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Silvester in Berlin – 135 Rettungseinsätze, 30 Brände

Anderer "Ausnahmezustand"  

Berlin feiert leise(r) – Silvester im Pandemiejahr 2020

01.01.2021, 10:04 Uhr | dpa

Silvester in Berlin – 135 Rettungseinsätze, 30 Brände. Polizisten gehen in der Silvesternacht über den Kottbusser Damm: Die Einsatzkräfte verzeichnen eine ruhige Silvesternacht. (Quelle: dpa/Paul Zinken)

Polizisten gehen in der Silvesternacht über den Kottbusser Damm: Die Einsatzkräfte verzeichnen eine ruhige Silvesternacht. (Quelle: Paul Zinken/dpa)

Die Polizei in Berlin hatte den "Ausnahmezustand Silvester" ausgerufen, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. Doch der Jahreswechsel in der Hauptstadt verlief deutlich ruhiger als in den Jahren zuvor.

Wem seine Gesundheit lieb ist, der war in Silvesternächten vergangener Jahre gut beraten, manche Straßen in Berlin zu meiden: Von allen Seiten zischten und knallten dort bereits in den hellen Tagesstunden unkontrolliert Raketen und Böller. Verschreckte Passanten bahnten sich im Zickzacklauf ihren Weg durch die Gassen und knurrten von kriegsähnlichen Zuständen. Je später der Abend, umso schlimmer wurde es. Dass es in diesem Jahr anders würde, daran mochte in den Tagen zuvor wohl niemand so recht glauben.

Doch die Bemühungen, die Berliner Silvester-Nacht im Pandemie-Jahr 2020 so ruhig wie möglich zu halten, scheinen gewirkt zu haben. In Neukölln, Kreuzberg, im Wedding und vielen anderen Kiezen knallten zwar in den Abendstunden viele Böller und Raketen und um Mitternacht ging es auf den Straßen an vielen Orten fast so laut zu wie in gewöhnlichen Jahren. Auch das Unfallkrankenhaus twitterte gegen 20 Uhr vom ersten Patienten mit "#Böllerschmerz". Weitere Verletzten-Meldungen folgten.

Polizei dankt Bürgern

Doch an der Einschätzung der Polizei änderte sich auch nach Mitternacht nichts: "Die Lage ist mit den Vorjahren nicht zu vergleichen", sagte Polizeisprecherin Patricia Brämer. "Wir möchten uns bei den vielen Berlinerinnen und Berlinern bedanken, die sich an die Verordnungen gehalten haben."

Aufgrund der Corona-Krise hatte es davon in diesem Jahr einige gegeben: Mehr als 50 Sperrzonen hatte der Berliner Senat bestimmt, in denen sich in der Silvesternacht nicht aufgehalten oder geböllert werden durfte. In Supermärkten und Spätshops galt ab dem frühen Nachmittag ein Alkohol-Verkaufsverbot und auch der Handel mit Feuerwerkskörpern war in diesem Jahr untersagt worden. Das Ziel: Menschenansammlungen in der Corona-Krise vermeiden und vor allem die Belastung in den Notaufnahmen so niedrig wie möglich halten.

Es blieben die Befürchtungen, dass in einer Stadt wie Berlin sich kaum jemand an die Maßnahmen halten würde. Der Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Norbert Cioma, nannte das Konstrukt mit Dutzenden Böllerverbotszonen am Vortag "Wahnsinn" und warnte vor An- und Übergriffen auf die Einsatzkräfte. Hinzu kamen Sorgen der Berliner Polizeipräsidentin Barbara Slowik vor illegalen Demonstrationen etwa von selbst ernannten "Querdenkern" oder Linksextremisten.

Einzelne Einsätze für Feuerwehr und Polizei

Polizei und Feuerwehr hatten sich deshalb wie üblich mit zahlreichen Zusatzkräften auf die Silvesternacht vorbereitet. 2.900 Polizeibeamte waren im Einsatz, über den Bezirken kreiste ein Polizeihubschrauber, um die Lage besser überschauen zu können. Die Feuerwehr war mit rund 850 Kräften der Berufsfeuerwehr unterwegs sowie mit mehr als 520 Ehrenamtlichen von den Freiwilligen Feuerwehren. Rund dreieinhalb Stunden nach dem Einsatzbeginn um 19 Uhr meldeten die Einsatzkräfte knapp 135 Rettungseinsätze sowie rund 30 Brände. Auch schwere Verletzungen durch Böller gehörten dazu, die sich in mindestens einem Fall in einer Böllerverbotszone ereignet hatten, wie die Feuerwehr mitteilte.

Doch die üblichen Hotspots der vergangenen Jahre – etwa am Hermannplatz in Neukölln, dem Innsbrucker Platz in Schöneberg oder am Alexanderplatz, waren zum Teil wie leergefegt. Keine Spur auch von verbotenen Demonstrationen.

Der menschenleere Hermannplatz in Neukölln: Er gehörte zu den Böllerverbotszonen der Stadt. (Quelle: dpa/Paul Zinken)Der menschenleere Hermannplatz in Neukölln: Er gehörte zu den Böllerverbotszonen der Stadt. (Quelle: Paul Zinken/dpa)

Gut zu tun hatte die Polizei dennoch. Vielerorts mussten die Beamten immer wieder kleinere Menschengruppen auflösen. Mehr als 80 Menschen wurden vorübergehend von der Polizei festgehalten wegen Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz, wie ein Sprecher sagte. Mindestens drei Beamte wurden im Einsatz demnach leicht verletzt, konnten den Dienst aber fortsetzen. "Zünden von Pyro, Feuern aus Schreckschusswaffen, Konsum von Alkohol – die von unseren Kollegen aufgenommenen Personalien füllen gleich mehrere Anzeigen", teilte die Polizei schon am frühen Abend auf Twitter mit.

Die meisten Berliner feierten jedoch ruhig und im kleinen Kreis ins neue Jahr. Die Maßnahmen stießen bei vielen auf Verständnis. Manche, wie der 49-jährige Stefan, der mit einer Freundin in Neukölln spazierte, fanden es sogar "ganz hervorragend, dass weniger geballert wird". Zwei 25 Jahre alte Frauen konnten das Verbot ebenfalls "voll nachvollziehen", freuten sich aber auch ein bisschen über den zivilen Ungehorsam, den sie auf der Straße sahen.

Das erleuchtete Brandenburger Tor: Von dort wurde die ZDF-Silvestershow ohne Zuschauer übertragen. (Quelle: AP/dpa/John MacDougall)Das erleuchtete Brandenburger Tor: Von dort wurde die ZDF-Silvestershow ohne Zuschauer übertragen. (Quelle: John MacDougall/AP/dpa)

Kaum jemand verirrte sich ans Brandenburger Tor, wo in den Vorjahren traditionell die größte Silvesterparty des Landes gefeiert wurde. Nun spielten dort Schlagerstar Jürgen Drews oder die Band Karat für die Live-Übertragung der ZDF-Silvestershow – jedoch ohne Publikum vor Ort. Das traditionelle Höhenfeuerwerk hatte der Sender abgesagt.

"Ausnahmezustand Silvester" hatte die Berliner Feuerwehr ihren nächtlichen Einsatz getauft. Im Ausnahmezustand war Berlin in der Silvesternacht im Pandemiejahr 2020 durchaus. Doch vor allem deshalb, weil diese Nacht mit dem sonst üblichen Chaos, den vielen Touristen, dem Lärm und den Partys nichts zu tun hatte.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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