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Wie München in der Corona-Krise um seinen Zoo kämpft

Stadt pumpt Millionen in Tierpark  

Wie München in der Corona-Krise um seinen Zoo kämpft

Von Patrick Mayer

15.03.2021, 15:28 Uhr
Wie München in der Corona-Krise um seinen Zoo kämpft . Rasem Baban, Geschäftsführer Tierpark Hellabrunn (Archivbild): Die Stadt investiert während der Krise in den Zoo. (Quelle: Tierpark Hellabrunn/Marc Müller)

Rasem Baban, Geschäftsführer Tierpark Hellabrunn (Archivbild): Die Stadt investiert während der Krise in den Zoo. (Quelle: Tierpark Hellabrunn/Marc Müller)

Während andere Branchen in der Corona-Pandemie bangen, investiert München Millionen in den Tierpark Hellabrunn. Die Erleichterung ist nach finanzieller Schieflage riesig. Doch wie es weitergeht, ist unklar.

Riesige Pfoten, imposante Mähne, ein breites Maul – Benny und Max sind wahrlich beeindruckende Tiere. Die beiden Löwen sind ein Highlight des Tierparks Hellabrunn. Sie ziehen normalerweise Zehntausende Besucher in den Zoo, der malerisch eingebettet in den Isarauen Münchens liegt.

Doch seit einem Jahr ist auch für sie alles anders. Die Coronavirus-Pandemie kam, und die Besucher blieben auf einen Schlag weg. Was für die großen Raubkatzen eine Umstellung war, stellte den Zoo schnell vor die Existenzfrage.

München investiert in der Krise Millionen in den Tierpark Hellabrunn

Im Sommer klagte Direktor Rasem Baban im Gespräch mit der "Bild": "Ohne Hilfe müssen wir im September als Erstes unsere Löwen abgeben. Ausgerechnet das Wappentier des Freistaates. Das kann doch nicht wahr sein!"

Die Nachricht verbreitete sich in München rasant. Der Zoo mit seinen etwa 18.100 Tieren aus 714 Arten ist eines der Wahrzeichen der bayerischen Landeshauptstadt. Und die Loyalität ist groß: Während andere Branchen um ihren Fortbestand bangen, investiert München als Hauptaktionär in der Corona-Krise Millionen in den Tierpark Hellabrunn.

Nicht nur um diesen finanziell zu retten. Sondern auch, um vor der Pandemie eingeplante Investitionen voranzutreiben. "Die Landeshauptstadt hat sich immer dazu bekannt, dass sie dem Tierpark wirtschaftlich zur Seite steht. Ohne diese Hilfe hätte es nicht funktioniert", sagt Baban heute, im März zu t-online. "Wir hatten seit dem 2. November geschlossen. Es war für uns eine maximale wirtschaftliche Herausforderung. Die einzige Einnahmequelle eines Zoos sind seine Besucher. Und wenn die nicht kommen, hat er keine Einnahmen, aber jeden Tag Ausgaben. Ein Tierpark ist 365 Tage 24 Stunden im Betrieb. Die Tiere müssen rund um die Uhr versorgt werden. Das sind immense Kosten, pro Tag rund 50.000 Euro."

Hellabrunn bekommt Löwen-Anlage für 3,6 Millionen Euro

Müssen die Löwen jetzt abgegeben werden? Nein, beschwichtigt Baban. Seit Ende 2020 wird stattdessen eine neue Löwen-Anlage gebaut – unter Hochdruck und für Millionen Euro. Die Planungen waren längst fertig, die Baugenehmigung lag vor. Doch Corona sorgte zwischenzeitlich für großes Bangen. Jetzt herrscht ebenso große Erleichterung. "Im schlimmsten Fall hätten wir die Löwen an einen anderen Zoo abgeben müssen, aber nicht verkaufen. Auch hier hat die Landeshauptstadt München erklärt, dass sie das nicht zulässt und uns zugesichert, dass wir die Löwenanlage bauen können", erklärt Baban: "Deswegen war am 4. Dezember Spatenstich und wir sind gerade mitten in den Bauarbeiten für rund 3,6 Millionen Euro."

Die Löwen in Münchner Tierpark Hellabrunn (Archivbild): Gerade wird eine neue Anlage für die Großkatzen gebaut. (Quelle: imago images/Martin Vogt)Die Löwen im Münchner Tierpark Hellabrunn (Archivbild): Gerade wird eine neue Anlage für die Großkatzen gebaut. (Quelle: Martin Vogt/imago images)

Damit nicht genug: Der Zoo war schließlich im Frühjahr zu und durfte im Sommer sowie Herbst nur begrenzt Besucher reinlassen, ehe auch der Tierpark Hellabrunn im zweiten Corona-Lockdown wieder schließen musste. Dabei belaufen sich die Kosten jährlich laut Zoodirektor auf mehr als 18 Millionen Euro. Ende Juli bewilligte der Stadtrat deshalb millionenschwere Hilfen. Auf Nachfrage will Zoo-Chef Baban die Summe nicht kommentieren, laut "Bild" geht es um acht Millionen Euro – inklusive Löwen-Anlage.

München steht zu Hellabrunn

Auch aus der Bevölkerung und der lokalen Wirtschaft war die Unterstützung gewaltig, erzählt der 54-Jährige stattdessen. So spendete etwa nicht nur der Fußballklub TSV 1860 München (3. Liga), der zudem Tierpate der beiden Löwen Benny und Max ist.

Patenschaften, Gutscheine für Jahreskarten, Förderkreis: "Wir haben sehr treue Hellabrunn-Fans", erzählt Baban und ist "sehr, sehr dankbar" für die Solidarität. Doch wie geht es in der Corona-Krise im Lockdown langfristig weiter? Das weiß man auch im Tierpark in den Isarauen nicht.

Am 8. März durfte Hellabrunn wie die anderen Zoos in Deutschland öffnen. Baban freue sich "sehr über die Öffnungsperspektive". Doch die Hygieneauflagen sind streng. Die Besucherzahl ist begrenzt, Tickets müssen mindestens einen Tag vorher online gebucht werden und auf dem gesamten Gelände gilt eine FFP2-Maskenpflicht.

Müssen die Zoos bald wieder schließen?

Währenddessen steigen die Corona-Infektionszahlen auch in München und Oberbayern erneut rasant. Und der Berater von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Karl Lauterbach (SPD), sowie Intensivmediziner fordern bereits Verschärfungen bisheriger Lockerungen.

Doch in Hellabrunn bleibt man zuversichtlich. Baban sagt: "Wir machen uns keine Sorgen, weil die Landeshauptstadt München zu 100 Prozent zu ihrem Tierpark steht." Und zu den imposanten Löwen Benny und Max.

Verwendete Quellen:

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