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Sieben-Tage-Inzidenz ├╝ber 500: Booster nach dem Booster?

Von dpa
16.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Corona-Test
Ein Arzt h├Ąlt einen Tupfer, mit dem ein Abstrich f├╝r einen Coronatest gemacht wird. (Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Symbolbild/dpa-bilder)
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Die Virusvariante Omikron treibt die Corona-Zahlen in Bayern weiter steil nach oben. Einst galt die Marke 50 als kritische Grenze - jetzt ist die Inzidenz rund zehnmal so hoch. Nach mehr als 10.000 registrierten Neuinfektionen am Samstag und ├Ąhnlich vielen tags darauf lag die Sieben-Tage-Inzidenz im Freistaat am Sonntag bei 527,4. Damit haben sich binnen einer Woche mehr als 527 Menschen je 100.000 Einwohner mit dem Coronavirus angesteckt. An diesem Montag tagt das Kabinett, um ├╝ber weitere Schritte in der Corona-Krise zu beraten.

Der M├╝nchner Corona-Experte Clemens Wendtner mahnte angesichts dieser Entwicklung zur z├╝gigen Vorbereitung auf die vierte Corona-Impfung - mit den verf├╝gbaren Impfstoffen. Ministerpr├Ąsident Markus S├Âder (CSU) k├╝ndigte an, in der Corona-Politik k├╝nftig einen "breiteren Ansatz" verfolgen zu wollen. In einigen bayerischen St├Ądten protestierten am Wochenende wieder tausende Gegner der Corona-Politik.

Seit dem 30. Dezember steigen mit der zur f├╝nften Welle deklarierten Omikron-Variante die Infektionszahlen wieder rasant. Laut dem Robert Koch-Institut (RKI) ist Omikron mittlerweile auch in Bayern die dominierende Virusvariante.

Auf den Intensivstationen sank die Zahl der Corona-Patienten dagegen weiter. Das Divi-Intensivregister meldete am Sonntag (Stand 9.05 Uhr) 408 Corona-Patienten auf Intensivstationen im Freistaat, das sind 19 weniger als noch am Samstag. 246 von ihnen mussten invasiv beatmet werden.

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Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) rief Menschen mit Pflegeerfahrung auf, sich als freiwillige Helfer zu melden. "Ich appelliere daher - gerade auch mit Blick auf die Omikron-Virusvariante - an alle Pflegekr├Ąfte, die aktuell nicht in diesem Beruf arbeiten und keiner Risikogruppe angeh├Âren: Engagieren Sie sich im "Pflegepool Bayern"." Gesucht werden Menschen, die etwa aus dem Beruf ausgeschieden sind oder fr├╝her einmal im Gesundheitswesen t├Ątig waren - neben Pflegefachkr├Ąften etwa medizinisch-technische Assistentinnen und Assistenten, Notfallsanit├Ąter oder auch Hebammen. Wer mitmacht, soll Freistellungs-, Lohn-, Fahrt- und Verdienstfortzahlungsanspr├╝che bekommen.

RKI-Pr├Ąsident Lothar Wieler sieht mit der rasanten Ausbreitung der neuen Omikron-Variante eine "neue Phase der Pandemie", in der weniger die reinen Fallzahlen, sondern die Zahl der Schwerkranken entscheidend seien. Allerdings schlagen sich hohe Infektionszahlen erst mit Verzug auf Kliniken und Intensivstationen nieder, weil bis zur Einweisung von Patienten einige Zeit vergeht. Wieler warnte davor, dass durch die Masse an Infektionen - Omikron verbreitet sich deutlich schneller als Delta - auch die Zahl der Hospitalisierungen und der Todesf├Ąlle wieder steigen d├╝rfte.

Der Chefarzt der Infektiologie an der M├╝nchen Klinik Schwabing, Wendtner, sagte der Deutschen Presse-Agentur: "F├╝r mich w├Ąre eine Viertimpfung vier bis sechs Monate nach der dritten Impfung eine ad├Ąquate Ma├čnahme." Er verwies jedoch zugleich darauf, dass es aufgrund mangelnder Daten noch keine Empfehlung der St├Ąndigen Impfkommission (Stiko) zur Viertimpfung gibt.

Oft hei├če es, man wolle auf den angepassten Omikron-Impfstoff warten. "Ich f├╝rchte aber, das wird zu lange dauern", sagte Wendtner. Vor April sei nicht mit neuen Impfstoffen zu rechnen - die Omikron-Welle rolle jedoch jetzt heran. "Man muss eine Viertimpfungs-Kampagne jetzt schon vorbereiten, auch von der Verf├╝gbarkeit der derzeit zugelassenen Impfstoffe her. Da d├╝rfen wir nicht erst daran denken, wenn wir M├Ąrz oder April haben."

Ministerpr├Ąsident S├Âder sagte dem "M├╝nchner Merkur" (Samstag): "Es wird nicht mehr ausreichen, die Lage nur medizinisch und virologisch zu betrachten. Wir m├╝ssen auch auf die gesellschaftliche und soziale Komponente st├Ąrker achten." Die Gesellschaft sei nicht in zwei gleiche Teile gespalten, aber sie sei geteilt. "Eine kleine Gruppe Querdenker mit sehr abstrusen Argumenten, eine gro├če Gruppe an sehr vorsichtigen Menschen, aber eben auch einige, die zwar alle Regeln mitgemacht haben, aber ersch├Âpft und m├╝de sind und am Sinn mancher Vorschriften zu zweifeln beginnen."

Am Samstag protestierten tausende Gegner der Corona-Auflagen in einigen St├Ądten - darunter in M├╝nchen, Regensburg, F├╝rth und Augsburg. Nach Angaben der Polizeipr├Ąsidien gab es keine nennenswerten Vorkommnisse, die Teilnehmer h├Ątten sich ├╝berwiegend an die Auflagen wie Maskengebot gehalten. Am Sonntagabend sollte es zudem mindestens eine Demo im unterfr├Ąnkischen Schweinfurt geben.

An diesem Montag ber├Ąt das Kabinett, wie es weitergehen soll. "Im gesamten Kulturbereich sind dringend sinnvolle Verbesserungen m├Âglich und erforderlich: Bei 2G plus und Maske sowie Einhaltung von geeigneten Abst├Ąnden wollen wir wieder 50 Prozent der Zuschauerinnen und Zuschauer zulassen", sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Ruth Waldmann. Der Bayerische Musikrat dr├Ąngt sogar auf eine Auslastung bei Kulturveranstaltungen bis maximal 75 Prozent - bisher sind nur 25 Prozent erlaubt.

Der Bayerische Jugendring (BJR) verlangte, die 2G-Zugangsbeschr├Ąnkung f├╝r die Angebote der Jugendarbeit zu kippen. "Warum sich eine Gruppe Jugendlicher in einem Restaurant oder an einer Tankstelle treffen d├╝rfen, im Jugendzentrum aber nicht - das erschlie├čt sich mir nach wie vor nicht und ist absurd", sagte BJR-Pr├Ąsident Matthias Fack am Sonntag.

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