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Razzia in Villa am Tegernsee: Fabergé-Eier von Usmanow sind Fälschungen


Fabergé-Eier bei Usmanow sind nicht echt


Aktualisiert am 02.11.2022Lesedauer: 3 Min.
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Ein echtes Fabergé-Ei, wie rechts zu sehen, war es nicht, das bei Alischer Usmanow in der Villa gefunden wurde (Archiv/Symbol): Darin stimmen der Milliardär, ein Experte und die Staatsanwaltschaft inzwischen überein.Vergrößern des Bildes
Usmanow/Echtes Fabergé-Ei (Archiv/Symbol): Ein Gutachter soll klären, ob es sich bei den Funden um Originale handelt. (Quelle: ITAR-TASS/NurPhoto/imago images)

Bei einer Razzia in einer Villa am Tegernsee glaubten die Ermittler, einen historischen Fund gemacht zu haben. Jetzt müssen sie sich korrigieren.

Die in einer Villa sichergestellten Fabergé-Eier sind zwar sehr wertvoll – aber anders als zunächst angenommen keine Originale. Das teilte die Staatsanwaltschaft München auf Nachfrage von t-online mit. Damit korrigieren sich die Ermittler. Es handle sich bei den Funden "nicht um 'echte' – im Sinne der historischen in imperialer Qualität gefertigten – Fabergé-Eier", wie Sprecher Matthias Enzler sagt.

Bei der Erstürmung des Landhauses am Südufer des Tegernsees stießen Fahnder der Soko "Ukraine" neben anderen Kunstgegenständen auch auf vier Fabergé-Eier. Zunächst ging die Staatsanwaltschaft München II nach erster Einschätzung davon aus, dass es sich um Originale handeln könnte. Das hatte Oligarch Alisher Usmanow, dem die Villa zugeordnet wird, schnell dementiert, und auch der Münchner Fabergé-Eier-Spezialist Heinrich Graf von Spreti war davon ausgegangen: Ihm zufolge stammen die reich verzierten Kunsteier, die man in der Villa am Tegernsee gefunden hatte, aus einer Manufaktur in Pforzheim.

Nicht originale Fabergé-Eier von Usmanow, dennoch wertvoll

Zumindest den Befund, dass die Eier nicht aus der Werkstatt von Peter Carl Fabergé in Sankt Petersburg stammen, bestätigt die Staatsanwaltschaft nun. Billig seien diese jedoch nicht – und auch womöglich weiterhin strafrechtlich relevant.

Wie auch bei den anderen sichergestellten Wertgegenständen, so Sprecher Matthias Enzler, "sei nach vorläufiger gutachterlicher Einschätzung aber weiterhin davon auszugehen, dass diese nicht unerhebliche Vermögenswerte darstellen". Dies hätte Usmanow gemäß Sanktionsbestimmungen anzeigen müssen.

Der Oligarch steht wegen seiner Nähe zu Wladimir Putin auf der EU-Sanktionsliste. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen möglicher Verstöße gegen das Außenwirtschaftsgesetz. Zudem ermitteln die Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt und das Bundeskriminalamt (BKA) wegen des Verdachts der Geldwäsche und Steuerhinterziehung. Usmanow soll mehr als 555 Millionen Euro an Steuern hinterzogen haben.

Fabergé-Eier von Usmanow sollten vom Tegernsee nach Usbekistan

Die Fahnder gehen davon aus, dass Usmanow über Jahre seinen Wohnsitz in Rottach-Egern hatte. Wenn dem so wäre, wäre er dort auch steuerpflichtig gewesen. Nur habe er versäumt zu zahlen, heißt es aus Ermittlerkreisen. Es handelt sich dabei laut "Spiegel" um eines der größten deutschen Steuerstrafverfahren gegen eine Einzelperson in der deutschen Kriminalgeschichte.

Sollte es sich letztendlich bei den Fabergé-Eiern um Imitate handeln, würde dies zur Erwiderung des Milliardärs passen: Er betonte nach der Razzia auf Anfrage, dass es sich bei den konfiszierten Eiern um "Souvenirs im Wert von mehreren Tausend Euro" handle. Sie seien "mit künstlichen Edelsteinen in München hergestellt" worden. Die Fabergé-Eier seien für Freunde und Verwandte in Usbekistan bestimmt gewesen.

In den Wirren der russischen Oktoberrevolution waren einige der kaiserlichen Fabergé-Eier verloren gegangen. Vermutlich seien es fünf bis sechs Exemplare gewesen, die bis heute als vermisst gelten, so von Spreti. Wäre eines davon in der Villa aufgetaucht, wäre dies ein historischer Fund gewesen. Von manchen der verschollenen Fabergé-Eier existieren Fotos, von anderen nur Namen. Ein echtes Ei habe einen Wert zwischen 5 und 50 Millionen Euro. 2007 wurde ein Exemplar für 12,5 Millionen Euro im Londoner Auktionshaus Christie's versteigert.

Wie ein Münchner Experte Fabergé-Eier begutachtet

Wie wertvoll die beschlagnahmten zahlreichen Gegenstände in Rottach-Egern sind, darunter Schmuck und Gemälde, dazu könne man noch keine "Einzelheiten" nennen, so Enzler. Noch gebe es keine "Wertfeststellung der sichergestellten Gegenstände". Sollte Experte von Spreti Recht behalten und die Eier aus Pforzheim kommen, könnten sie immerhin bis zu 200.000 Euro wert sein.

In der für ihre Schmuckindustrie bekannten Stadt in Nordbaden hatte von 1990 bis 2009 die Schmuckmanufaktur Victor Mayer die Exklusivrechte zur Herstellung dieser Sammlerobjekte. Die Nachfrage von reichen Potentaten aus aller Welt nach den Feudaleiern sei enorm gewesen, so die Manufaktur.

Als deutscher Ehrenvorsitzender des Londoner Kunst- und Auktionshaus Sotheby's hat von Spreti in dessen Auftrag schon mehrfach Fabergé-Eier "inspiziert", wie er sagt. Ein standardisiertes Prüfungsverfahren für Fabergé-Eier gebe es zwar nicht, so Spreti, eine Fälschung würde er jedoch sofort an Machart, Design und Qualität des Objektes innerhalb eines Tages erkennen.

Verwendete Quellen
  • Eigene Recherchen
  • Mitteilung der Staatsanwaltschaft München
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