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Dieser Superkiller war gef├╝rchteter als die Pest

  • Marc von L├╝bke-Schwarz
Von Marc von L├╝pke

Aktualisiert am 06.12.2021Lesedauer: 3 Min.
Opfer der Pest: W├Ąhrend der Pesterreger bekannt ist, r├Ątseln Forscher bis heute, was den Englischen Schwei├č ausgel├Âst hat.
Opfer der Pest: W├Ąhrend der Pesterreger bekannt ist, r├Ątseln Forscher bis heute, was den Englischen Schwei├č ausgel├Âst hat. (Quelle: Pictures from History/ullstein-bild)
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Kaum etwas f├╝rchtete die Menschheit einst mehr als die Pest. Doch im 15. und 16. Jahrhundert schlug eine Krankheit zu, die binnen Stunden t├Âtete. Und genauso pl├Âtzlich wieder verschwand, wie sie gekommen war.

Der Tod kam aus England, und er schlug hart und unbarmherzig zu. Den Opfern schmerzten die Glieder und K├Âpfe, sie wurden vom Fieber gebeutelt und von Sch├╝ttelfrost heimgesucht.

Das war aber noch l├Ąngst nicht alles: Irgendwann begannen die Kranken, zu schwitzen, ihre K├Ârper gl├╝hten vor Hitze. Puls, Herz und Durst gerieten au├čer Kontrolle. Binnen kurzer Zeit folgte in vielen F├Ąllen der Tod. Als Englischen Schwei├č bezeichneten die Zeitgenossen die geheimnisvolle Seuche, weil der Geruch der dabei ausgeschiedenen K├Ârperfl├╝ssigkeit wohl nur schwer zu ertragen war.

Wann auch die Deutschen n├Ąhere Bekanntschaft mit der Krankheit machten, l├Ąsst sich genau benennen. Im Sommer 1529 erreichte ein Schiff von England kommend Hamburg, ein Dutzend Mann an Bord hatte die Seuche bereits dahingerafft. Ihnen folgten alsbald mehr als 1.000 Hamburger. Von der Hansestadt aus trat der Englische Schwei├č dann eine schauerliche Reise durch Deutschland an, in L├╝beck etwa verfassten die Beg├╝terten Testamente im Akkord.

Krieg ├╝ber Jahrzehnte

Kein Wunder, denn wenn die Krankheit zuschlug, dann richtig. In Dortmund sollen im September 1529 von 500 Erkrankten 497 gestorben sein, wie der Wissenschaftsautor Philipp Kohlh├Âfer in seinem Buch ├╝ber Pandemien schreibt. Was aber war der Englische Schwei├č ├╝berhaupt? Gute Frage, bis heute r├Ątselt die Fachwelt.

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Schlacht von Bosworth: 1485 trat der Englische Schwei├č zum ersten Mal auf.
Schlacht von Bosworth: 1485 trat der Englische Schwei├č zum ersten Mal auf. (Quelle: ullstein-bild)

Seinen ersten Auftritt hatte der Englische Schwei├č 1485. Seit rund 30 Jahren hatten sich die beiden englischen Adelsh├Ąuser York und Lancaster zu diesem Zeitpunkt im Kampf um die Krone bislang gegenseitig massakriert. Am 22. August 1485 sollte die Auseinandersetzung allerdings mit der Schlacht von Bosworth ein Ende finden. Heinrich Tudor schritt siegreich vom Feld, sein Rivale Richard III. blieb ebendort erschlagen liegen. Nur um sp├Ąter von einem gewissen William Shakespeare im Drama "Richard III." ("Ein Pferd, ein Pferd, mein K├Ânigreich f├╝r ein Pferd") einen ganz miesen Ruf verpasst zu bekommen.

Heinrich Tudor hatte hingegen Ungl├╝ck im Gl├╝ck. Denn bald trat der Englische Schwei├č in seinem Heer auf. War es ein Import vom Festland, den seine franz├Âsischen K├Ąmpfer ├╝ber den Kanal mitgebracht hatten? Wer wei├č. Fest steht, dass die Seuche bald in London herrschte. F├╝r besonderen Schauer sorgten dabei zwei Faktoren.

Zum einen raffte die Seuche viele Reiche hinweg, darunter 1485 gleich mehrere B├╝rgermeister und Ratsherren Londons. Zum anderen waren die Opfer ausgerechnet die Menschen, die bei anderen Krankheiten bis dahin die besten ├ťberlebenschancen hatten. Und zwar Angeh├Ârige der Altersgruppe der etwa Zwanzig- bis Vierzigj├Ąhrigen. Die ganz Alten und ganz Jungen blieben also weitgehend verschont.

Ausgerechnet die Kr├Ąftigsten starben

"Die meisten Opfer w├Ąhlte sich die Seuche unter den kr├Ąftigen M├Ąnnern", beschrieb im 19. Jahrhundert der Medizinhistoriker Justus Friedrich Karl Hecker seine Verwunderung ├╝ber die omin├Âse Krankheit, deren Ursache weder die Zeitgenossen noch die Nachgeborenen kannten. Fest stand nur, dass sich die Frage von Leben und Tod nach einer Infektion binnen kurzer Zeit entschied. Nach einem halben Tag waren viele der Erkrankten tot.

Ein Gutes hatte das Englische Fieber immerhin: Es verschwand recht schnell. So auch 1485. Allerdings kehrte es wie erw├Ąhnt zur├╝ck: so um 1506, 1517, 1528 und 1529 wie 1551. Gerne im Sommer, gerne wenn dieser besonders feucht war. Und in jedem Fall war es zun├Ąchst England, wo die Seuche t├Âtete. 1529, als der Englische Schwei├č ├╝ber Hamburg auch den Kontinent erreichte, war er eventuell gar f├╝r das Schicksal des christlichen Europas ausschlaggebend. Just in diesem Jahr belagerte ein osmanisches Heer Wien.

Seit Urzeiten t├Âteten Seuchen mehr Soldaten als die Schlacht. Denkbar, dass der Englische Schwei├č dem Sultan eine weitere Motivation gab, die bis dahin vergebliche Belagerung des christlichen Bollwerks abzubrechen. Derweil hatte sich im fernen England Anne Boleyn, eine der zahlreichen Ehefrauen des ber├╝chtigten K├Ânig Heinrich VIII., ebenfalls die Krankheit eingefangen. Sie ├╝berlebte ÔÇô nur um 1536 auf Betreiben ihres Ehemanns gek├Âpft zu werden.

Spurlos verschwunden

Der Englische Schwei├č ├╝berlebte sie um einige Jahre, 1551 suchte er England ein letztes Mal heim. Um dann spurlos zu verschwinden. Was aber war der Ausl├Âser f├╝r "sudor anglicus" wie die Seuche in der Gelehrtensprache genannt wurde? Influenza vermuten manche Fachleute, Lungenmilzbrand oder das Q-Fieber werden ebenfalls verd├Ąchtigt. Vielleicht waren es aber auch Hantaviren. L├Âsen wird sich das Geheimnis wahrscheinlich niemals.

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M├Âglicherweise hatte der Englische Schwei├č aber noch einen Auftritt in der Geschichte der Seuchen. Im 18. Jahrhundert trat in Frankreich das Picardsche Schwei├čfieber mit ├Ąhnlichen Symptomen auf. Wie der Englische Schwei├č ist aber auch das Picardsche Schwei├čfieber sp├Ąter wieder verschwunden. Hoffen wir, dass es so bleibt. Mit dem Coronavirus ist die Welt schon genug besch├Ąftigt.

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