im Westen Kanadas aufgespürt worden, erklärte die indigene Gemeinschaft Williams Lake First Nation am Dienstag (Ortszeit).

Kanada wird seit Monaten von einem Skandal um den historischen Umgang mit seiner indigenen Bevölkerung erschüttert.

Premierminister Trudeau: "Viele schmerzhafte Emotionen"

Forscher hatten eine Fläche von 14 Hektar untersucht, die zu einem ehemaligen Internat nahe Kamloops in der westlichen Provinz British Columbia gehört. In der Einrichtung waren von 1886 bis 1981 tausende Kinder untergebracht. Sie sei "von verschiedenen religiösen Sekten" und hauptsächlich von katholischen Missionaren im Auftrag der kanadischen Regierung betrieben worden, erklärte die indigene Gemeinschaft.

Die Nachricht von weiteren möglichen Gräbern bringe "viele schmerzhafte Emotionen wieder zum Vorschein", erklärte der kanadische Premierminister Justin Trudeau. Der Gedanke an "die Mitglieder der Gemeinschaft und diejenigen, deren Angehörige nie wieder nach Hause gekommen sind" lasse sein "Herz brechen", schrieb er auf Twitter.

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Anfang Januar hatte die kanadische Regierung Finanzmittel in Höhe von umgerechnet 1,3 Millionen Euro zur Untersuchung des ehemaligen Internatsgeländes zugesagt. Insgesamt hat die Regierung nach eigenen Angaben bislang mehr als 80 Millionen Euro für die Suche nach verschwundenen indigenen Kindern und zum Gedenken an sie bereitgestellt.

"Kultureller Völkermord"

Seit Mai wurden in Kanada mehr als tausend anonyme Massengräber indigener Kinder in der Nähe verschiedener Internate entdeckt. Die Funde sorgten landesweit für Entsetzen.

In Kanada waren seit 1874 rund 150.000 Kinder von Ureinwohnern und gemischten Paaren von ihren Familien und ihrer Kultur getrennt und in kirchliche Heime gesteckt worden, um sie so zur Anpassung an die weiße Mehrheitsgesellschaft zu zwingen. Viele von ihnen wurden in den Heimen misshandelt oder sexuell missbraucht.

Mindestens 4.000 Kinder dieser Kinder starben, viele von ihnen an Tuberkulose. 4.000 bis 6.000 Kinder gelten nach Behördenangaben bis heute als vermisst. Die letzten dieser Schulen schlossen erst in den 90er Jahren. Eine nationale Untersuchungskommission bezeichnete den Umgang mit den indigenen Kindern als "kulturellen Völkermord".

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Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur AFP
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