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Kölner Gastronom: "Wir brauchen Flächen für junge Leute"

INTERVIEWGastroverein klagt an  

"Wir brauchen Flächen für junge Leute"

Von Fabian Schmidt

22.06.2021, 14:31 Uhr
Kölner Gastronom: "Wir brauchen Flächen für junge Leute". Zahlreiche Menschen treffen sich im Inneren Grüngürtel in Köln (Archivbild): An manchen Wochenenden feierten hier Tausende ohne Abstand. (Quelle: imago images/Future Image)

Zahlreiche Menschen treffen sich im Inneren Grüngürtel in Köln (Archivbild): An manchen Wochenenden feierten hier Tausende ohne Abstand. (Quelle: Future Image/imago images)

Partys in Kölner Grünanlagen führten zu Alkohol- und Verweilverboten – ein Gastroverein hält davon nichts. Monatelang hätten sich junge Menschen solidarisch gezeigt, jetzt mache man ihnen viel zu wenig Angebote.

In Köln haben in den letzten Wochen immer wieder feiernde Menschenmassen mit Verstößen gegen die Corona-Regeln für Schlagzeilen gesorgt. Die Stadt reagierte darauf zunächst vor allem restriktiv: Mit Verweil- und Alkoholverboten an einigen Orten sollte den Partys ein Riegel vorgeschoben werden, wie etwa am Aachener Weiher, wo sich Mitte Juni Wochenende 1.000 Leute zu einer Party versammelt hatten.

Am letzten Wochenende wurde das Alkoholverbot dort dann streng kontrolliert. Noch mindestens bis zum 29. Juni gelten die Corona-Sonderregeln, dann soll die Kölner Allgemeinverfügung auslaufen – sofern die Zahl der Neuinfektionen so niedrig bleibt wie aktuell.

Beim Gastronomieverein "IG Kölner Gastro" ärgert man sich in einem offenen Brief über die "Verbotspolitik" der Stadt. Dass es zu Szenen wie in den vergangenen Wochen mit Tausenden Feiernden ohne Abstand gekommen ist, sei womöglich vermeidbar gewesen – wenn sich die Stadt frühzeitig mit Konzepten befasst hätte, sagen die Gastronomen. Sie hatten ihren Verein erst im vergangenen Jahr während der Pandemie gegründet.

Wie ein solches Konzept aussehen könnte und warum es dafür wohl zu spät ist, erzählt Guido Bungart im Gespräch mit t-online. Bungart ist Mitbetreiber der "Wohngemeinschaft" im Belgischen Viertel und Vorstandsmitglied der "IG Kölner Gastro".

t-online: Was läuft aus Ihrer Sicht schief in der Stadt?

Guido Bungart: Wir haben auf die Diskrepanz hingewiesen, dass es keine Angebote für die junge Zielgruppe gibt. Die Clubs sind noch geschlossen, die Bars können noch nicht so befüllt werden, wie in einem normalen Sommer. Seit Monaten weisen wir darauf hin: Wir brauchen Flächen für junge Leute.

Wir blicken auf einen Sommer, in dem wir keine Veranstaltungsorte haben, wie wir sie noch im letzten Sommer bespielt haben, wie beispielsweise die "Summer Stage" im Kölner Jugendpark mit dem dazugehörigen "At The B-Sides"- Festival. Da gab es im letzten Jahr knapp 60 Veranstaltungen.

Guido Bungart vom "IG Kölner Gastro" zu ausufernden illegalen Partys in den Grünanlagen: "In unseren Augen wäre das vermeidbar gewesen." (Quelle: Fabian Stürtz)Guido Bungart vom "IG Kölner Gastro" zu ausufernden illegalen Partys in den Grünanlagen: "In unseren Augen wäre das vermeidbar gewesen." (Quelle: Fabian Stürtz)

Wir haben schon früh darauf hingewiesen, dass auch andere Projekte im Kulturbereich größte Schwierigkeiten haben, in diesem Jahr zu eröffnen. Das hat größtenteils auch nichts mit einem generellen Unwillen der Politik und der Verwaltung zu tun. Aber es ist eine große Schwierigkeit, so etwas in in kurzer Zeit zu bewilligen.

