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Neue Direktorin: Hygiene-Museum zum Ort der Begegnung machen

Von dpa
07.02.2022Lesedauer: 3 Min.
Hygiene-Museumsdirektorin Edenheiser
Iris Edenheiser sitzt am Rande einer Pressekonferenz im Museum. (Quelle: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa/dpa-bilder)
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Dresden (dpa) – Das Deutsche Hygiene-Museum Dresden (DHM) soll durch Kooperation und Austausch international noch bekannter und zugleich regional präsent sowie als Ort des gesellschaftlichen Diskurses weiterentwickelt werden. "Ort der Begegnung zu sein hat riesige Bedeutung in diesen Zeiten, wo Menschen miteinander in Austausch gehen können, vor allem auch jenseits ihrer Twitter-Blasen", sagte Iris Edenheiser, seit Jahresbeginn neue Direktorin des einzigartigen Museums am Montag in Dresden. Mehr Nachhaltigkeit bei den großen Sonderausstellungen, kleinere agilere Formen der Vermittlung, Debattenkultur und Brückenbauen mittels Dialog nannte sie als Schwerpunkte ihres Konzepts.

Aufbauend auf dem Erreichten soll sich die Institution weiter öffnen, ein "niedrigschwelligeres durchlässigeres Haus" werden, "wo sich auch vortrefflich und respektvoll streiten lässt". Eine wichtige Aufgabe sieht Edenheiser auch in der finanziellen Konsolidierung. Sie werde die langjährigen Bemühungen um eine verlässliche Unterstützung des Bundes für das Haus fortsetzen, das bisher von Stadt und Land als Stiftern getragen und nur bei Projekten vom Bund gefördert wird. "Es ist eine Marke, auch international."

Für 2022 kündigte Edenheiser mit "Fake. Die ganze Wahrheit" eine große Schau in Kooperation mit dem Stapferhaus in Lenzburg (Schweiz) an, die Gelegenheit bietet, über das Verhältnis von Lüge und Wahrheit in Zeiten von Fake-News, Fake-Profilen und Fake-Produkten nachzudenken. Begleitend werden Programme rund um das Thema in Hoyerswerda entwickelt. Es ist der Auftakt eines neuen Outreach-Formats, in dem das DHM in den kommenden Jahren an verschiedenen Orten des Freistaates mit lokalen Kultur- und Bildungseinrichtungen gemeinsame Projekte initiiert, sagte die 44-Jährige.

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Die Ausstellung "Künstliche Intelligenz", die kurz nach der Eröffnung 2021 wegen Corona über Wochen geschlossen war, wird bis Anfang November verlängert. Im Mai wird laut Edenheiser das Forschungsprojekt zu den Gläsernen Figuren nach fünf Jahren mit einer Publikation der Ergebnisse abgeschlossen und bis September der Kopfbau Süd saniert und modernisiert, der als Tagungszentrum gefragt und inzwischen eine essenzielle Einnahmequelle für das DHM ist.

In Erzählsalons sollen Menschen mit unterschiedlicher Biografie über Familie, Religion, Herkunft oder Liebe sprechen und in einer Community-Werkstatt Vertreter migrantischer Gemeinschaften mit dem Museumsteam Projekte entwickeln. Für 2023 ist die Ausstellung "Genetik" angekündigt - als Anstoß für eine öffentliche Diskussion über Chancen und Risiken von Gentechnologien.

Edenheiser wurde 1977 in Torgau geboren und studierte in Leipzig und Granada (Spanien) Sozial- und Kulturanthropologie, Religionswissenschaft und Hispanistik. Zuletzt war sie stellvertretende Direktorin am Museum Europäischer Kulturen der Staatlichen Museen zu Berlin. Zuvor arbeitete sie an den Museen für Völkerkunde in Leipzig und Dresden sowie den Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen. Ihre neue Aufgabe habe sie "als Fan" übernommen", sagte die Sächsin.

Das Deutsche Hygiene-Museum wurde 1912 von dem Industriellen Karl August Lingner (1861-1916), dem Erfinder des Mundwassers Odol, gegründet. 1930 bekam es ein von Architekt Wilhelm Kreis (1873-1955) geschaffenes Ausstellungsgebäude. In der Weimarer Republik trug es mit verständlicher Präsentation von Wissenschaft zur Demokratisierung des Gesundheitswesens bei. Die Mitwirkung an "rassenhygienischer" Propaganda unter den Nazis gilt indes als finsterstes Kapitel in der Geschichte des Hauses. In der DDR Hort der Gesundheitserziehung, erhielt es 1991 als "Museum vom Menschen" eine Neuausrichtung und wird seit 1999 von einer Stiftung getragen.

2021 war es fast sechs Monate geschlossen, die Besucherzahl von nur 80 000 im Jahr schmerze, sagte die Kaufmännische Direktorin Lisa Klamka. 2018 lag sie noch bei 300 000 Gästen. Umso mehr freue man sich über die nun vom Pandemiegeschehen unabhängige Öffnung. Angesichts von im Schnitt 2000 Besuchern pro Woche im Januar "sind wir euphorisch und schauen hoffnungsvoll auf 2022".

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