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Beamter will 220.000 Euro ÔÇô und bekommt Beschimpfungen

Von Christof Paulus

19.05.2022Lesedauer: 3 Min.
Das Augsburger Rathaus, politische wie berufliche Heimat von Gerd Merkle (Archivbilder): Der Baureferent der Stadt fordert f├╝r ├ťberstunden 220.000 Euro.
Das Augsburger Rathaus, politische wie berufliche Heimat von Gerd Merkle (Archivbilder): Der Baureferent der Stadt fordert f├╝r ├ťberstunden 220.000 Euro. (Quelle: Christof Paulus / CSU Augsburg)
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Weil er ├╝ber Jahre in seiner vorherigen Stelle ├ťberstunden angesammelt hat, will der Augsburger Baureferent Gerd Merkle ├╝ber 200.000 Euro von der Stadt, die er selbst mitregiert. Verloren hat Merkle damit wohl schon jetzt ÔÇô selbst wenn er das Geld bekommt.

Eigentlich ist die Rechnung ganz einfach: 4.500 ├ťberstunden hat Gerd Merkle angesammelt, gibt er an. 220.000 Euro will der Baureferent der Stadt Augsburg daf├╝r von eben jener Kommune, seiner eigenen. Doch die Stadt und Merkle stecken so nun pl├Âtzlich tief in einem Thema, ├╝ber das viele aus guten Gr├╝nden nicht gerne reden. Denn wenn es ums Geld geht, dann wird es emotional. Umso mehr, je h├Âher die Summe ist. Vor allem in Schwaben.

Und so hat alles angefangen: Vor rund einem Monat berichtete die "Augsburger Allgemeine" aus einer Sitzung des Personalausschusses der Stadt, die eigentlich nicht-├Âffentlich sein sollte. Darin wurde die Forderung Merkles vorgetragen. Irritiert, aber letztlich ├╝berredet, stimmte der Ausschuss dem Ganzen zu. Unter einem Vorbehalt.

├ťberstunden in Augsburg: Es geht um 220.000 Euro

Die Aufsichtsbeh├Ârde des bayerischen Regierungsbezirks Schwaben solle zustimmen. Denn entscheiden will den Fall offenbar niemand, zumindest nicht alleine. Den Schwarzen Peter m├Âchten alle abgeben. Nun haben die Augsburger ihn wohl mindestens doppelt.

Einer davon ist bei Merkle. Der steht seit Wochen in der Stadt in der Kritik. "Als ich die Forderung von Herrn Merkle las, bekam ich fast einen dicken Hals!", zitiert die "Augsburger Allgemeine" einen ihrer Leser. "Es erscheint mir, dass Deutschland immer mehr zu einem Selbstbedienungsladen f├╝r manche F├╝hrungskr├Ąfte und Politiker wird", steht dort. Genauso wie: "Eigentor", "unglaublich" oder "zieht ihm Stunden ab". Aber auch: Merkle sei "gnadenlos an den Pranger gestellt" worden.

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In einem Punkt sind sich die meisten Beobachter einig: Merkle ist ein flei├čiger Beamter. Als Baureferent, und somit Mitglied der Stadtregierung, wie auch als Angestellter zuvor war er ma├čgeblich an vielen st├Ądtischen Projekten beteiligt. Dass er so viele ├ťberstunden angesammelt hat, scheint glaubw├╝rdig zu sein. Und auch, dass er diese nachtr├Ąglich einfordern kann, klingt plausibel. In den Nullerjahren gab es eine entsprechende Vereinbarung in der Stadtverwaltung. Nur: Der Fall ist inzwischen ├╝ber ein Jahrzehnt alt.

Augsburg: Gerd Merkle redet nicht mit der Presse

Denn Merkles Forderungen beziehen sich auf die Jahre vor 2008, als er vom Angestellten zum Baureferenten wurde. Warum die Forderungen nicht verfallen sein sollen, ist eine der offenen Fragen. Wieso Merkle so lange damit wartete, eine weitere. Beantworten k├Ânnte er das selbst. Doch er redet nicht dar├╝ber. Nur in einem Blog nimmt er bislang ├Âffentlich Stellung ÔÇô die n├Ąchste Skurrilit├Ąt in diesem kuriosen Fall.

Denn der Blog, in dem Merkle sich ├Ąu├čert, ist ein Hundeblog. Betrieben wird der ÔÇô und so erschlie├čt sich der Zusammenhang ÔÇô beinahe inkognito von einem lokal gut vernetzten Journalisten im Ruhestand. "Du bist der erste Journalist, der versucht, Licht ins Dunkel zu bekommen", wird ein Schreiben Merkles an den Autor dort zitiert wird.

Der K├Ânigsplatz in Augsburg (Archivbild). Der Umbau geh├Ârte zu den wichtigsten Projekten in der Amtszeit von Gerd Merkle.
Der K├Ânigsplatz in Augsburg (Archivbild). Der Umbau geh├Ârte zu den wichtigsten Projekten in der Amtszeit von Gerd Merkle. (Quelle: Alexander Rochau)

Dort erkl├Ąrt Merkle sich. "W├Ąhrend die anderen ihre Weihnachtsgans verdr├╝ckten, arbeiteten meine Kollegen und ich teilweise im Mehrschichtbetrieb drei Wochen durch, 20 Stunden am Tag, Schlafen im B├╝ro, aber wir konnten den Termin halten", beschreibt er ein Projekt. Nur was das Thema gerade 2022 wieder aktuell macht, dazu steht dort nichts.

Stadt Augsburg gibt in Sachen ├ťberstunden schwaches Bild ab

Und in Augsburg wird bei Betrachtung des Falls schnell klar: Merkle ist vielleicht derjenige mit dem prallsten ├ťberstundenkonto ÔÇô aber sicher nicht der einzig Betroffene. Bei der Entscheidung geht es deshalb wohl nicht nur um seine Forderungen. Und so steht auch die Stadt selbst um Oberb├╝rgermeisterin Eva Weber mit einem Schwarzen Peter da.

Und eine schallende Watschn von der Bezirksregierung von Schwaben fing sie sich obendrein ein. Der Bezirk sollte schlie├člich pr├╝fen, ob Merkles Forderungen und die Zustimmung des Personalausschusses in Ordnung sind. Doch das machte er nicht. Die Stadt m├╝sse das schon selbst kl├Ąren, entschied sie diese Woche.

├ťberstundenforderungen machen deutschlandweit Schlagzeilen

Jetzt ist eine neue Sitzung des Personalausschusses angesetzt. Das Thema wird zur H├Ąngepartie, im Stadtrat ist schon von einem Imageschaden die Rede, w├Ąhrend in Augsburg das Thema seit Wochen die Schlagzeilen bestimmt. Und dar├╝ber hinaus: In der aktuellen Ausgabe titelt die "Bild am Sonntag": "Beamter will 220.000 Euro f├╝r ├ťberstunden".

Daneben prangt das Bild von Gerd Merkle. Ob und wie viel Geld er f├╝r seine ├ťberstunden erh├Ąlt, ist weiter offen. Doch schon jetzt steht fest: Jeden Cent davon hat Merkle teuer bezahlt.

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Von Patrick Mayer
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