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München: Polizei ließ Olympia-Attentäter wohl trotz Hinweis in Berlin leben


Bericht: Polizei ließ Olympia-Attentäter unbehelligt in Berlin leben

Von t-online, mtt

Aktualisiert am 17.09.2022Lesedauer: 3 Min.
München 1972: Palästinensische Terroristen töteten elf Israelis.Vergrößern des BildesMünchen 1972: Einer der palästinensischen Terroristen, die elf Israelis töteten, steht auf dem Balkon im Olympischen Dorf. (Quelle: Minkoff/imago images)
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50 Jahre nach dem blutigen Attentat auf die israelischen Sportler in München legen Recherchen der "Süddeutschen Zeitung" einen dunklen Verdacht nahe.

Einer der Palästinenser, die 1972 das Olympia-Attentat in München verübten, soll sich laut "Süddeutscher Zeitung" (SZ) 13 Jahre später in West-Berlin aufgehalten haben. Die deutschen Sicherheitsbehörden wussten einem Bericht der Zeitung zufolge davon, doch die zuständige Polizei habe den Hinweis ignoriert.

Das gehe aus einer Polizeiakte hervor, die eigentlich für die öffentliche Einsichtnahme bis 2040 gesperrt sei, berichtete das Blatt. Die "SZ" habe die Akte im Staatsarchiv München jedoch dank einer Sondergenehmigung erstmals einsehen dürfen.

Olympia-Attentat von München: Befreiungsversuch endete im Fiasko

Ein V-Mann des Bundeskriminalamtes (BKA) hatte demnach im November 1985 konkrete Hinweise auf den Aufenthaltsort von Samer Mohamad Abdullah geliefert. Samer ist einer der acht Terroristen gewesen, die am 5. September 1972 am frühen Morgen im Olympischen Dorf in die Wohnungen der Sportler eingedrungen waren.

Die Palästinenser erschossen zwei Männer direkt vor Ort, neun weitere hielten sie stundenlang gefangen, bis zu ihrer Ankunft am späten Abend am Flugplatz in Fürstenfeldbruck. Von dort aus wollten sie mit einer Maschine nach Kairo fliegen, das Ergebnis langwieriger, zermürbender Verhandlungen. Bei der Gelegenheit hofften Polizei und Politik, die Geiseln befreien zu können – doch die Aktion endete in einem Blutbad. Die schreckliche Bilanz des Tages: Elf tote Israelis, ein toter Polizist und fünf getötete Attentäter.

Geheimer Deal? Überlebende Terroristen nur Wochen später freigepresst

Drei der Palästinenser überlebten. Sie wurden festgenommen, saßen dann in drei bayerischen Gefängnissen in Untersuchungshaft. Aber das bloß kurz: Nur sieben Wochen nach dem Attentat kaperten palästinensische Entführer die Lufthansa-Maschine LH 615 auf dem Flug von Beirut nach München und forderten die Freilassung der überlebenden Terroristen. Dieser Forderung wurde nachgegeben.

Wie das ARD-Politikmagazin "report München" berichtete, kam die Entführung für die deutschen Behörden wohl nicht überraschend. Die Entlassungspapiere der drei Olympia-Attentäter seien Tage vorher bereits vorgefertigt gewesen. In einem Brief elf Tage vor der Lufthansa-Entführung habe Münchens Polizeipräsident geschrieben: "Um die mit der Abschiebung verbunden Formalitäten (…) beschleunigen zu können, hat das Amt für öffentliche Ordnung bereits Ausweisungsverfügungen erlassen, die bei der Kriminalpolizei München verwahrt werden."

Ein Beamter, der die drei Attentäter zum Flughafen in München-Riem eskortierte, sagte "report München": "Das war nicht aus heiterem Himmel. Ich hab es auch schon gewusst über Unteroffiziersdrähte, da hat mir einer von der Kriminalpolizei gesagt, das würde über kurz oder lang stattfinden."

Video | Aufnahmen zeigen die Täter bei ihrem Attentat im Olympischen Dorf
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Quelle: t-online

13 Jahre danach: Terrorist taucht in Berlin auf

Die Recherchen der "Süddeutschen Zeitung" geben nun Spekulationen neue Nahrung, wonach es zwischen der damaligen sozial-liberalen Bundesregierung und den Palästinensern einen geheimen Deal gab, der ein Untertauchen der Terroristen ermöglichte. Vor allem in Israel vermutet man laut "SZ" eine solche Absprache.

Und dieser Deal könnte auch 13 Jahre nach dem Attentat noch Wirkung gezeigt haben: Der "SZ" zufolge hatte der BKA-Informant berichtet, dass der Terrorist Samer mit falscher Identität im Westteil des geteilten Berlin wohne und täglich in den Ostteil pendle. Dort arbeite er im Verbindungsbüro der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO).

BKA-Hinweis landete in der Ablage: Schlamperei oder Absicht?

Trotz dieser präzisen Spur habe sich das Polizeipräsidium München, das bei den Ermittlungen in Zusammenhang mit dem Olympia-Attentat federführend war, für nicht zuständig erklärt und nichts unternommen. Der BKA-Hinweis sei in der Ablage gelandet.

Fazit der "SZ": "Natürlich könnten Schlamperei und Zuständigkeitsverwirrung, Ignoranz und Gleichgültigkeit eine Rolle spielen." Es könne aber auch die Theorie zutreffen, die die Sprecherin der Hinterbliebenen des Olympia-Attentats seit vielen Jahren vertritt: Dass die Deutschen ganz bewusst darauf verzichtet hätten, die Mörder von München zu verfolgen und zur Rechenschaft zu ziehen.

Verwendete Quellen
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
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