Es gibt einfach Flexibilitätsprobleme bei der verwaltungstechnischen Erschließung solcher Projekte. Da muss das Bauamt genannt werden, das an dieser Stelle nicht so flexibel und schnell arbeiten kann, wie wir das in diesem Sommer unter diesen speziellen Voraussetzungen auch benötigen würden.

Wie könnten die Angebote aussehen, von denen Sie sprechen?

Das könnte so aussehen, dass Veranstalter – und es gibt gerade sehr viele, die nichts zu tun haben – Freiflächen bespielen. Das heißt, wir würden in Parks Plätze erschließen, diese angemessen einzäunen oder mit Securitys abgrenzen. Für dieses Festivalgelände gäbe es dann Zugang für Getestete, Geimpfte und Genesene.

Und statt 5.000 kleinen Soundsystemen, wie es sie zurzeit an den Wochenenden in den Parks gibt, würden Schallschutzkonzepte erstellt werden. So entstehen keine Nachbarschaftskonflikte oder Auseinandersetzungen mit Ordnungsamt und Polizei.

Man hätte alles in sehr viel geordneteren Bahnen schon im Winter vorbereiten können. Da haben viele freie Veranstalter und Verbände bereits darauf hingewiesen, dass es zu dieser Situation kommen wird, wie wir sie jetzt haben. In unseren Augen wäre das vermeidbar gewesen, hätte man im Winter die Voraussetzungen geschaffen. Jetzt ist es dafür größtenteils zu spät und wir sehen uns mit dieser Verbotskultur konfrontiert.

Was ist das Problem mit dieser "Verbotskultur"? Es gibt nun einmal eine Pandemie, bei der Massenpartys unverantwortlich sind.

Es heißt ja nicht, nur weil ich diesen einen Ort sperre, dass die Leute dann zu Hause bleiben. Dieses junge Klientel war jetzt anderthalb Jahre daheim und hat sehr solidarisch Mitverantwortung für einen glimpflichen Pandemieverlauf getragen. Es ist in meinen Augen einfach sehr ungerechtfertigt, jetzt auf diese junge Zielgruppe einzuhauen.

Wir sind denen auch etwas schuldig: Kulturplätze und Kulturräume zu schaffen, die ein Abbild dessen sind, was diese Zielgruppe auch haben möchte: Konzerte, Clubbing, Freiflächen, Subkultur. Und das aber in einem Corona-konformen Maße. Es wäre möglich gewesen, das im Winter und Frühjahr vorzubereiten. Dass diese Situation kommen wird, das war, glaube ich allen klar.

In dem offenen Brief wird die Stadt auch dafür kritisiert, dass sie Gastronomen einspanne, Abstandsregeln durchzusetzen und dass Stadtdirektorin Andrea Blome das "Damoklesschwert" über den Kopf der Branche hänge. Was ist damit gemeint?

Wir als Gastronomen werden an vielen Stellen als Verursacher in die Verantwortung genommen – also auch für das Cornern und und am Büdchen stehen. Dabei ist das ja nicht unser Geschäft, sondern eigentlich unsere Konkurrenz.

Da kommt es regelmäßig vor, dass das Ordnungsamt Personenansammlungen den Gastronomen vor Ort zuweist und dort stark reglementierend kontrolliert, auch wenn dort gar kein Außer-Haus-Verkauf stattfindet, sondern alles vorbildlich aufgelöst ist.

Dabei sind wir im Grunde ja die Branche, die die Leute von der Straße holt und in ein geregeltes Umfeld reinbringt. An vielen Stellen sollte es wesentlich kooperativer sein.

Verwendete Quellen:
  • Interview mit Guido Bungart, "IG Kölner Gastro"

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