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Silvester-Chaos in Berlin: "Migrationshintergrund ist nicht der Grund für die Gewalt"


Silvesterkrawalle und die Schuldsuche
Diese Debatte ist ein gefährlicher Weg

MeinungEin Gastbeitrag von Hakan Demir (SPD)

Aktualisiert am 05.01.2023Lesedauer: 2 Min.
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Brennende Straßenbarrikade an in Neukölln: Nach der Nacht kommt es zu hitzigen Debatten in der Politik.Vergrößern des Bildes
Brennende Straßenbarrikade an in Neukölln: Nach der Nacht kommt es zu hitzigen Debatten in der Politik. (Quelle: NonstopNews/ Julian Stähle)

Hakan Demir, SPD-Politiker, sitzt als Direktkandidat für Berlin-Neukölln im Bundestag. Er wünscht sich eine Debatte über Bildung und Armut, nicht über Ethnien.

Was haben all diese jugendlichen Menschen aus der Silvesternacht mit anderen gemeinsam, die auch Straftaten begehen? Ist es der Migrationshintergrund, wie es doch einige Politiker:innen der CDU/CSU und der AfD meinen?

Es leben 3,7 Millionen Menschen in Berlin, einige Hundert haben sich an den Krawallen beteiligt. Diese Krawalle stehen nicht stellvertretend für Berlin und für andere vielfältige Orte. Wenn der Migrationshintergrund die Ursache von allem Übel wäre, warum hat sich der türkeistämmige Familienvater in Nord-Neukölln nicht an den Krawallen beteiligt oder der junge arabischstämmige Lehrer oder der Bundestagsabgeordnete für Berlin-Neukölln, der gerade diesen Artikel schreibt?

"Sozialer Hintergrund und Bildung sind entscheidend"

Ein Blick in ein Gutachten des Kriminologen Christian Walburg zeigt, dass es keine großen Unterschiede im kriminellen Verhalten zwischen Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund gibt. Wenn der Bildungsstand gleich ist, gibt es kaum Unterschiede beim gewalttätigen Verhalten. Sozialer Hintergrund und die damit zusammenhängende Bildungsbiografie sind hingegen die entscheidenden Erklärungsfaktoren für Gewalt.

Und woher kennen wir sonst Bilder solcher Gewaltszenen? Aus dem Fußball, wo regelmäßig junge Männer aufeinander losgehen. Von Volksfesten, bei denen viel Alkohol konsumiert wurde, von Corona-Demos, bei denen die Polizei angegriffen wurde, und auch im Gesundheitsbereich, wo Mitarbeitende angegangen wurden. Zwei Dinge sind bei all diesen Szenarien auffällig: Es entwickeln sich Gruppendynamiken, in denen oft auch Mitläufer Gewalt ausüben. Und diese Gewalt ist fast ausschließlich männlich.

Nichts rechtfertigt das, was in der Silvesternacht passiert ist. Die Täter müssen bestraft werden. Wir müssen aber auch Maßnahmen treffen, damit so etwas in Zukunft nicht mehr passiert. Jochen Kopelke von der Gewerkschaft der Polizei fordert einen Runden Tisch mit Rettungskräften, Polizei, Sozialarbeiter:innen und Politik. Diese Idee unterstütze ich. Flankiert sein muss das alles mit einer guten Sozialpolitik, mit bezahlbarem Wohnraum, mit den besten Lehrkräften.

"Ein gefährlicher Weg"

Ich kenne viele Familien, die in einer Einzimmerwohnung mit vier Personen und mehr leben, die Schwierigkeiten haben, über die Runden zu kommen, in denen die Jugendlichen kaum Chancen für ihre Zukunft sehen. Ihnen müssen wir mehr Aufmerksamkeit schenken.

Und mal ehrlich: Einige sprechen jetzt von der Kultur als Erklärungsfaktor, aber sie meinen Ethnie, sie meinen das Aussehen, die Hautfarbe. Und das ist ein gefährlicher Weg. Wer die ethnische Herkunft von Menschen mit feststehenden Verhaltensmustern verknüpft, argumentiert rassistisch. Dessen sollte er oder sie sich im Klaren sein. Und aus diesen Erklärungsmustern sollten wir schon längst raus sein.

Die im Gastbeitrag geäußerten Ansichten geben die Meinungen des Autoren wieder und entsprechen nicht notwendigerweise denen der t-online-Redaktion.

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